Get Lucky – Sex verändert alles

Sechs Teenager, Ferien auf einer Ostsee-Insel, die erste Liebe, der erste Sex, der ganz große Rausch der Gefühle. Den versucht „Get Lucky – Sex verändert alles“ heraufzubeschwören, funktioniert hätte das aber wohl nur, wenn man sich entschieden hätte, etwas ernsthafter zu erzählen und nicht auf „Eis am Stiel“-Niveau zu dümpeln. Genau das gibt es aber, während einige Jungs und Mädchen (fast) nur an das Eine denken, aber dabei die Liebe zu kurz kommt – bis am Ende eben doch alle etwas fürs Leben gelernt haben.

Webseite: dcmworld.com

Deutschland 2019
Regie: Ziska Riemann
Buch: Ziska Riemann, Madeleine Fricke, Oneil Sharma
Darsteller: Palina Rojinski, Luissa Cara Hansen, Rieke Seja, Benno Fürmann, Bjarne Meisel
Länge: 90 Minuten
Verleih: DCM
Kinostart: 26. September 2019

FILMKRITIK:

Sechs Teenager verbringen ihre Ferien auf einer Ostseeinsel. Untergebracht sind sie bei Ellen (Palina Rojinski), der Tante von Julia und Emma, die als Sexualtherapeutin (hier: Sexologin) erfolgreich ist und den Jungs und Mädchen natürlich auch ein paar Dinge vermitteln kann. Aber reicht das inmitten des Hormonsturms, den die Teenager erleben? Aaron ist auf der Suche nach dem ersten Sex und verhält sich dabei gewollt wie ein Arschloch, Julia will endlich mit einem Jungen schlafen, um so über ihr Liebe zum schwulen David hinwegzukommen, Hannah wird von ihrem Freund Mehmet nicht befriedigt, weswegen der sich Tipps im Sex-Shop holt, und die kleine Emma hat mit diesem ganzen Gefühlschaos noch gar nichts am Hut. Das ist der Sommer, in dem die einen sich verlieben, die anderen ihre Unschuld verlieren, und ihrer aller Leben sich verändert.
 
Man hätte aus all diesen Elementen einen warmherzigen, ehrlichen, durchaus auch witzigen Film machen können, entschied sich aber dafür, in eine Richtung zu gehen. Denn tatsächlich erinnert „Get Lucky – Sex verändert alles“ an die „Eis am Stiel“-Filme der 1980er, nicht jedoch an den noch einigermaßen ernsthaften Erstling, sondern die halbgaren Sexklamotten, die ihm folgten. Wie die drei israelischen Jungs, die auf der Suche nach dem Sex von einer Peinlichkeit in die nächste stolperten, ergeht es auch hier ein paar Figuren. Man muss es wohl schon als Glücksfall ansehen, dass zumindest nicht alle Figuren in diese Richtung gehen.
 
Denn es gibt auch bei diesem Film die seltenen Momente, in denen echtes Gefühl aufscheint, aber sie fallen der Dominanz der Zoten und Derbheiten zum Opfer. Das Ergebnis ist ein Werk, das mehr hätte sein können, als es ist, sich aber frohen Mutes dafür entschieden hat, auf niedrigem Niveau zu erzählen. Das übrigens so sehr, dass immer wieder Momente echten Fremdschämens vorkommen.
 
Palina Rojinski ist das Aushängeschild des Films, in ihrer Rolle aber einigermaßen überfordert. Dem gegenüber steht ein junges, frisches Ensemble, das vielversprechend ist, aber auch einen besseren Film verdient hätte. Denn einige der Jungschauspieler geben hier ihr Debüt und können trotz der lahmen Sex-Zoten ein Gefühl von Authentizität vermitteln. Das ist der einzig echte Aktivposten, denn „Get Lucky – Sex verändert alles“ hat, der Film kann damit aber auch nur bedingt punkten, da die Menge an derben Einlagen einfach zu sehr überwiegt.
 
Das Ergebnis ist Humor, der einem pubertierenden Publikum vielleicht noch zusagen mag, ältere Zuschauer aber vergrault – wie eben weiland bei „Eis am Stiel“. Irritierend ist dabei auch die Jugend-Lingo, die der Film nutzt und die mit ihrem hohen Einsatz an englischen Worten zwar auch auf den Punkt sein mag, die Figuren jedoch dümmlicher erscheinen lässt, als es sein müsste.
 
Ein Film mit Teenagern für Teenager. Alle anderen sind einfach außenvor.
 
Peter Osteried