Eldorado

Der Autohändler Yvan stellt einen Einbrecher in seiner Wohnung. Er nimmt sich seiner an und begibt sich mit dem Junkie auf eine ungewöhnliche Reise. Das unwiderstehliche Roadmovie aus Belgien wurde bereits in Cannes zu Recht ausgezeichnet.

Webseite: www.eldorado-derfilm.de

Belgien, Frankreich 2008
Regie/Drehbuch: Bouli Lanners
Darsteller: Bouli Lanners, Fabrice Adde, Philippe Nahon, Didier Toupy, Francoise Chichery
Laufzeit: 85 Minuten
Verleih: Kool Filmdistribution
Kinostart neu: 14.5.2009
 

PRESSESTIMMEN:

…so skurril wie unterhaltsam.
tz München

Ein Juwel des schmutzigen kleinen Films… Es sind wahre Typen, gespielt von hervorragenden Darstellern, die für sich und gemeinsam den Grenzbereich zwischen albernster Komik und tiefer Schwermut neu vermessen.
Berliner Zeitung

Belgien gehört eigentlich zum weiten amerikanischen Westen. Davon ist der Regisseur und Schauspieler Bouli Lanners überzeugt. Sein schräges Roadmovie ‘Eldorado’ war letztes Jahr der Überraschungshit in Cannes. – Sehenswert!
tip Berlin

AUSZEICHNUNGEN:

Gewinner der Quinzaine, Cannes 2008 mit:
Preis der Internationalen Filmkritikerjury (FIPRESCI)
Bester Europäischer Film, Label Europa Cinemas
Prix Regards Jeunes
 

FILMKRITIK:

Der Autohändler Yvan hat sich auf den Verkauf von amerikanischen Oldtimern spezialisiert. Keine brotlose Kunst, aber eben doch eine recht spezielle. Schließlich wohnt er in einem eher verträumten belgischen Kaff, fern der zahlenden Kundschaft. Nur gut, dass er mit seinen Amischlitten problemlos den potentiellen Käufern entgegenfahren kann. Von einer dieser Geschäftsreisen zurück, glaubt Yvan seinen Augen und Ohren nicht zu trauen. Wie sich bereits an seiner Haustür herausstellt, hat sich jemand mit Gewalt Zugang zu seiner Wohnung verschafft. Doch damit nicht genug. Dieser jemand befindet sich offenkundig noch immer im Haus, was eindeutige Geräusche aus dem oberen Stockwerk belegen. Und tatsächlich: Als Yvan sein Schlafgemach betritt, liegt der Einbrecher unter dem Bett. Kein besonders originelles Versteck, doch da der Ganove womöglich bewaffnet ist, traut sich der Hausherr nicht recht, ihn zu stellen.

Am nächsten Morgen erwacht Yvan auf seinem Stuhl. Just in dem Moment, als der Dieb die Treppe hinunter zu fliehen gedenkt. Nun gelingt es ihm, den Langfinger zu schnappen. Dieser entpuppt sich als ein Häufchen Elend, dass da unbeholfen am Fuße der Treppe kauert. Ein Junkie, der angeblich nur ein wenig Geld für den Bus ergattern wollte. Und was tut der körperlich überlegene und bestohlene Herr des Hauses? Die Polizei rufen? Selbstjustiz? Von wegen! Er nimmt sich des bedauernswerten Stromers an. Und so muss Elie – so sein Name – nicht länger auf den Bus warten, sondern wird stattdessen von seinem neuen Gönner in einem schicken Wagen chauffiert. Ziel ist die französische Grenze und der Besuch bei Elies Eltern. Doch schon sehr bald soll sich herausstellen, dass auf dieser ungewöhnlichen Reise einmal mehr der Weg das eigentliche Ziel sein soll. Für beide!

Bouli Lanners, der nebst Drehbuch und Regie auch eine der beiden Hauptrollen übernahm, wollte mit „Eldorado“ einen Film abliefern, „den die Leute einfach gerne sehen“. Das ist ihm wahrlich gelungen! In seiner unwiderstehlich herzerfrischenden Erzählung, schickt er seine ungleichen Antihelden auf eine bizarre Reise durch die wallonische Landschaft. Ein traurigsüßes und urkomisches Roadmovie, dem man sich nicht entziehen kann. Eine ernste Komödie, die jederzeit die Balance zwischen Tragik und Komik hält. Allein hierfür sei dem belgischen Kinojuwel die Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film 2009 vergönnt. Der Weg hierfür ist geebnet, denn das belgische Auswahlkomitee hat sich bereits dafür entschieden, „Eldorado“ ins Rennen um die begehrte Trophäe zu schicken. Für das Land wäre es die erste Auszeichnung ihrer Art und mit Bouli Lanners würde man einen möglichen Preisträger nach Hollywood schicken, der auch auf der Oscar-Bühne seine Wirkung nicht verfehlen dürfte.

Gary Rohweder

Der Autohändler Yvan kommt nach Hause und findet unter seinem Bett einen Einbrecher. Es ist der Ex-Junkie Didier, der sich Elie nennt, seit er sich im Unfrieden von seinen Eltern getrennt hat. Anstatt den Einbrecher der Polizei zu melden, hat Yvan Mitleid mit ihm. Ja, er nimmt ihn gar mit auf seine geschäftlichen Fahrten, bei denen den beiden die skurrilsten Dinge passieren und sie auf eine Reihe kurioser Typen treffen: einen wahrsagenden Autosammler, einen Nudisten, Biker mit einem halbtoten Hund und noch mehr. Den gescheiterten Besuch bei Elies Mutter nicht zu vergessen.

Yvan ist an sich ein gestandener Mann, er wird jedoch durch die Begegnung mit Elie zeitweise aus seinem Lebensrhythmus geworfen. Die Geschäftsreisen werden zu Irrfahrten. Elie lebt im Nirgendwo. Er behauptet, seine Sucht hinter sich zu haben. Doch dann gibt ihm Yvan etwas Geld für eine Besorgung. Elie verschwindet. Wird er zurückkommen? Es sieht nicht so aus.

Ein Road-Movie. Eines, das durch Nostalgie, aber auch durch Menschlichkeit charakterisiert ist. Eines, in dem ab und zu plötzlich die Komik ausbricht. Es hat, auf Elie bezogen, auch nihilistische Bezüge. Man weiß nicht genau, ob die Waagschale sich zum Negativen hin neigt oder zum Positiven, zum Ödland oder zum „Eldorado“. 

Sehr schöne Aufnahmen kennzeichnen den Film. Und zudem wird er, unterkühlt und trocken dargeboten, in künstlerisch sogar beachtlicher Weise gespielt von Bouli Lanners – auch Autor und Regisseur – als Yvan sowie von Fabrice Adde als Elie. 

Thomas Engel