Genauso anders wie ich

Der autobiografische Bestseller „Genauso anders wie ich“ handelt von der Freundschaft eines bürgerlichen Ehepaars zu einem Obdachlosen, der eine bewegte Lebensgeschichte hinter sich hat. Die ungewöhnliche Konstellation dient dabei vor allem als Anlass, eine Vielzahl an weiteren Problemthemen in die Waagschale zu werfen. Regisseur Michael Carney hat den überladenen Stoff als erdenschweres Melodram inszeniert, das seine Ambitionen kaum erfüllt.

Webseite: paramount.de/genauso-anders-wie-ich

OT: Same Kind of Different as Me
USA 2017
Regie: Michael Carney
Drehbuch: Michael Carney, Alexander Foard, Ron Hall nach dem Buch von Ron Hall, Denver Moore und Lynn Vincent
Darsteller/innen: Greg Kinnear, Renée Zellweger, Djimon Hounsou, Jon Voight, Olivia Holt, Dana Gourrier, Lara Grice, Peyton Wich
Laufzeit: 119 Min.
Verleih: Paramount
Kinostart: 30. November 2017

FILMKRITIK:

Der Kunsthändler Ron Hall (Greg Kinnear) und seine Frau Debbie (Renée Zellweger) sind seit 19 Jahren verheiratet, als Ron eine Affäre gesteht. Um die Ehe zu kitten, schleppt Debbie ihren Mann in eine Obdachlosenmission mit, wo sie ehrenamtlich Mahlzeiten verteilt. Als dort der ungestüme Denver (Djimon Hounsou), den alle nur „Suicide“ nennen, mit einem Baseballschläger randaliert, dämmert Debbie sofort, dass ihr der Afroamerikaner bereits in ihren Träumen begegnet ist. Auf Drängen seiner Frau sucht Ron den Kontakt zu dem Obdachlosen, der sich vom aggressiven Rüpel zum wortgewandten Erzähler und Freund wandelt.
 
Von Ehebruch über Armut, Rassismus und Krankheit bis hin zu christlicher Nächstenliebe und wahrer Freundschaft behandelt „Genauso anders wie ich“ eine Vielzahl an Themen. Der multithematische Ansatz erlaubt Regisseur Michael Carney letztlich nur eine schlaglichtartige Behandlung der einzelnen Aspekte, wodurch der tränenreiche Plot über gute Menschen, denen schlechte Dinge widerfahren, an Stringenz einbüßt.
 
Das Mäandern zwischen den Problemfeldern geht auch auf Kosten der Figurenzeichnung. So erscheint Denvers Kehrtwende vom Saulus zum Paulus als reine Drehbuchbehauptung, woran die Rückblenden zu seinen traumatischen Jugenderlebnissen in Louisiana und die charismatische Darbietung von Djimon Hounsou („Blood Diamond“) nichts ändern. Auch die von der deplatziert wirkenden Renée Zellweger („Bridget Jones' Baby“) gespielte Debbie gewinnt kaum Tiefe. Ihr anfänglicher Traum wirkt als Handlungselement so nebensächlich, dass die Frage berechtigt ist, warum das Mystery-Element nicht gleich ganz aus dem Skript gestrichen wurde.
 
Inszenatorisch setzt Michael Carney auf eine schicke Hochglanzoptik, die Erinnerungen an die heile Obdachlosen-Romantik aus „Das Streben nach Glück“ mit Will Smith wachruft. Zusammen mit dem omnipräsenten Score, der auch mal Alltagshandlungen dramatisiert, hinterlässt das Drama filmisch wie inhaltlich einen austauschbaren Gesamteindruck.
 
Christian Horn