Für immer Liebe

Allein der Titel „Für immer Liebe“ lässt an schmalzige Romanzen denken. Doch weit gefehlt. Hier kommt kein gehobener Schmachtfetzen am Valentinstag in die Kinos. Vielmehr basiert das gefühlvolle Drama über eine junge Frau, die kurz nach ihrer Hochzeit bei einem Autounfall ihr Gedächtnis verliert, auf einer wahren Geschichte. Während sie um ihre Identität kämpft, versucht ihr Mann ein zweites Mal ihre Liebe zu gewinnen. Das Regiedebüt von Michael Sucsys mit den beiden Hollywoodstars Rachel McAdams und Channing Tatum überrascht mit stimmiger Inszenierung ohne kitschige Entgleisungen.

Webseite: www.für-immer-liebe.de

USA 2011
Regie: Michael Sucsy
Drehbuch: Abby Kohn, Marc Silverstein, Michael Sucsy
Darsteller: Rachel McAdams, Channing Tatum, Sam Neill, Scott Speedman, Wendy Crewson
Länge: 104 Minuten
Verleih: Sony Pictures
Kinostart: 9.02.2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die Geschichte beginnt, wo andere Love-Storys enden. „I’d Do Anything for Love I run right into hell and back“, tönt Meat Loves postpubertärer Heldentenor aus dem Autoradio. Leo (Channing Tatum) singt aus Leibeskräften mit. Seine junge Frau Paige (Rachel McAdams) lacht über den sentimentalen Anfall ihres smarten Angetrauten. Minuten später zerbricht die heile Welt der Verliebten. Ein Lastwagen rauscht auf Glatteis in den stehenden Wagen. Paige fliegt durch die Windschutzscheibe.

Als die aufstrebende Bildhauerin aus dem Koma erwacht, ist sie eine andere. Sie hat die letzten vier Jahre ihres Lebens völlig vergessen. Selbst ihre künstlerischen Ambitionen sind aus ihrem Gedächtnis gelöscht. „Das Letzte, an was ich mich erinnere ist, dass ich mit Jeremy verlobt bin“, gesteht sie ihrem Mann im Krankenhaus verzweifelt. Der konservative Jeremy (Scott Speedmann) freilich, stammt aus einer anderen Welt. Der ihrer Eltern, mit denen sie seit Jahren gebrochen hat. Denn nach deren Vorstellungen wäre Paige, als angepasste Tochter aus gutem Hause, längst angesehene Juristin und Anwaltsgattin.
Und dieses Leben wollen ihre Eltern nun endgültig für sie erzwingen. Wild entschlossen ergreifen sie ihre Chance. Als Leo ins Krankenhaus kommt, um seine Frau abzuholen, muss er erleben wie Paige zu ihnen zurück flüchtet. Ängstlich wendet sich die Verunsicherte dem scheinbar Vertrauten zu. Auf Drängen ihres Vaters schreibt sie sich wieder an der Uni ein und hilft bei den Hochzeitsvorbereitungen ihrer Schwester mit. Leo gibt jedoch nicht auf und versucht seine Frau zurückzuerobern. Er lädt sie ganz formell zu einem ersten Rendezvous ein und zeigt ihr Orte, die in ihrer gemeinsamen Vergangenheit eine entscheidende Rolle gespielt haben. Trotzdem kommt es bei der anschließenden Hochzeitsfeier ihrer Schwester zum Eklat.

Das glaubwürdige Liebesdrama verdankt seine überraschende Klasse gerade nicht einem einzigen romantischen Einfall, sondern dem stimmigen Konflikt um die eigene Identität und die Erwartungen von Eltern an ihre Kinder. Zudem hat das Drehbuch, zumindest in der englischen Orginalfassung, dem Film ein weiteres Anliegen mitgegeben. Nach der misslungenen Hochzeitsfeier entfernt sich Leo von Paige. Diese Bewegung geschieht „a contre coeur“ gegen den eigenen Impuls, das eigene Herz also, wie dies Marcel Proust einmal treffend beschrieb. „I hope one day I can love the way that you love me”, hofft Paige daraufhin als Leo sie freigibt. Und weist damit stellvertretend daraufhin, dass Liebe sich eben nicht erzwingen lässt.

