Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest

Ein Film über Polizisten auf den Straßen von Brooklyn hört sich zunächst einmal wenig spannend an. Doch auch wenn man nicht behaupten kann, dass Antoine Fuqua dem Genre substanzielle neue Akzente hinzufügt, ist ihm mit „Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest“ ein wuchtiger, ziemlich brutaler Film gelungen, der dank seiner starken Darsteller sehenswert ist.

Webseite: www.kinowelt.de

USA 2009
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Michael C. Martin
Kamera: Patrick Murquia
Schnitt: Barbara Tulliver
Musik: Marcelo Zarvos
Darsteller: Richard Gere, Ethan Hawke, Don Cheadle, Wesley Snipes, Jesse Williams, Lili Taylor, Ellen Barkin
Länge: 135 Min.
Verleih: Kinowelt
Kinostart: 25. März 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Selbst wenn man noch nie im New Yorker Stadtteil Brooklyn war, stellt sich schon in den ersten Minuten von „Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest“ ein Gefühl des Wiedererkennen ein. Da sieht man die Hochbahn, unter der nicht nur in „The French Connection“ wilde Verfolgungsjagden stattfanden, die heruntergekommenen Hochhaussiedlungen, die „Projects“, in denen Spike Lees „Crooklyn“ spielte, die typischen Straßenzüge, auf denen sich schon so viele Cop und Gangstergeschichten abgespielt haben. Und auch die drei Protagonisten von Antoine Fuquas Film sind alte Bekannte, drei moralisch zerrissene, abgewrackte Cops, die versuchen zu überleben und einen Unterschied im ewigen Kampf gegen das Verbrechen zu machen. Eddie, Sal und Tango heißen sie, und sind dank ihrer Darsteller mehr als Versionen altbekannter Copfiguren.

Richard Gere ist als Eddie so unsexy wie selten. Nach 22 Jahren Dienst steht er vor seiner Pensionierung, erträgt seinen Job nur noch durch viel Alkohol und wird von seinen Kollegen verachtet. Im Zweifelfall hält er sich lieber aus Problemen raus, statt sich möglicherweise in Gefahr zu bringen. Erst ganz zum Ende, als er offiziell schon außer Dienst ist, besinnt er sich auf die Werte, wegen denen er einst zum Polizisten wurde.

Ethan Hawkes Sal ist kurz davor, diese Werte endgültig zu vergessen. Als guter Katholik hat er einen ganzen Haufen Kinder im viel zu kleinen Haus, das zudem marode ist und die Gesundheit seiner erneut schwangeren Frau gefährdet. Der Lohn als Cop reicht aber nicht aus, um auf legalem Weg zu einem besseren Leben zu kommen, und so beginnt Sal der Versuchung zu erliegen, sich beim Drogengeld zu bedienen.

Und schließlich Don Cheadles Tango, der seit Jahren als Undercovercop tätig ist und tief in die Reihen einer Gang eingedrungen ist. Seine Familie hat er über seiner Arbeit verloren und nun will er raus. Doch dafür müsste er einen Gangster, der ihm einst im Gefängnis das Leben gerettet hat, an die Polizei ausliefern.

Drei Figuren, drei Schicksale, die parallel erzählt werden, sich an zwei, drei Punkten leicht berühren und zusammen ein ausschweifendes Panorama vom Leben als Cop in Brooklyn ergeben. Zusammengehalten werden die Episoden von der düsteren, treibenden Musik, die in keinem Moment die Möglichkeit eines Auswegs suggeriert. Unerbittlich treibt der Film seinem Finale entgegen, in dem alle drei Geschichten in einem Sozialwohnungskomplex kulminieren, wo sehr viel Blut fließt. Es ist das konsequente Ende einer düsteren, wuchtigen Erzählung, die kaum Hoffnung beinhaltet und das Leben auf den Straßen Brooklyns mit einer Schonungslosigkeit zeigt, die vergessen lässt, dass „Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest“ auf den ersten Blick nicht mehr tut, als die Versatzstücke aus ungezählten ähnlichen Filmen neu zu mischen.

Michael Meyns

Der New Yorker Stadtteil Brooklyn, in dem es – natürlich neben unzähligen anderen Dingen – an Verbrechen offenbar nicht fehlt. Vor allem der illegale Drogenhandel und –konsum spielt eine wichtige Rolle. Deshalb sitzt bei vielen der Finger locker am Revolverabzug. Die Polizei hat alle Hände voll zu tun. Auf drei Beamte konzentriert sich dieser Film:

. . . auf Eddie, der kurz vor seiner Pensionierung steht, ab und zu bei einer Prostituierten, die ihn gar nicht will, Befriedigung sucht, nach 20 Jahren müde ist – und bei einer Befreiung von zwei verschleppten Frauen doch noch einmal zu großer Form aufläuft;

. . . auf Sal, der eigentlich Drogengelder sicherstellen müsste, aus Gründen familiärer Not der Versuchung nicht widerstehen kann und seinen Diebstahl – anders kann man es nicht nennen – mit dem Leben bezahlt;

. . . auf Tango, einen Afro-Amerikaner, der seit Jahren als Undercover-Agent arbeitet, auch schon mit seinen schwarzen Kumpels gemeinsame Sache machte, bereits im Gefängnis saß und jetzt, um endlich, wie schon lange erwünscht, befördert zu werden, seinen Freund, den mit einem großen Geschäft befassten Drogendealer Caz, verraten muss, was zu einer weiteren Tragödie führt.

Ein rasantes Stadtteil- und Gesellschaftsbild mit minutiösen Persönlichkeitsschilderungen. Kein Effekt wird ausgelassen. Alles ist Hollywood-like auf großes Kino getrimmt. Ein professioneller Schnitt erhöht jeweils die Spannung.

Gespielt wird gut, und zwar von Richard Gere (Eddie) – in einer völlig anderen Rolle als von ihm gewohnt -, Ethan Hawke (Sal), Don Cheadle (Tango), Wesley Snipes (Caz) und vielen anderen.

Beileibe keine hohe Kunst, aber für Fans des Genres beste routinierte Unterhaltung mit etwas sozialem Tiefgang und psychologischen Untertönen.

Thomas Engel