Für immer Adaline

FÜR IMMER ADALINE ist Zeitreise-Science-Fiction und Liebesgeschichte in einem: durch einen skurrilen Zufall hat Adaline Bowman (Blake Lively) eines Tages einfach aufgehört, älter zu werden. Das war im Jahr 1935. Inzwischen schreibt man das Jahr 2015, und während Adalines Tochter darüber nachdenkt, in eine Alten-WG zu ziehen, ist Adaline immer noch keinen Tag älter als neunundzwanzig. Wie alle zehn Jahre ist sie gerade wieder einmal dabei, alle Zelte abzubrechen und eine neue Identität anzunehmen, um keinen Verdacht zu erregen, als sie den attraktiven Ellis (Michiel Huisman) kennen lernt.

Webseite: www.fuer-immer-adaline.de

Originaltitel: The Age of Adaline
USA 2015
Regie: Lee Toland Krieger
Drehbuch: J. Mills Goodloe, Saövador Paskowitz
Darsteller: Blake Lively, Michiel Huisman, Harrison Ford, Ellen Burstyn, Kathy Baker, Amanda crew
Länge: 113 Minuten
Verleih: Universum Filmverleih
Starttermin neu: 9.7.2015
 

FILMKRITIK:

Die schönsten Liebesgeschichten sind die aussichtslosen Liebesgeschichten, die, in denen die Königskinder nicht zueinander finden können:  Romeo und Julia, Anna Karenina, Titanic. Da inzwischen sogar Scheidungen von Ehepaaren mit Kindern kein Tabu mehr sind, braucht es im Gegenwartskino besonderer Umstände, um solche Geschichten erzählen zu können: ein historisches Setting, eine tödliche Krankheit, religiöse Überzeugungen oder eine queere Sexualität. FÜR IMMMER ADALINE erzählt von der schönen, unmöglichen, Sehnsucht mit einem besonders verwegenen Kniff.

Adaline Bowman, geboren am 1. Januar  1906 in San Francisco, hört im Jahr 1935, bedingt durch spezielle bio-energetische Umstände, einfach auf zu altern. Für alle Zukunft ist Adaline (Blake Lively) jetzt 29 Jahre alt. Was ein beglückender Zustand sein könnte, wird für Adaline nach und nach zum Alptraum. Ein paar Jahre lang schöpft niemand Verdacht, doch als sie immer öfter für die Schwester ihrer Tochter gehalten wird und jede Verkehrskontrolle zum Hürdenlauf wird, beschließt sie unterzutauchen. Von nun an wechselt sie alle zehn Jahre ihren Aufenthaltsort, ihren Namen und alle ihre Freunde und Bekannten. Natürlich bleibt sie auch mit keinem Geliebten länger zusammen. Nur zu ihrer Tochter, die bald älter aussieht als sie, hält sie Kontakt.

Nachdem die Einleitung im Märchenonkeltonfall Adalines Vorgeschichte erzählt und bebildert hat, springt der Film in die Gegenwart. Adaline oder Jenny, wie sie gerade heißt, hat gerade ihren neuen Pass abgeholt.  Ein Ortswechsel steht unmittelbar bevor, aber zunächst will sie noch ein letztes Mal Silvester in ihrer Heimatstadt San Francisco feiern. Auf dem Silvesterball ist auch ein zerzauster, gutaussehender junger Mann, Ellis (Michiel Huisman). Ihre Blicke treffen sich quer durch den Saal und ein paar Gespräche, Begegnungen und Schenkungen – Ellis ist ein an Stadtgeschichte interessierter Mäzen, sie ist Bibliothekarin – später sind die beiden ein Paar. Statt wie geplant zu verschwinden, zögert  Adaline die Trennung heraus und besucht sogar Ellis‘ Eltern. Der Wochenendbesuch wird zu einer Offenbarung: Adaline kennt Ellis‘ Vater William aus einem früheren „Leben“.

FÜR IMMER ADALINE  ist sehr sorgfältig orchestriert und liebevoll ausgestattet. Geschmeidig gleitet der Film durch die Epochen und hat viel Spaß dabei, Adaline stets zeitgemäß aber doch wiedererkennbar einzukleiden. Am wichtigsten ist jedoch die Gegenwart, in der Regisseur Lee Toland Krieger die junge neue Liebe zwischen Adaline und Ellis mit der Erinnerung, die Adaline und William teilen und der langjährigen Beziehung von William und seiner Frau Kathy (Kathy Baker) konfrontiert. War es richtig, dass Adaline damals gegangen ist? Kann eine Beziehung, in der ein Partner sich nicht ändert, eine Zukunft haben? Soll sie Ellis die Wahrheit sagen?

Allerdings bleibt ADALINE zu sehr an der Oberfläche, als dass diese Fragen wirklich berühren könnten. Die Personen sind zu glatt, zu gutaussehend, zu sehr aufeinander abgestimmt, als das echte Spannung oder Wärme entstehen könnten. Nirgendwo knistert oder kracht es. Die Lösungen sind zu schnell, zu einfach, zu vorhersehbar, der Plot zu ökonomisch, die Erzählhaltung zu distanziert. Alles funktioniert bestens, aber nichts bleibt hängen. Und so sieht sich ADALINE eher wie eine Art skurrile Erzählung mit einer interessanten Prämisse als wie die berührende Liebesgeschichte über den Wert der Vergänglichkeit, die der Film eigentlich sein möchte.

Hendrike Bake