Gegen jeden Zweifel

Filme wie Peter Hyams „Gegen jeden Zweifel“ gibt es eigentlich gar nicht mehr. Filme, die grundsolide sind, die nicht mehr wollen, als eine einfache Geschichte unterhaltsam erzählen. Genau das gelingt dem Routinier Hyams mit diesem Gerichtsfilm, der eine Neuauflage von Fritz Langs letztem in Hollywood entstandenem Film „Beyond a Reasonable Doubt“ ist.

Webseite: www.24-bilder.de

USA 2009
Regie: Peter Hyams
Drehbuch: Peter Hyams
Darsteller: Michael Douglas, Jesse Metcalfe, Amber Tamblyn, Orlando Jones, Joel Moore, Tony Bentley
Länge: 105 Min.
Verleih: PACO /24 Bilder
Kinostart: 21. Januar 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Der junge, ehrgeizige Journalist C.J. Nicolas (Jesse Metcalfe) wittert die große Geschichte: Er ahnt, dass der gelackte Staatsanwalt Hunter (Michael Douglas) regelmäßig Beweise fälscht, um wacklige Anklagen durchzubringen. Um die Machenschaften Hunters zu entlarven, fasst C.J. einen gewagten Plan: Er täuscht vor, einen Mord begangen zu haben, platziert Hinweise am Tatort, die auf ihn deuten, die jedoch für eine Verurteilung nicht ausreichen würden. Und so kommt es, wie es kommen musste: Auf einmal legt Hunter einen hieb und stichfesten Beweis vor, den er gefälscht haben muss, doch so leicht wie C.J. ins Gefängnis gekommen ist, kommt er nicht wieder raus. So muss er auf seine Freundin Ella vertrauen, die praktischerweise Hunters Assistentin ist. Doch deren Fähigkeiten sind größer, als C.J. geahnt hat.

Ein wenig befremdlich mutet es zwar schon an, dieses Remake eines kleinen B-Pictures, das Fritz Lang 1956 drehte. Aber man würde es sich zu einfach machen, Peter Hyams Film einfach als überflüssig zu bezeichnen. Vielmehr ist es eine Sorte Film, die Hollywood vor 20 Jahren noch regelmäßig produzierte und in den Goldenen Zeiten des Studiosystems im Wochentakt in die Kinos kamen: Schnörkellose Unterhaltung, solide in Szene gesetzt, mit jungen Schauspielern und Stars am Ende ihrer Karriere besetzt. Hier ist das Michael Douglas, der einmal mehr sein hinterhältigstes Grinsen in die Kamera hält und seinem alten Kumpel Peter Hyams einen Gefallen tut.

Vor einem Vierteljahrhundert drehte das Duo den Thriller „The Star Chamber“, und auch dort spielte Douglas einen Juristen, allerdings auf der richtigen Seite des Gesetzes. Hier ist von Anfang an klar, dass Douglas Figur Dreck am Stecken hat, doch das macht nichts, im Gegenteil. Die Qualität dieses Films liegt nicht in seiner Originalität, in bemerkenswerten darstellerischen Leistungen oder besonderen Bildeinfällen. „Gegen jeden Zweifel“ ist vollkommen durchschnittlich, vom soliden Handwerker Peter Hyams solide in Szene gesetzt, von meist im Fernsehen zu findenden Schauspielern solide gespielt, aber gerade diese Durchschnittlichkeit ist es, die im modernen Hollywood-Kino fast verloren gegangen ist. Filme, die sich weder ihren überwältigenden Computereffekten hingeben, noch mit einer bedeutungsschweren Geschichte auf Oscars schielen, sondern einfach nur 100 Minuten lang leidlich gut unterhalten wollen gibt es kaum noch. Peter Hyams hat seine lange Karriere nichts anderes getan, hat in den unterschiedlichsten Genres gearbeitet, nie wirklich großartige, aber auch nie wirklich schlechte Filme gedreht. Er ist ein Handwerker und „Gegen jeden Zweifel“ genau das: Grundsolides Handwerk.

Michael Meyns

Eine Prostituierte wird ermordet aufgefunden. Der Staatsanwalt Mark Hunter braucht einen Täter, denn er ist ehrgeizig, hat schon viele Prozesse gewonnen und will einmal Gouverneur werden. Deshalb fackelt er nicht lange. Notfalls fälscht er sogar DNA-Beweise. Er will unter allen Umständen das Gericht als Sieger verlassen.

Dem Fernsehreporter C.J. Nicholas ist das nicht geheuer. Er will Klarheit und Wahrheit. Dafür steigt er riskant ein. Er sorgt dafür, dass er als Hauptverdächtiger, als Mörder gilt und wird zu Hunters Freude auch prompt verhaftet.

Natürlich kann Nicholas dies alles nur tun, weil er sich per DVD entsprechend abgesichert hat. Aber sein Freund Finley, der die nötigen Beweise vorlegen soll, kommt um, und zwar durch Merchant, einen Schergen Hunters. Nun ist guter Rat teuer. Die Zeitbombe tickt.

Wer kann Nicholas jetzt noch helfen? Ella Crystal ist zwar seine Freundin, aber gleichzeitig Hunters Assistentin. Sie steckt in einem Dilemma. Sie müsste ihrem Chef gegenüber loyal sein, doch ist es ihr auch unmöglich, ihren C.J. für einen Mörder zu halten. Sie begreift die wahre Situation erst, als ihr Leben von Merchant bedroht wird.

Gottlob springt Detective Ben Nickerson, der Nicholas seinerzeit verhaftete, jetzt aber den Braten gerochen hat, Ella und ihrem Freund noch zur Seite. So ganz sauber ist Nicholas’ Weste, wie sich herausstellt, allerdings nicht. Wie also wird Ella sich schließlich verhalten?

Ein Hollywood-Gerichtsthriller, in erprobter, geschickter sowie einigermaßen spannender Form gemacht und angelehnt an den im Originaltitel gleichnamigen Vorgängerfilm von Fritz Lang. Eine echte Auseinandersetzung mit dem Problem und entsprechende Tiefgründigkeit fehlen aber völlig. Michael Douglas wirkt in seiner Rolle als Marc Hunter etwas zu aalglatt, nachvollziehbarer erscheint da schon das Spiel des Neulings Jesse Metcalfe als J.C. Nicholas oder der jungen Amber Tamblyn als Ella Crystal.

Hollywood-Gerichtsthriller als Unterhaltungsstoff.

Thomas Engel