Frances Ha

Man musste sich schon Sorgen machen um die amerikanische Jugend. In Filmen wie „Spring Breakers“ oder „The Bling Ring“ verloren sich Kids in einer Wolke aus Sex, Alkohol, Drogen und der Sucht nach Anerkennung. Die Protagonisten in Noah Baumbachs „Frances Ha“ sind älter und haben die Pubertät hinter sich gebracht. Unwillkürlich atmet man erleichtert auf. Mit diesen Figuren kann man wieder etwas anfangen! Und das, obwohl Noah Baumbachs Film das Unfertige im Leben feiert, kongenial verkörpert durch seine Hauptdarstellerin Greta Gerwig. Ohne Frage stellen sich spannende Parallelen zwischen „Frances Ha“ und dem deutschen „Oh Boy“ ein.

Webseite: www.francesha.de

USA 2012
Regie: Noah Baumbach
Buch: Noah Baumbach, Greta Gerwig
Darsteller: Greta Gerwig, Mickey Sumner, Michael Esper, Adam Driver, Michael Zegen, Grace Gumner
Verleih: MFA+ FilmDistribution, Vertrieb: Die Filmagentinnen
Kinostart: 1. August 2013

PRESSESTIMMEN:

 

„Die schönste Komödie des Sommers.“
SpiegelOnline

„Als Zuschauer ist man stolz, nach anderthalb gänzlich unanstrengenden Stunden, diese Frances eine Freundin nennen zu dürfen.“
Süddeutsche Zeitung

"Ein ebenso komisches wie melancholisches Generationenportrait und eine Liebeserklärung an New York mit der bezaubernden Greta Gerwig."
ARD

„Ein charmanter und leichtfüßiger Film.“
Tip Berlin

"Ein entwaffenender Hipster-Hit in Schwarzweiß, mit supercharmanter Hauptdarstellerin."
KulturSPIEGEL

"…ein realistisches, aber auch komisches Großstadtmärchen …das eine eigene Sogkraft entwickelt."
Der Spiegel

"Eine erfrischende Antiromanze… …man kommt nicht umhin, sich von dieser chaotischen Liebeserklärung an das Unvollkommene und Unentschiedene verzaubern zu lassen."
Cinema

"So würde es aussehen, wenn Francois Truffaut eine Folge der Serie "Girls" drehen würde… Wer gesehen hat, wie diese Frances in einem Anfall von Lebensfreude eine Straße hinuntertanzt, wird das Bild nie wieder los. Ebenso wenig wie die Sehnsucht der eigenwilligen Greta Gerwig ("To Rome with Love") ganz, ganz bald wieder im Kino zu begegnen. Der Film hat auf jeden Fall das Zeug zum Klassiker."
BRIGITTE


FILMKRITIK:

Francis (Great Gerwig) ist 27 und tanzt in Brooklyn, New York. Das heißt: Sie würde gern als Tänzerin arbeiten, hat es aber bisher nur zur Praktikantin gebracht. Jetzt soll sie endlich zur festen Besetzung der Weihnachts-Show ihres Ensembles gehören. Dummerweise entpuppt sich diese Hoffnung als einer von vielen Träumen, die von der Realität zum Platzen gebracht werden. Ausgerechnet jetzt gerät auch die Freundschaft mit ihrer besten Freundin Sophie (Sting-Tochter Mickey Sumner) in unruhiges Fahrwasser, als die aus der gemeinsamen Wohnung auszieht und sich zudem noch in einen schrecklichen Spießer verliebt. Francis tingelt weiter durch ihr Leben: Zieht bei zwei netten Burschen ein und wieder aus, besucht ihre Eltern in Kalifornien, muss zum Geldverdienen erniedrigende Jobs annehmen, geht auf einen sinnlosen Trip nach Paris. Und lässt sich doch nicht beirren, dass das Beste noch auf sie wartet.

Berlin und New York, zwei Protagonisten um die Dreißig, nostalgisches Schwarz-Weiß, zwei Lebensentwürfe, die sich an der Realität reiben: Ohne Frage stellen sich spannende Parallelen zwischen „Frances Ha“ und „Oh Boy“ ein. Beide Filme sind gewissermaßen Porträts einer Verweigerung, sie treten ein für ein Recht auf Ratlosigkeit. Und wirken dabei beide eben gerade nicht verbissen oder verdrossen, sondern laden mit ungemeinem Charme und Witz dazu ein, für eine kurze Zeit dieses Suchen nach dem richtigen Weg zu teilen.

So episodisch wie das Leben seiner Protagonistin ist auch Noah Baumbachs siebter Film angelegt. Seine ungemein ansteckende Fröhlichkeit zieht er aus wunderbar angelegten und ausgespielten Miniaturen. Etwa, wenn Francis ihr Essen bei einem Date unbedingt selbst bezahlen will und auf der Suche nach einem Geldautomaten durch die Stadt irrt. Obwohl Baumbach von allen Szenen mehrere Takes drehte, wirken besonders die Dialoge wunderbar leicht und improvisiert. Zu den schönsten Szenen gehört die, in der Frances zu David Bowies „Modern Love“ durch die Straßen läuft. Es wirkt, als habe der Song nur darauf gewartet, genau so eingesetzt zu werden.

Dennoch bleibt Baumbachs Film nicht an der Oberfläche. Natürlich ist er auch eine Hommage an einen schwarzweißen Klassiker des Großstadtfilms, Woody Allens „Manhattan“. Und so wie Allen vor über 30 Jahren erschafft Baumbach einen magischen Realismus, der schon in seiner Bildsprache über den Horizont seiner Figuren hinausweist und diese auch ein wenig verklärt, dabei aber gleichzeitig ganz nah und genau dran ist an ihrem Leben. Am Drehbuch hat die selbst in New York lebende Hauptdarstellerin Greta Gerwig mitgearbeitet, und so entsteht ein ganz unmittelbares, authentisches Bild der dortigen Künstlerszene. Am Ende steht Frances überhaupt nicht da, wo sie eigentlich hinwollte. Aber ein neuer Weg scheint sich abzuzeichnen. Obwohl das Leben ein Provisorium bleibt. Natürlich lautet ihr Nachname nicht „Ha“. Aber auf das Klingelschild der neuen Wohnung passt der volle Name nicht. Improvisiert werden muss immer…

Oliver Kaever