Elbe

Das Leben im Fall von Marco Mittelstaedts zweitem Spielfilm „Elbe“ ist nur bedingt ein langer ruhiger Fluss. Für die seit 20 Jahren gemeinsam auf Frachtkähnen fahrenden Helden dieses deutschen „Buddy-River-Movies“ nämlich geht es um die nackte Existenz und um die Verwirklichung von Lebenszielen. Ruhig sind die Bilder, ausdrucksstark die Landschaften, die Erzählung springt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Traum. Die Unnahbarkeit der Figuren gehört dabei zum Konzept.  

Webseite: www.elbe-derfilm.de

Deutschland 2006
Regie: Marco Mittelstaedt
Darsteller: Henning Peker, Tom Jahn, Steffi Kühnert, Gabriele Maria Schmeide
92 Minuten
Verleih: Zorro Film
Kinostart: 24.05.07

PRESSESTIMMEN:

Ein Roadmovie auf Wasserwegen.
Der Spiegel

Die Beschreibung einer ungewöhnlichen Freundschaft in Form eines hervorragend besetzten melancholischen Heimatfilms, der, reich an knapp skizzierten Szenen, unaufgeregt und leise von existenziellen Momenten erzählt. In seinen dichtesten Momenten erinnert er dabei an die frühen Arbeiten von Jim Jarmusch. – Sehenswert.
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FILMKRITIK:

Kowsky (Henning Peker) und Gero (Tom Jahn) sind zwei charakterlich völlig unterschiedliche Losertypen. Zum Familienmenschen taugen beide nicht, wovon gescheiterte Ehen oder eine persönlich nie gekannte Tochter zeugen. Wirklich zuhause fühlen sich die beiden Binnenschiffer nur auf der Elbe. In ihren 20 gemeinsamen Jahren ist sie ihnen zu einer veritablen Heimat geworden. Doch die Zeiten in dieser Branche sind hart. Mehr recht als schlecht schlagen sie sich durch. In „Elbe“ sind sie mit Geros Segelboot auf dem Weg von Dresden nach Hamburg. Laut Kowsky wartet hier eine Reederei nur darauf, die beiden für große Fahrten hinaus in die Welt anzuheuern.

Mit Zechprellerei, Kartenspielertricks und Lügen gegenüber Gero macht Kowsky auf den Zuschauer einen alles andere als sympathischen Eindruck. Sein Kumpel wiederum bleibt wortkarg, gefällt aber mit seiner ehrlichen und zuverlässigen Art. Beim Zwischenstopp in Wittenberg verdient sich Gero das notwendige Kleingeld für die Weiterfahrt bei einem Gemüsehändler, und verliebt sich in dessen Verkäuferin (Steffi Kühnert). Dann der Schock: das Segelboot wird gepfändet, weil Kowsky die vereinbarten Raten nicht bezahlt hat. Für die Freundschaft der beiden ein schwerer Knacks. Doch als der unzuverlässige Freund später in eine gefährliche Situation gerät, ist Gero zur Stelle. Für seinen Traum, eines Tages auf dem Ayers Rock in Australien zu stehen, hat dies jedoch fatale Folgen.

Stark an „Elbe“ sind auf alle Fälle die wundervollen Landschaftsansichten und Stimmungen. Schwerer tut sich der oft lakonische Film dabei, seine von den Theater- und Fernsehschauspielern Tom Jahn und Henning Peker („Soko Leipzig“) gespielten Hauptfiguren als Sympathieträger zu zeichnen. Dies allerdings liegt in der Natur ihrer Charaktere begründet. Bereits äußerlich flößt Kowsky wenig Vertrauen ein, Gero bleibt wegen seiner verschlossenen Art unnahbar. Interessant ist allerdings die Montage des Films. Nicht unbedingt ist nämlich ersichtlich, ob sich Kowsky, wenn er in Gedanken versunken auf einem Turm in die Ferne sieht oder am Ufer über den Fluss blickend sitzt, nicht von künftigen Taten träumt – oder ob es sich dabei um eine der immer wieder auch eingestreuten Rückblenden aus besseren Schifferzeiten handelt. Gerade die Möglichkeit eines Hoffnungsmoments aber macht in gewisser Weise die Magie dieses vom Verlieren, Suchen und Finden handelnden Films aus. Trotz aller Tragik hat „Elbe“ am Ende dann auch doch noch so etwas wie ein Happy End.

Thomas Volkmann