Forget about Nick

Ein echter „Frauenfilm“ von Margarethe von Trotta: angesiedelt im Edelambiente eines New Yorker Luxusappartements streiten zwei Frauen um und über den gemeinsamen (abwesenden) Ex-Mann. Das Drehbuch zu „Forget About Nick“ stammt aus der Feder der „Hannah Arendt“-Autorin Pam Katz, die Regie führte Margarethe von Trotta („Rosa Luxemburg“) und in einer der beiden Hauptrollen tritt Katja Riemann („Der bewegte Mann“) auf. Eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für ein klug unterhaltendes Kinodrama. Doch die englischsprachig gedrehte Tragikomödie hat viele hölzerne Dialoge. So entstand eine ambivalente Hochglanzunterhaltung, bei der das Talent der Macherinnen nur ansatzweise durchscheint.

Webseite: forgetaboutnick-derfilm.de

Deutschland 2017
Regie: Margarethe von Trotta
Drehbuch: Pam Katz
Darsteller: Katja Riemann, Ingrid Bolsø Berdal, Lucie Pohl, Susan Duerden, Cosima Shaw, Robert Seeliger, Haluk Bilginer
Laufzeit: 110 Min.
Verleih: Warner Bros.
Kinostart: 7. Dezember 2017

FILMKRITIK:

Die Germanistin Maria (Katja Riemann) und das 40-jährige Model Jade (Ingrid Bolsø Berdal) ticken zwar recht unterschiedlich, teilen mit Nick (Haluk Bilginer) aber denselben Exmann. Vor einigen Jahren verließ der reiche Playboy seine erste Frau Maria für die jüngere Jade, die nun wiederum einer Jüngeren weichen musste. Laut Ehevertrag genießen beide Exfrauen ein Wohnrecht in Nicks New Yorker Loft, was beide in Anspruch nehmen. Streit lässt in der ungeliebten Wohngemeinschaft freilich nicht lang auf sich warten. Jade will die Wohnung verkaufen, um den Erlös in ihre Modeagentur zu stecken, Marie hingegen möchte weiterhin dort leben, zumindest bis sie einen Job gefunden hat. Allmählich arrangieren sich die Frauen miteinander, doch als Marias Tochter Antonia (Tinka Fürst) samt Enkel Paul (Vico Magno) zu Besuch kommt, werden die Karten neu verteilt.
 
Der von Haluk Bilginer („Winterschlaf“) gespielte doppelte Exmann bleibt als gealterter Don Juan eine Hintergrundfigur. Wie in ihren bisherigen Filmen konzentriert sich Margarethe von Trotta auf die Frauenfiguren und erzählt das Drama aus weiblicher Perspektive. Dabei springen ein paar zeitgeistige Themen heraus, etwa der Jugendwahn, den Jade mit ihrer Modeagentur bekämpfen will, oder die Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinen. Nach ihrer Mutterschaft findet die promovierte Maria keinen Job mehr, während die karrierefixierte Jade ihre Kinderlosigkeit unterschwellig zu bereuen scheint. Zumindest legt das der Moment nahe, in dem Jade andächtig mit Duplo-Steinen spielt, die Marias Enkel auf der Couch hinterlassen hat. In dieser und ähnlichen Szenen deutet „Forget About Nick“ viele Entwicklungen an, führt aber wenig aus, sondern bleibt der Oberfläche verhaftet.
 
Ein Dilemma des Frauendramas ist die Entscheidung, auf Englisch zu drehen. Katja Riemann und die Norwegerin Ingrid Bolsø Berdal hadern merklich mit den Dialogzeilen, die unnatürlich wirken und ihre Drehbuchherkunft kaum vergessen lassen. Ungewollt komisch wirkt es dann, wenn die Figuren triviale Aussagen des Gegenübers kritisieren: „Ich dachte, eure Ehe sei längst kaputt,“ erklärt Jade, worauf Maria erwidert, der Satz klinge nach einem klischeehaften Liebesroman. Wie wahr!
 
Christian Horn