Glücksformeln

Es ist ein verführerischer Filmtitel, der zum Glück nicht eingelöst wird. Larissa Trüby präsentiert in ihrem Dokumentarfilm keine einfachen Handreichungen zum Nachmachen, sondern wissenschaftliche Perspektiven auf die große Frage. Und sie lässt durchschnittliche Menschen erzählen, wie sie sich ihren je eigenen Weg zur inneren Zufriedenheit zu bahnen versuchen. Am Ende ist der Zuschauer nicht glücklicher als vorher, aber vielleicht ein bisschen klüger – und nimmt die Wohlfühl-Atmosphäre des Films als Anregung mit aus dem Kinosaal.

Webseite: www.gluecksformeln-derfilm.de

Deutschland 2011
Buch und Regie: Larissa Trüby
Mitwirkende: Philipp Elsner, Janina Heid, Margarete und Martin Hofer, Leo Probst, Ed Diener, Norman Doidge, John und Julie Gottman
Filmlänge: 96 Minuten
Verleih: Universum Film
Kinostart neu: 14. April 2011
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Eine Künstlerin findet ihre Befriedigung in der Kunst, indem sie sich eine „zweite Realität“ malt, ein Wissenschaftler kennt nichts Schöneres als Statistiken und eine Abiturientin erläuft es sich, das Glück. Vieles kann glücklich machen, aber nicht alles ist für jeden geeignet. Die panoramahafte Einführung der Mitwirkenden enthält schon die Botschaft: Einfache Antworten wird der Film nicht geben. Larissa Trüby hält es mehr mit den Fragen, vor allem der nach der Entstehung des Glücks. Sie stellt sie Wissenschaftlern, die auf diesem Gebiet forschen, Psychologen, Neurologen, Soziologen. Und sie schaut, ob und wie sich deren Erkenntnisse in der Alltagswelt wiederfinden. Es ist, man ahnt es schnell, alles ziemlich
komplex.

Das Thema hat immer Konjunktur, in jüngster Zeit aber ist der Pegelausschlag enorm. Allerlei Bücher fürs Wohlbefinden tummeln sich auf dem Ratgeber-Markt. Mit „Die Glücksformel“ gelang Stefan Klein ein wissenschaftlicher Beststeller. Eckart von Hirschhausen schaffte mit „Glück kommt selten allein“ Vergleichbares im Comedy-Bereich. Dass ein Verleih mit Trübys Film einen Kinostart wagt, dürfte ebenfalls auf die Erwartung zurückzuführen sein, dass die Aufmerksamkeit für das Thema momentan groß ist.

Der Grund ist einfach: Jeder will glücklich sein, klar. Nur lehrt die Erfahrung, dass das ein schwieriges Geschäft ist. Was die langjährige Assistentin des Regisseurs Tom Tykwer an Forschungsergebnissen zusammenträgt, ist auch jenseits der Fachwelt bekannt. Die Gene spielen eine Rolle, die Prägungen der Kindheit sowie grundlegende Dinge wie gesunde Ernährung, körperliche Betätigung, geistige Beschäftigung und ein erfülltes Sozialleben. Wenn all diese Bedingungen hinlänglich erfüllt sind, kommt unterm Strich vielleicht Glück heraus. Die gute Nachricht ist: Daran kann man arbeiten, vieles lässt sich beeinflussen. Die Neuroplastizität des Hirns, also die neuronale Fähigkeit zu ständiger Veränderung, hilft dabei.
Die schlechte Nachricht ist: Nicht alle Ergebnisse der Forschung sind kompatibel und viele Fragen ungeklärt.

Der Mensch legt sich derweil seine eigenen Strategien zurecht. Für einen 90-Jährigen etwa ist der Friedhof kein Trauerort, sondern ein Platz, an dem er sich seiner verstorbenen Frau verbunden fühlt. Es sind einfache Geschichten, die erzählt werden und nur ausnahmsweise skurrile wie die eines Trainerpaars für Neurolinguistisches Programmieren, das sich sein persönliches Glück zusammenprogrammieren will. Die Bilder jenseits der Interview-Situationen sind zwar wenig spektakulär. Dennoch entsteht nach und nach eine wohlige Atmosphäre, der Film strahlt Wellness-Stimmung aus. Leitmotivisch ziehen dabei Wölkchen am blauen Himmel vorbei, wie das Glück zum Greifen nah und doch sehr fern.

Volker Mazassek

Glücklich sein wird von allen Menschen erstrebt oder jedenfalls von den meisten. Was ist Glück? Hängt es mit der Liebe zusammen? Mit dem persönlichen Erfolg? Mit dem Geld? Mit der selbst erbrachten Leistung? Mit dem Alter? Mit dem psychischen Zustand? Mit der Anerkennung durch andere? Mit dem, was man anderen Gutes tut?

Kommt Glück von außen oder von innen?

Larissa Trüby hat das in diesem Dokumentarfilm zu ergründen versucht. Der Ansatz ist nicht schlecht. Denn sie hat Personen jeden Alters analysiert oder analysieren lassen: ein Kind, eine Schülerin, Personen, die mitten im Leben stehen und arbeiten oder sich der Kunst widmen, ein um die 70 Jahre altes Bauernehepaar, einen früheren Arbeiter, der heute 90 Jahre alt ist und in der Kunst seine Erfüllung findet. Meist Laien.

Aber auch Professionelle: Glücksforscher, Neurologen, Psychoanalytiker für „Gesunde“, Therapeuten für kranke Menschen, Depressionsforscher, Lehrer, Wirtschaftsberater oder auch den Niederländer Professor Veenhoven, der die weltgrößte Glücksdatenbank leitet, in der empirische Daten aus nicht weniger als 91 Ländern zusammengetragen sind.

Was ist von den Profis zu erfahren? Zum Beispiel „dass Glück vorrangig mit den äußeren Lebensumständen und der Verbindung zur Welt zu tun hat, man aber natürlich selbst viel tun kann, um diese zu verbessern“. Oder „dass wir unser Leben mittels Vorstellungskraft lenken können“. Oder der Nachweis „dass sich das menschliche Gehirn auch bei erwachsenen Menschen durch gute Gedanken nachhaltig beeinflussen und verändern lässt“. Auch wird die Frage gestellt, ob es eine „Konjunktur der Lebenszufriedenheit entlang der ökonomischen Entwicklung gibt“.

Das beweist, dass die (eventuellen) Glücksfacetten unendlich sind. Larissa Trüby konnte demnach das Thema auch nicht ausschöpfen. Doch ist ihr Film ganz informativ geworden und bis zu einem gewissen Grade auch unterhaltsam.

Wer sich mit der Problematik beschäftigen mag, ist hier goldrichtig.

Thomas Engel