Enzo und die wundersame Welt der Menschen

Im chinesischen Horoskop war 2018 das Jahr des Hundes, in Hollywood ist es ganz klar das Jahr 2019. Denn nach „Bailey – Ein Hund kehrt zurück“ gibt es nun mit „Enzo und die wundersame Welt der Menschen“ einen weiteren großen Film, der nicht nur Hundefans rühren wird. Denn aus Sicht des Hundes Enzo erlebt man mit, wie zwei Menschen sich kennen und lieben lernen, wie sie heiraten, eine Tochter bekommen und ein schweres Schicksal zuschlägt. Das ist eine im Grunde sehr klischierte Geschichte, sie aus Hundesicht zu erzählen, verleiht ihr jedoch etwas Einzigartiges.

Webseite: www.enzo-film.de

The Art of Racing in the Rain
USA 2019
Regie: Simon Curtis
Drehbuch: Mark Bomback
Darsteller: Milo Ventimiglia, Kevin Costner, Amanda Seyfried, Kathy Baker
Länge: 109 Minuten
Verleih: Fox
Kinostart: 3. Oktober 2019

FILMKRITIK:

Der Rennfahrer Denny (Milo Ventimiglia) kommt eher durch Zufall zu seinem Hund, den er nach Ferrari-Gründer Enzo nennt. Die Geschichte wird aus Enzos Sicht erzählt. Er ist, das hat Denny gleich erkannt, im Herzen ein Rennfahrer. So hält sich Enzo auch nirgendwo lieber als neben der Rennbahn auf und fiebert mit, ob Denny diesmal der Durchbruch gelingt. Das Leben nimmt eine Wende, als Denny die Lehrerin Eve (Amanda Seyfried) kennen lernt. Beide verlieben sich und heiraten. Enzo weiß lange nicht, was er davon halten soll, aber als sich Nachwuchs anbahnt, ist auch er hin und weg. Doch das Glück währt nicht lange und Enzo tut, was er kann, um seinem Denny der beste Freund zu sein, den ein Mensch nur haben kann.
 
Der Film basiert auf Garth Steins Roman, der im Deutschen einen etwas anderen Titel hat: „Enzo oder Die Kunst, ein Mensch zu sein“. Der hätte für den Film durchaus auch gepasst, geht es doch nicht nur darum, dass der Hund das menschliche Wirken beobachtet. Schon in der Eingangsszene erzählt er von einer Dokumentation über die Mongolei, die er einmal gesehen hat. Dort ist es Volksglaube, dass manche Hunde, wenn sie bereit sind, nach dem Ableben nicht einfach verschwinden, sondern als Mensch wiedergeboren werden. Das möchte auch Enzo, am liebsten aber mit allen Erinnerungen, die er ein Leben lang gesammelt hat – und das sind einige.
 
Es ist eine herzerwärmende Tragikomödie, die Regisseur Simon Curtis hier erzählt. Die Geschichte vom leidenschaftlichen Rennfahrer, der auf den Durchbruch wartet, und seine Familie ist im Grunde alles andere als originell. Im Gegenteil, die Geschichte ist sogar ausgesprochen klischiert, aber die bekannten Versatzstücke werden durch den Perspektivenwechsel neu verpackt und erzielen so ungleich mehr Wirkung. So erlebt man mit, wie der Hund die Welt sieht, wie er eigentlich weit klüger als ein Hund ist, aber in mancherlei Hinsicht ein doch sehr einfaches Verständnis hat. Das ist natürlich eine Vermenschlichung des Hundes, die den Film genauso wenig realistisch wie die „Bailey“-Produktionen anmuten lässt, aber wenn man Hunde liebt, geht einem hier das Herz auf.
 
Es gibt viele Momente, in denen man Denny, aber auch Enzo versteht. Man versteht die Bewunderung, die der Hund für sein Herrchen aufbringt, man versteht auch seinen unbedingten Willen, das Leben für die Seinen besser zu machen, und man versteht die Frustration, wenn der Hund zwar eine Krankheit erschnüffeln, aber niemandem mitteilen kann, was er entdeckt hat. Das sind emotional starke Szenen, die lange nachhallen.
 
Der Film lebt von Enzo – sowohl den drei Hunden, die ihn spielen, als auch dem Mann, der ihm seine Stimme leiht. Im Original ist das Kevin Costner, dessen Stimme im Alter nicht nur rauer und kratziger, sondern auch wärmer und weiser geworden ist. Es ist oft auch die trockene Art, mit der Costner für einen lustigen Moment sorgt, vor allem gelingt es ihm jedoch, dem Hund Lebensweisheit mitzugeben, die besonders in den gefühlvolleren Momenten kaum ein Auge trocken lassen wird.
 
Natürlich ist dies ein Film, bei dem man als Zuschauer hemmungslos manipuliert wird, aber schön ist es schon.
 
Peter Osteried