Elvis & Nixon

Elvis Presley trifft Richard Nixon! Im Weißen Haus!! Um sich als verdeckter Ermittler im Kampf gegen Drogen anzudienen!!! Zu schön um wahr zu sein ist diese Geschichte, doch sie ist tatsächlich wahr. Vielleicht nicht in allen Details, die Liza Johnson in „Elvis & Nixon“ mit Verve und zwei brillant aufspielenden Hauptdarstellern zeigt, aber der Kern der Geschichte ist eine Geschichtsstunde besonderer Art und vor allem ein großes Kinovergnügen.

Webseite: www.elvisundnixon-film.de

USA 2016
Regie: Liza Johnson
Buch: Joey Sagal, Hanala Sagal, Cary Elwes
Darsteller: Michael Shannon, Kevin Spacey, Johnny Knoxville, Alex Pettyfar, Colin Hanks, Evan Peters, Sky Ferreira
Länge: 86 Minuten
Verleih: Universum
Kinostart: 8. Dezember 2016

FILMKRITIK:

Das Objekt im amerikanischen Bundesarchiv, das am häufigsten nachgefragt wird, ist nicht etwa die Unabhängigkeitserklärung, sondern ein Erinnerungsfoto, das am 21. Dezember 1970 im Weißen Haus aufgenommen wurde und zwei der damals berühmtesten Menschen der Welt beim Händeschütteln zeigt: Den amerikanischen Präsidenten Richard Nixon und den Entertainer Elvis Presley. Dass es ein Treffen dieses ungewöhnlichen Duos gegeben hat, steht also außer Frage, was genau der Anlass war und vor allem wie das Treffen ablief ist dagegen weniger klar, zumal Nixon zu diesem Zeitpunkt sein Büro noch nicht dauerhaft verwanzt hatte, um sämtliche Gespräche aufzunehmen.
 
Kurz vor Weihnachten 1970 lag der Watergate-Skandal noch in der Zukunft, auch Elvis Verfall zur aufgedunsenen Parodie seiner selbst stand noch aus, seine Aura ungebrochen, sein Charisma atemberaubend. Es überrascht nicht, dass Hauptdarsteller Michael Shannon den Film mitproduzierte, denn die Rolle des Elvis Presley ist gefundenes Fressen für den Mimen. Mit riesigen Koteletten, Haarspray gestärkter Frisur, bis zum Bauchnabel geöffneten Rüschenhemden und viel Goldschmuck stolziert Shannon durch den Film und schafft es, die unvergleichliche Aura des Kings kongenial auf die Leinwand zu bringen.
 
Zu Beginn reist Elvis zum ersten Mal ohne seine Entourage in einem Flugzeug, begibt sich unter normale Menschen, um nach Washington DC zu fliegen. Sein Freund Jerry (Alex Pettyfar) organisiert eine Luxussuite und lässt sich von Elvis doch noch einmal überreden, seinen bescheidenen Job in Los Angeles aufzugeben und lieber als Assistent des Kings in einer anderen Welt zu existieren. Wie bizarr diese von Reichtum und Ruhm geprägte Sphäre gewesen sein muss, verdeutlichen teils authentische, teils erfundene Szenen, in denen Elvis sich in der normalen Welt bewegt, in einem ausschließlich von Schwarzen besuchtem Diner, im Büro der Drogenbehörde oder später im Weißen Haus, und mit seiner Aura jeden Raum, jeden Menschen beherrscht und mit schierer Lässigkeit und Selbstüberzeugung fast immer bekommt was er will. Selbst als es ihm schließlich gelingt, einen (kurzen) Termin bei Richard Nixon (Kevin Spacey) zu erhalten, der ihn nur auf Druck seiner Tochter empfängt, beherrscht Elvis sofort den Raum als wäre er der Bewohner des Weißen Hauses und nicht der Präsident.
 
Das besondere Vergnügen Shannon, aber auch Spacey bei ihrer Verkörperung legendärer Figuren zuzusehen ist, dass sie sie zwar leicht überzeichnen, aber nie in die Karikatur abdriften. So absurd mancher Moment auch wirken mag, so selbstverloren gerade Elvis oft auch wirkt: Nie erhebt sich „Elvis & Nixon“ über seine Figuren, nie macht er sich über sie lustig.
 
Vor allem als Hommage an seine beiden Protagonisten funktioniert Liza Johnsons Film also, als liebevoller Ausstattungsfilm, der eine bizarre Begegnung, zweier außerordentlicher Menschen erinnert. Manche Nebenhandlung wirkt da etwas bemüht, manche Frage bleibt offen, nur knapp gelingt es „Elvis & Nixon“ abendfüllende Länge zu erreichen. Substanzielle Erkenntnisse über seine Figuren oder seine Zeit darf man hier nicht erwarten, dafür aber einen schnörkellos inszenierten Film, in dem zwei brillante Darsteller sichtbaren Spaß haben, zwei der berühmtesten Personen der amerikanischen Zeitgeschichte zu verkörpern, die durch seltsame Umstände für einen historischen Moment vereint waren.
 
Michael Meyns