Good Vibrations

Ein Film über Bürgerkrieg und Punk: „Good Vibrations“ erzählt die wahre Geschichte von Terry Hooly, der im Belfast der 70er Jahr ein Musiklabel und damit die lokale Punkszene gründete. Das musikalische Bio-Pic ist voll ansteckender Energie und lebensbejahendem Pazifismus. Oder anders ausgedrückt: „Good Vibrations“ rockt. 

Webseite: www.rapideyemovies.de

Großbritannien/Irland 2012
Regie: Lisa Barros D’Sa, Glenn Leyburn
Drehbuch: Colin Carberry, Glenn Paterson
Darsteller: Richard Dormer, Jodie Whittaker, Michael Colgan, David Wilmot
Länge: 102 min.
Verleih: Rapid Eye Movies
Kinostart: 8. Mai 2014

PRESSESTIMMEN:

„Let there be Punk! … Der beste Musikfilm seit 24 HOUR PARTY PEOPLE.“
Süddeutsche Zeitung
 
„der ungestümen Energie der Inszenierung kann man sich nicht entziehen. (…) ein Wohlfühlfilm voller Leidenschaft und Emotion.“
Cinema
 
„Den Regisseuren Lisa Barrros D’Sa und Glenn Leyburn ist ein extrem unterhaltsamer, ungemein romantischer Film über die Kraft der Musik gelungen, der Soundtrack allein lohnt den Gang ins Kino.“
Rolling Stone
 

FILMKRITIK:

Nordirland in den 70er Jahren: ein Land im Aufruhr, Straßenschlachten, Hass auf Andersgläubige. In der aggressiven Stimmung dieser Epoche entscheidet sich ein idealistischer Hippie allen Widrigkeiten zum Trotz einen Plattenladen zu eröffnen. Damit positioniert sich Terri Hooly (Richard Dormer) nicht nur gegen den religiösen Konflikt seines Landes, sondern legt auch den Grundstein für den Belfast Punk. Doch während Terri vor Ideen und Optimismus nur so sprüht, fehlt ihm ein entscheidendes Talent für den Erfolg: Geschäftssinn. Mit dem Bankrott droht nicht nur sein Laden und die neue Produktionsfirma „Good Vibrations“, sondern auch seine Ehe mit Ruth (Jodie Whittaker) wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen.

„Good Vibrations“ strotzt wie seine Hauptfigur nur so vor Energie. Die Inszenierung ist stets einen Tick zu leicht, zu sorgenfrei und balanciert schwankend auf dem schmalen Grat zwischen charmanter Komödie und Slapstick. Selbiges gilt für Terri Hooly, der insbesondere in der ersten halben Stunde wie eine Witzfigur erscheint, bis endlich deutlich wird, dass es sich hier weniger um eine komödiantische Übertreibung als viel mehr um einen Charakterzug handelt. Terri nimmt das Leben auf die leichte Schulter, egal welche Steine es ihm in den Weg legt. Nur so gelingt es ihm, den Hass, der ihn umgibt, zu ignorieren und pazifistisch und lebensbejahend einen Weg zwischen den Fronten zu wählen. Die sorglose Einstellung macht den Helden zuweilen schwer zugänglich, ist es doch kaum nachvollziehbar, dass er für seine Punk-Schützlinge gar die eigene Beziehung riskiert. Letztlich jedoch ist es kaum möglich, Terri nicht zu mögen. Seine Überzeugung, stets nach den Sternen zu greifen, auch wenn sie noch so hoch hängen, wirkt inspirierend und beflügelnd.

Mit ihrem Film werfen Lisa Barros D’Sa und Glenn Layburn nicht nur einen Blick auf eine irische Musiklegende, sondern beleuchten auch den Nordirlandkonflikt aus einer neuen Perspektive. Terris Karriere als Plattenverkäufer und Musikproduzent geschieht stets vor dem Hintergrund der blutigen Auseinandersetzungen in den Straßen von Belfast. Anhand Terris Freundeskreises kann der Zuschauer nachvollziehen, wie aus friedliebenden Hippies plötzlich radikale Feinde werden und wie schwierig, ja gar lebensgefährlich es ist, sich diesem Konflikt zu entziehen. Durch seine Weigerung, Stellung zu beziehen, wird Terri zum Außenseiter und Hassobjekt beider Seiten. „Good Vibrations“ ist dann am stärksten, wenn der Film diese historische Situation mit in den Blick nimmt und als zweite Storyline mitlaufen lässt. Leider bedient sich das Drehbuch von Colin Carberry und Glenn Patterson zunehmend der klassischen Aufstieg-Fall-Dramaturgie des filmischen Starportraits, inklusive Drogenexzess und vorhersehbarem  Familiendrama, und büßt damit gen Ende an Komplexität und Charme ein.

Für viele Kinozuschauer dürfte „Good Vibrations“ die erste Begegnung mit dem Belfast-Punk sein und diese oft mit Aggression assoziierte Musikrichtung in ein neues Licht rücken. Doch es geht hier nicht nur um den Abbau von Vorurteilen. Die starke Präsenz ihrer Musik weckt auch Begeisterung für Bands wie „Teenage Kicks“, „Rudi“ oder „The Undertones“. „Good Vibrations“ reißt mit, gibt Energie und weckt den Punk in uns.
 
Sophie Charlotte Rieger