Euphoria

Die Schweden nennen sie ihren schönsten Hollywoodexport seit Ingrid Bergman. Die 28jährige Schauspielerin Alicia Vikander hat bereits ihren ersten Oscar für die Transgender Biografie „The Danish Girl" eingeheimst. Entdeckt wurde die gebürtige Göteborgerin von ihrer Landsfrau, der Regisseurin Lisa Langseth. Mit ihrem atmosphärisch dichten und emotionalen Mystery-Drama „Euphoria“ umkreist das schwedische Powerduo nun dunkle Familiengeheimnisse, Lügen und Verrat. Zwei einander entfremdete Schwestern versuchen dabei, einander wieder näherzukommen. In diesem Wechselbad der Gefühle überzeugt neben Eva Green nicht zuletzt Schauspiel-Ikone Charlotte Rampling.

Webseite: www.euphoria-film.de

Regie: Lisa Langseth
Drehbuch: Lisa Langseth
Darsteller:: Alicia Vikander, Eva Green, Charlotte Rampling, Charles Dance, Adrian Lester, Mark Stanley, Tiger Kirchharz, August Zirner, Katja Brenner
Länge: 104 Minuten
Verleih: Wildbunch, Vertrieb: Central
Kinostart: 24. Mai 2018
 

FILMKRITIK:

Die beiden Schwestern Ines (Alicia Vikander) und Emilie (Eva Green) haben schon lange keinen Kontakt mehr zueinander. Seit Jahren lebt Ines bereits in New York und hat sich dort selbstbewusst als Fotografin etabliert. Doch plötzlich meldet Emilie sich bei ihr. Sie pflegte die Mutter bis sie starb und will nun unbedingt ihre jüngere Schwester treffen. Widerstrebend willigt Ines ein. Die Einladung zu einer gemeinsamen Europareise kommt überraschend. Aber da ihre letzte Ausstellung verrissen wurde, sagt sie zu. Doch weder das edle Hotel in München noch das Diner mit Hummer und Champagner in einer legendären Bar hilft das Eis zwischen den beiden zu brechen.

Als ihre Reise dann abrupt vor einem abgelegenen idyllischen Schloss inmitten einer Waldlichtung endet, fühlt sich die skeptische Ines noch mehr überrumpelt. Denn das abgeschiedene Anwesen ist kein Luxushotel. Todkranke Menschen verbringen ihre letzten Tage dort. Sie bekommen Sterbehilfe. Vor dem endgültigen Abschied erfüllt ihnen Leiterin Marina (Charlotte Rampling) und ihr Team ihre individuellen Wünsche. So lässt reiche Engländer Mr. Daren (Charles Dance) eine Rockband zu seiner Abschiedsparty einfliegen.

Die krebskranke Emilie will in sechs Tagen aus dem Leben scheiden und möchte Ines an ihrer Seite haben. Für die unabhängige Künstlerin ein Schock. Überfordert versucht sie umsonst der Situation zu entkommen. Alte Konflikte brechen auf. Nachdem der Vater die Familie einst verließ, wurde die Mutter depressiv. Während Ines sich ihr eigenes Leben aufbaute, blieb Emilie bei der Mutter bis zu deren Selbstmord. Nun hadert sie verbittert mit ihrem Schicksal. Im Wechselbad der Gefühle unterstützt die beiden entfremdeten Schwestern Marina. Bald schon erscheint sie ihnen als Ersatz für die verlorene Mutter.

Obwohl „Tomb Rider“-Star Alice Vikander inzwischen in der obersten Hollywood-Liga angekommen ist, lässt sich die Oscarpreisträgerin auf ein gemeinsamen Debüt ihrer schwedischen Entdeckerin Lisa Langseth ein. Mit ihrem emotional intimen Drama entwirft die Regisseurin Bilder von visueller Tiefe. In ihrer Geschichte einer schmerzlichen Versöhnung gebrochener Seelen brilliert neben den beiden starken Hauptdarstellerinnen vor allem Schauspiel-Ikone Charlotte Rampling. Mit ihrer Furchtlosigkeit, wenn es um provokante Rollen geht scheint die britische Wahlpariserin mit der intensiven mysteriösen Ausstrahlung die ideale Besetzung.

Luitgard Koch