Fighter

Kämpfer sind die drei Männer, die Susanne Binninger in ihrer Dokumentation „Fighter“ porträtiert ohne Frage: Sie treten in der umstrittenen Kampfsportart MMA an, einer Mischung aus Boxen, Karate und anderen Techniken, die bei Kritikern als moderner Gladiatorenkampf verschrien ist, bei Fans aber zunehmende Beliebtheit genießt. Einen ersten Einblick in die Welt des MMA liefert nun dieser Film.

Webseite: www.realfictionfilme.de

Dokumentation
Deutschland 2016
Regie & Buch: Susanne Binninger
 Länge: 100 Minuten
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 4. Mai 2017

FILMKRITIK:

Seit den 90er Jahren hat das MMA (kurz für Mixed Martial Arts, also in etwa gemischte Kampfkünste) dem klassischen Boxen zunehmend den Rang abgelaufen. Nicht mehr nur mit den Fäusten wird hier gekämpft, sondern mit allen Körperteilen, je nach Kampfverband auch mit den Ellenbogen. Zwei Besonderheiten haben zum schlechten Ruf des MMA beigetragen, zum einen die Möglichkeit, den Gegner auch dann noch mit Schlägen und Tritten zu malträtieren, wenn dieser schon wehrlos auf dem Boden liegt, zum anderen der Schauplatz des Kampfes, der manchmal ein klassischer Boxring ist, oft aber ein Käfig, der bisweilen gar rundum geschlossen ist.
 
Martialisch mutet diese Arena an, wie eine Phantasie aus einem Mad Max-Film, wie eine moderne Gladiatorenarena, in der muskelbepackte Männer (und auch etliche Frauen) zwar nicht bis zum Tod, aber oft doch bis zu Knochenbrüchen und blutenden Gesichtern kämpfen. Warum diese offensichtlich harte, oft auch brutale Sport (manche Kritiker weigern sich gar, MMA überhaupt als Sport zu bezeichnen!) zu solcher Popularität gekommen ist, wäre eine Frage für Soziologen, vielleicht auch Psychologen, doch in diese Richtung bewegt sich Susanne Binninger mit ihrer Dokumentation nicht. Kritik an der Sportart, moralische oder andere Fragen bleiben außen vor, hier geht es ausschließlich um einen möglichst neutralen, dokumentarischen Blick auf drei Kämpfer, die mit ihren unterschiedlichen Biographien ein vielschichtiges Bild der MMA-Szene abgeben.
 
Der älteste des Trios heißt mit Spitz- bzw. Kampfnamen Big Daddy, bürgerlich Andreas Kraniotakes, 35 Jahre alter Deutscher mit griechischen Wurzeln. Seine Karriere neigt sich langsam dem Ende entgegen, doch der eloquente Kraniotakes scheint vorgesorgt zu haben: Er  ist im Besitz eines Universitäts-Diplom und hat überraschenderweise auch Kinderbücher geschrieben.
 
Rund zehn Jahre jünger sind die beiden anderen Protagonisten, beide mit Migrationshintergrund, Lom-Ali Eskijew, gennant Leon aus Tschetschenien, Khalid Taha, genannt The Warrior aus dem Libanon. Geboren ist er allerdings in Deutschland, besitzt allerdings noch keinen deutschen Pass, den er unbedingt benötigt, um problemlos reisen zu können, was wiederum Voraussetzung dafür wäre, in eine internationale Kampfliga aufsteigen zu können. Erst hier, erst in Amerika, winkt das große Geld, während in Deutschland und den Nachbarländern nur geringe Summen mit Kämpfen verdient werden können.
 
Im Ansatz machen diese monetären Fragen, die vor allem bei den beiden jüngeren Kämpfern stets im Raum stehen, „Fighter“ zu einer klassischen Underdog-Geschichte, deren Elemente wie Szenen aus typischen Boxfilmen wirken: Man sieht die Kämpfer beim Training, bei der möglichst ausgewogenen Ernährung, die besonders Leon zu schaffen macht, während Khalid ihn über die Qualität von Gemüse und Fisch aufklärt, was sich später beim Einwiegen bemerkbar macht, für das Leon nur mit Mühe genug abschwitzen kann. Interessante Einblicke in eine ganz spezielle Welt hat Susanne Binninger in „Fighter“ zusammengetragen, scheut dabei auch nicht davor zurück, die Härte, ja, die Brutalität des Sportes anzudeuten, die Selbstkasteiung und schmerzhaften Niederlagen, sondern zeigt die Welt des MMA auf differenzierte, vielschichtige Weise.
 
Michael Meyns