Ex Machina

Die klassische Fantasy-Formel: Mensch erfindet künstliche Kreatur. Kaum kann das Biest denken, zeigt es sich recht undankbar gegenüber seinem Schöpfer. Erfolgsautor Alex Garland („Der Strand“) präsentiert sein Regie-Debüt als raffiniertes Kammerspiel in einem schicken Hightech-Anwesen in der Wildnis. Ein junger Programmierer soll dort erforschen, ob der weibliche Androide, den sein exzentrischer Chef entwickelt hat, zu intelligentem Handeln fähig ist. Mit bestechender Eleganz präsentiert sich dieser futuristische Psychothriller als suspense starkes Kammerspiel mit hübsch verspielten Wendungen. Perfekte Arthaus-Unterhaltung.

Webseite: www.exmachina-film.de

GB 2014
Regie und Drehbuch: Alex Garland
Darsteller: Oscar Isaac, Domhnall Gleeson, Alicia Vikander, Chelsea Li, Evie Wray
Filmlänge: 108 Minuten
Verleih: Universal Film
Kinostart: 23.4.2015
 

Pressestimmen:

"Eine unterkühle Zukunftsvision als fesselndes Kammerspiel mit komplexen Figuren …intelligenten Diskursen über Perfektion und den Wert der Menschlichkeit. Großartig."
WDR

FILMKRITIK:

„Ich habe gewonnen“ jubelt der junge Programmierer Caleb, der als Belohnung eine Woche im abgelegenen Anwesen seines Chefs Nathan verbringen darf, der als exzentrisches Computer-Genie gilt und mit der Gründung einer smarten Suchmaschine zu Vermögen kam. Was genau es mit dem Preis auf sich hat, wird Caleb erst nach seiner Ankunft erfahren. Ein Helikopter bringt ihn an einen geheimnisvollen Ort in der Wildnis. „Weiter als hier darf ich nicht, den Rest gehst du zu Fuß!“, sagt der Pilot. Der verblüffte Caleb bahnt sich fortan den Weg durch den Wald und findet schließlich ein hypermodernes Knusperhäuschen. Als er durch die automatische Hightech-Tür Einlass findet, trifft er auf der Veranda auf seinen geheimnisvollen Gastgeber, der gerade Fitness-Übungen macht und über seinen Hangover klagt. Der Chef gibt sich kumpelhaft, bei einem Bier erklärt dem Besucher seine Aufgabe: Caleb soll den sogenannten Turing-Test durchführen, jenen Versuch, der das Denkvermögen von künstlicher Intelligenz klären soll, um festzustellen, ob ein Computer ein dem Menschen gleichgestelltes Denkvermögen besitzen kann. Objekt der wissenschaftlichen Begierde ist Ava, ein von Nathan entwickelter Roboter mit weiblichem Antlitz.
 
Bei den Gesprächen sind Programmierer und Gynoid durch eine Panzerglasscheibe getrennt. Per Video wird die Unterhaltung von Nathan überwacht – doch immer wieder kommt es zu kleinen Stromausfällen. Diese Pausen nutzt das Mensch-Roboter-Paar zu ungestörtem Plaudern. Der weibliche Androide erweist dabei auch sich als perfekte Flirt-Maschine, die genau weiß, welche emotionalen Knöpfe sie bei dem schüchternen Computer-Geek drücken muss. Caleb wiederum nutzt die menschlichen Schwächen seines Chefs, um die geheimen Räume des Anwesens zu untersuchen. Was er entdeckt, lässt ihn erschaudern. Er entwickelt einen raffinierten Fluchtplan. Doch Nathan ist kein Trottel – und Ava hat längst ihren ganz eigenen Vorstellungen.
 
Erfolgsautor Alex Garland gelingt mit dieser Verfilmung des eigenen Drehbuchs ein überzeugender Regie-Einstand und der Beweis, dass smarte Sci-Fi-Filme auch ohne pompöse Action-Feuerwerke und Effekt-Spektakel spannend ausfallen können. Mit großem Geschick nutzt er das extravagante Anwesen des exzentrischen Erfinders als klaustrophobische Kulisse für atmosphärisch dichte Spannungs-Offensiven der stilsicheren Art. Nicht minder gelungen fällt die Figurenaufstellung aus: Das schillernde Computer-Genie, der unsichere Programmierer und die bildschöne Roboterfrau ergeben ein Beziehungs- und Macht-Dreieck, dessen Schenkel sich chronisch verschieben und damit ein überaus raffiniert konstruiertes Katz-Maus-Spiel ermöglichen. Alle geben sich leutselig und freundlich, doch hinter der netten Fassade dieses ungleichen Trios werden zunehmend andere Facetten deutlich.
 
Damit diese dramaturgische Rechung aufgeht bedarf es leinwandpräsenter Akteure. Alicia Vikander („Anna Karenina”) gibt den verführerischen Cybor mit cooler Lässigkeit. Domhnall Gleeson (Sohn der irischen Schauspiel-Legende Brendan Gleeson) spielt den naiven Geek mit unschuldigem Charme, derweil die Coen-Brüder-Entdeckung Oscar Isaac aus „Inside Llewyn Davis“ und kommende „Star Wars“-Darsteller als moderner Frankenstein einmal mehr seine enorme Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt.
 
Dieter Oßwald