Die beiden Hollywoodstars Rachel McAdams und Channing Tatum blicken ihren Figuren, vor allem bei deren zeitweiligen Scheitern, ehrlich ins Herz. Bereits in „Der Adler der neunten Legion“ zeigte Floridas Sunnyboy Channing Tatum Talent und Muskeln. Mit „Fighting“ lieferte der mittlerweile zum Topstar avancierte 31jährige ebenfalls einen starken Film, der die Konventionen des Genrekinos für eine schonungslose Charakterstudie nutzte. Auch wenn der athletische Körperbau des einstigen Dolce & Gabbana Models manchmal klischeehaft wirkt, überzeugt sein Spiel. Seine Filmpartnerin, die souveräne Kanadierin Rachel McAdams mit den lebhaften Augen, verblüffte durch Rollen in der Romanze „Wie ein einziger Tag“ sowie in der Komödie „Die Hochzeits-Crasher“. Dass die umweltbewusste Pragmatikerin, nicht ganz zu Unrecht mit Kultstar Julia Roberts verglichen wird, beweist sie nun erneut.

Luitgard Koch

Paige und Leo lernen sich kennen und finden rasch Gefallen aneinander. Die Liebe scheint zu halten, nach kurzer Zeit wird geheiratet. Dann ein Autounfall. Die Frau wird derart schwer am Kopf verletzt, dass ihre Erinnerung an früher total verloren gegangen ist.

Als sie aus dem künstlichen Koma erwacht, erkennt sie Leo nicht mehr. Jedenfalls weiß sie nicht mehr, dass er ihr Mann ist. Es folgt eine schwere Zeit. Leo setzt alles daran, Paiges Erinnerungsvermögen und Liebe zurückzugewinnen. Der Erfolg bleibt aus.

Zwar ist die junge Frau bereit, mit dem „fremden“ Mann ein Zusammenleben zu probieren, doch mehr kommt nicht zustande. Außerdem versuchen Paiges Eltern mit allen Mitteln, ihre Tochter zu sich zurückzuholen. Sie, die junge Bildhauerin, soll zudem ihr abgebrochenes Jurastudium endlich wieder aufnehmen. Leo bleibt nach langem Bemühen nichts anderes übrig als aufzugeben.

Das Gedächtnis kommt nicht wieder zurück.

Doch als sich Paige und Leo nach Monaten wieder treffen, kommt dem jungen Mann eine Idee. Wie wäre es, wenn die alte Zeit völlig vergessen und unbeachtet bliebe, die beiden aber wie Unbekannte, Fremde, die sich zum ersten Mal treffen, versuchen würden, sich neu zu verlieben?

In erster Linie eine Hollywood-Liebeskomödie. Es wurde versucht, das Problem mit Paiges schwerer Gehirnschädigung ein wenig zu vertiefen, doch mit der Behandlung des Themas und mit der Glaubwürdigkeit taten sich Autor und Regisseur nicht leicht. Es ist besser, man versucht, den Film als bloße Liebeskomödie (oder –tragödie!) zu nehmen. Und in dieser Hinsicht ist Gutes zu berichten.

Denn Rachel McAdams als zuerst überglückliche, dann verlorene Paige sowie Channing Tatum als verzweifelt um die Liebe seiner Frau kämpfender Leo spielen das ganz hervorragend. Erfreulicherweise sind auch Akteure wie Jessica Lange als Paiges Mutter sowie Sam Neill als Paiges Vater dabei. Man sieht die beiden Letztgenannten leider viel zu selten. Dass sie als Darsteller gut sind, steht ja außer Frage.

Für Fans dramatischer Komödien.

Thomas Engel