Eingeimpft

Schon seit Jahren ist die Notwendigkeit frühzeitiger Impfungen Gegenstand hitziger Diskussionen. Befürworter legen Eltern nahe, erste Impfungen schon im Alter von zwei Monaten vornehmen zu lassen. Skeptiker jedoch entgegnen, dass u.a. die Gefahr von Nebenwirkungen zu hoch sei. Filmemacher David Sieveking nahm die Geburt seiner ersten Tochter zum Anlass, den Vor- und Nachteilen vom Impfen auf den Grund zu gehen. Sein informativer, von einer sehr persönlichen Note durchzogener Film „Eingeimpft“ ist ein spannender, aufklärerischer Beitrag zu einem vielschichtigen Thema.

Webseite: www.eingeimpft-film.de

Deutschland 2018
Regie & Drehbuch: David Sieveking
Darsteller: David Sieveking, Jessica de Rooji u.a.
Länge: 95 Minuten
Kinostart: 13. September 2018
Verleih: Farbfilm

WICHTIGER HINWEIS:

Die impfkritische, sehr subjektive Sicht des Films ist durchaus umstritten und sorgt für viel inhaltliche Kritik – hingewiesen sei daher hier auf eine inhaltliche Aufarbeitung des Films in der Wissenschaftszeitung SPEKTRUM: "Im Zeichen der Egozentrik: Einzelmeinungen zählen mehr als Fakten und Evidenz – diese Botschaft vermittelt David Sievekings Dokumentation »Eingeimpft". – Zur Kritik hier…

Eine ausführliche Filmkritik zum Thema gibt es bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Unter der Überschrift "Vorsorge – Keine Angst vorm Impfen" heißt es: "Der Film "Eingeimpft" wirkt auf den ersten Blick nett und ehrlich. Tatsächlich aber sät er unnötig Zweifel und bestärkt damit Impfgegner. Warum die Vorsorge richtig ist." – Die ganze SZ-Kritik hier…

Eine weitere, sehr deutliche Kritik ("…tendenzios …schürt irrationale Ängste") hier bei SPIEGELonline…

FILMKRITIK:

David Sieveking und seine Freundin Jessica de Rooij werden Eltern einer gesunden Tochter. Alles könnte harmonisch sein, doch schon nach wenigen Wochen wird die familiäre Idylle gestört. Denn das Mädchen soll gegen acht verschiedene Krankheiten geimpft werden. Spätestens jetzt kommen Fragen auf, mit denen sich die meisten Eltern irgendwann beschäftigen müssen. Fragen, die auf Spielplätzen und Kitas oft zu Diskussionen führen: Impfen, ja oder nein? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Gegen was soll geimpft werden? Eine klare Antwort darauf scheint es nicht zu geben. Deshalb beschließt Sieveking, das Thema professionell zu bearbeiten und steigt in die Recherche ein.

„Eingeimpft“ ist Sievekings erster Film seit der Doku „Vergiss mein nicht“ von 2012. Schon „Vergiss mein nicht“ war ein sehr intimes Werk, in dem der Filmemacher die letzten Lebensjahre seiner Mutter dokumentierte. Ausgebildet wurde er in Berlin an der Deutschen Film- und Fernsehakademie, an der er Regie studierte. Auch seine Partnerin ist in der Filmbranche tätig und arbeitet als Komponistin für Filmmusik.

Sieveking verleiht seinem neuen Film nicht zuletzt deshalb einen persönlichen Anstrich, da er den Betrachter hautnah an seinem Alltag mit der Neugeborenen teilhaben lässt. Und damit ebenso an den Ängsten und Sorgen frischgebackener Eltern. Der Aspekt „Impfen“ steht dabei in den ersten Minuten gar nicht so sehr im Mittelpunkt, vielmehr zeigt Sieveking auf ebenso freimütige wie sympathisch-humorvolle Weise auf, wie sehr ein Kind das Leben von Eltern zunächst einmal durcheinander wirbelt. Der Kampf um zumindest ein paar Minuten Schlaf in der Nacht. Die finanziell veränderte Situation. Gespräche mit den eigenen Eltern, von denen man sich Erfahrungswerte und wichtige Tipps erhofft – all diese Aspekte greift Sieveking auf und fängt die jeweiligen Situationen ohne einen Anflug von Künstlichkeit von ein.

Nach und nach rückt „Impfen“ als filmisches Motiv dann in den Vordergrund. Der Filmemacher verknüpft seine eigene Geschichte in der Folge immer stärker mit einer umfassenden, allgemeinen Recherche zum eigentlichen Sujet des Films. So zynisch es klingen mag: Eine bessere Voraussetzung für die filmische Bearbeitung als die eigene Situation in der Familie, hätte sich der Regisseur dabei gar nicht wünschen können. Denn während de Rooji aufgrund negativer Erfahrungen eher die Seite der Impfgegner vertritt, hat Sieveking vielmehr Angst vor den Folgen, wenn die Impfung bei der Tochter ausbleibt. Also müssen Antworten her und die können Wissenschaftler und Mediziner zu diesem komplexen, strittigen Thema am ehesten geben.

So reist er unter anderem zur Ständigen Impfkommission, die die aktuellen Impfempfehlungen ausspricht, sowie zum Bundesinstitut für Impfstoffe. Danach besucht er einen seit 40 Jahren in Afrika forschenden Wissenschaftler und geht zu Vorträgen unterschiedlicher Ärzte. Darunter auch ein Vortrag eines anthroposophischen Mediziners. Dieser empfiehlt zum Beispiel eine kritische Betrachtung der Impfempfehlungen. Lobenswert ist, dass Sieveking all seinen Gesprächspartnern auf den Zahn fühlt und ihnen kritische Fragen stellt. Um die Äußerungen der Befragten verständlich zu halten, reichert er seinen Film zudem immer wieder mit verspielten, kreativen Animationen an.

Am Ende muss jeder individuell für sich die Frage beantworten, was er in welcher Form seinem Kind verabreichen will. Die Doku leistet aber in jedem Fall einen wichtigen Beitrag dazu, sich ausführlich über das Thema zu informieren und sich diesem in all seinen Facetten konstruktiv zu nähern.

Björn Schneider