God of Happiness

Sein Drama „Mediator“ landete 2008 als georgischer Beitrag auf der Shortlist für den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film. Mit „God of Happiness“ legt der Regisseur Dito Tsintsadze nun eine stilbewusste Tragikomödie vor, die im Kern von einer komplizierten Vater-Tochter-Beziehung handelt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein gescheiterter Schauspieler, der sich so einiges einfallen lässt, um seiner Tochter ein erfolgreiches Leben im Luxus vorzugaukeln. Die charmante Low-Budget-Komödie lief beim Filmfest Oldenburg und überzeugt nicht zuletzt mit dem gut aufgelegten Ensemble.

Webseite: www.kinostar.com

OT: God of Happiness
Deutschland 2015
Regie: Dito Tsintsadze
Darsteller: Nadeshda Brennicke, Lasha Bakradze, Ufuk Bozkurt, Tina Meliava, Elie James Blezes
Länge: 90 Min.
Verleih: Kinostar
Kinostart: 23. Juni 2016
 

FILMKRITIK:

Der georgische Einwanderer Giorgi (Lasha Bakradze) hält sich in Stuttgart als Kleindarsteller bei diversen Filmdrehs über Wasser. Nebenbei vermittelt er seinen afrikanischen Mitbewohner Ngudu (Elie James Blezes) als Callboy an betuchte ältere Damen, die ein „afrikanisches Abenteuer“ erleben wollen. Ansonsten passiert nicht viel bei Giorgi und Ngudu. Die beiden erfolglosen Männer sind immer knapp bei Kasse und leben in einer abgewrackten Bleibe am Stadtrand von Stuttgart – selbst Ngudus geliebte Statue vom Gott des Glücks musste Giorgi schon veräußern.
 
Der unglamouröse Alltag der beiden Loser gerät durcheinander, als Giorgis 15-jährige Tochter Tina (Tina Meliava) unverhofft einen Besuch ankündigt. Giorgi hat seine Tochter, die eigentlich bei ihrer Mutter in Kanada lebt, seit zehn Jahren nicht gesehen und ihr immer von seinem erfolgreichen Leben als Schauspieler vorgeschwärmt. Damit diese Illusion bestehen bleibt, lässt der gewiefte Giorgi in aller Eile seine Kontakte spielen. Gemeinsam mit Ngudu zieht er vorübergehend in eine luxuriöse Villa und engagiert die ebenfalls erfolglose Varieté-Künstlerin Mia (Nadeshda Brennicke) als seine liebende Ehefrau. Als Lisa dann auf der Matte steht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Maskerade auffliegt.
 
Aus dieser absurden Situation heraus inszeniert Dito Tsintsadze eine gut gelaunte Tragikomödie, die allerdings etwas zerfahren wirkt. Viele Szenen kreisen um sich selbst und stehen kaum mit dem restlichen Geschehen in Verbindung. Das Ensemble und die meist gut getimten Pointen wiegen die bisweilen fehlende erzählerische Substanz allerdings auf. Zudem beweist Dito Tsintsadze ein großes stilistisches Feingefühl, das der Tragikomödie einen ganz eigenen Charme verleiht. Mit der Eröffnungsszene bindet der Regisseur, der auch das Drehbuch geschrieben hat, dem Publikum zum Beispiel einen Bären auf. Eine in Schwarzweiß gefilmte Plansequenz zeigt eine Kriegsszene aus dem Zweiten Weltkrieg, bis das Bild unvermittelt an Farbe gewinnt und der Regisseur offenbart, dass wir uns auf einem Filmset befinden. Dieser Auftakt beinhaltet gewissermaßen die Quintessenz des gesamten Films, denn im weiteren Verlauf inszeniert Giorgi für seine Tochter ja ebenfalls eine Scheinrealität.
 
„God of Happiness“ handelt von Menschen, die auf je eigene Weise gescheitert sind. Auch Giorgis Tochter hat kürzlich einen Rückschlag erlebt, als sie an einer Pariser Ballettschule abgelehnt wurde. Vielleicht bringt sie deswegen so viel Verständnis für ihren Vater auf, der alle Hebel in Bewegung setzt, um vor seiner Tochter nicht als Versager dazustehen. Dass die Lügerei am Ende versöhnlich ausgeht, ist schon früh abzusehen. Dito Tsintsadze führt seine Figuren nämlich auch im Scheitern zu keiner Zeit vor, sondern wirft einen liebevollen Blick auf ihre allzu menschlichen Motivationen.
 
Christian Horn