Guns Akimbo

Nicht oft, aber doch hin und wieder taucht ein Film fast wie aus dem Nichts auf und gestaltet sich als mächtiger Action-Bolide, der dem Rausch der Geschwindigkeit erliegt. „Crank“ mit Jason Statham war ein solcher Film, „Guns Akimbo“ mit Daniel Radcliffe ist es auch. Radcliffe ist ein Loser, der im Internet den großen Mann markiert und dafür zur Zielscheibe wird, da man ihn zwingt, im Todesspiel Skizm mitzumachen – mit zwei Pistolen, die fest an seinen Händen verschraubt sind. Das klingt irrwitzig, ist es auch – und dabei zugleich ausgesprochen stylisch.

Website: www.universumfilm.de/filme/155411/guns-akimbo.html

Guns Akimbo
Neuseeland 2019
Regie + Buch: Jason Lei Howden
Darsteller: Daniel Radcliffe, Samara Weaving, Grant Bowler, Rhys Darby
Länge: 97 Minuten
Verleih: Leonine
Kinostart: 25. Juni 2020

FILMKRITIK:

Miles (Daniel Radcliffe) arbeitet als Programmierer für eine Spielefirma, wird von seinem Boss schikaniert und hat nichts im Leben, außer dem bisschen Freude, Leuten im Internet so richtig die Meinung zu sagen – gerne auch auf vulgäre Art und Weise. Sein neuestes Ziel sind die Zuschauer des Spiels Skizm, in dem zwei Kontrahenten gegeneinander antreten und nur einer überlebt. Die Betreiber des Spiels machen Miles ausfindig, knocken ihn aus und verschrauben zwei Pistolen mit je 50 Schuss Munition fest mit seinen Händen. Er ist nun Teil von Skizm und muss gegen die fast unbesiegbare Nix (Samara Weaving) bestehen, wenn er überleben will.

Ein Film für Feingeister ist „Guns Akimbo“ sicherlich nicht, er hat aber das Zeug dazu, sich im Lauf der Jahre eine Fangemeinde zu erarbeiten. Dies ist der Stoff, aus dem die Kultfilme sind. Einer der Streifen, die in Mitternachtsaufführungen besonders gut laufen, weil sie mit ihrer rotzigen, aber hochstilisierten Art bestens unterhalten.

Dies ist der zweite Film von Jason Lei Howden, der als Visual-Effects-Artist bei einigen Blockbustern wie „Planet der Affen: Survival“ dabei war und mit dem schrägen Horrorfilm „Deathgasm“ sein Langfilmdebüt als Regisseur gegeben hat. Mit „Guns Akimbo“ dreht er noch mehr auf.

Aber halt, was soll der Titel eigentlich bedeuten? Der Begriff kommt aus der Gamer-Szene. Unter „Akimbo“ versteht man das Führen von zwei Waffen mit beiden Händen, was in den letzten Jahrzehnten bei Filmen und Games immer populärer wurde. Man denke nur an Lara Croft im Spiel „Tomb Raider“, aber auch an Chow-Yun Fat in John Woos Heroic-Bloodshed-Filmen der 1980er Jahre. Dass sich nun ausgerechnet Daniel Radcliffe dieser illustren Runde anschließt, überrascht. Denn Radcliffe ist vieles, aber kein Mann, dem man den Action-Helden abnehmen würde. Das soll man aber auch hier nicht, denn als Miles ist er ein Verlierer, der eigentlich die ganze Zeit nur auf der Flucht ist. Der Film bezieht seinen Humor aus der Diskrepanz der Figur zu dem Szenario, dem sie ausgesetzt ist. Es ist das Fisch-auf-dem-Trockenen-Prinzip, das hier zelebriert wird – nur mit zwei Knarren in den Flossen.

„Guns Akimbo“ überzeugt durch gute Kameraarbeit und rasanten Schnitt – beides verpackt in farblich schön abgestimmten Bildern, die Stil über Substanz als höchstes Gut feiern. Die Geschichte ist mager, um nicht zu sagen, abstrus, aber die Story eines „John Wick“ oder „Crank“ ist nun auch nichts, mit dem man Preise gewinnen würde. Was zählt, ist die Umsetzung des in Auckland und München gedrehten Films.

Da punktet das Werk, greift fröhlich Inspiration von Ego-Shooter-Games wie „Doom“ auf und garniert die Action mit reichlich schwarzem Humor, was „Guns Akimbo“ dann auch wohltuend von Massenware wie etwa „Shoot ’em up“ mit Clive Owen abhebt, der auch versuchte, die Ästhetik eines Games auf die Leinwand zu zaubern, aber an seiner eigenen Ernsthaftigkeit erstickte. „Guns Akimbo“ ist da anders. Dieser Film trifft ins Schwarze, auch wenn das bei beidhändigem Schießen alles andere als leicht ist.

Peter Osteried