Halbe Brüder

Rapper Sido, Tatort-Kommissar Fahri Yardim und Komiker Tedros Teclebrhan in einem Film als ungleiche Halbbrüder – klingt abgedreht und skurril. Genauso ist der neue Film von Christian Alvart auch geworden: eine kuriose Mischung aus Buddy-Komödie und Roadtrip. Dabei sorgen vor allem die Kabbeleien zwischen den ungleichen Brüdern und die Vielzahl selbstironischer Gastauftritte vieler deutscher Schauspieler für Unterhaltung, inklusive Cameo-Auftritt einer deutschen Schlager-Legende. Reine Geschmackssache ist vor allem der derbe Fäkalhumor des Films, der sich durch die kompletten 120 Minuten zieht.

Webseite: www.halbe-brueder.de

Deutschland 2015
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Doron Wisotzky
Darsteller: Paul "Sido" Würdig, Fahri Yardim, Tedros Teclebrhan, Violetta Schurawlow, Julia Dietze, Michael Mendl, Mavie Hörbiger
Länge: 115 Minuten
Verleih: Universal Pictures Germany
Kinostart: 09. April 2015

 

FILMKRITIK:

Julian (Sido), Yasin (Fahri Yardim) und Addi (Tedros Teclebrhan) könnten unterschiedlicher nicht sein: Julian, der aus Deutschland stammende Familienvater, der die Familienkasse nicht selten mit illegalen Trickbetrügereien aufbessert, Yasin, der verwöhnte Türke aus reichem Elternhaus und der Afrikaner Addi, dessen größte Leidenschaft das Rappen ist. Eines Tages erfahren die Drei bei der Verlesung des Testaments ihrer verstorbenen Mutter, dass sie Brüder sind. Und es kommt noch besser: Ihre Mutter hat ihnen ein saftiges Erbe hinterlassen, das geheime Versteck des Geldes können sie jedoch zu gemeinsam finden. Also sind die drei Brüder gezwungen, zusammenzuarbeiten und sich zu Dritt auf einen verrückten Trip quer durch Deutschland zu begeben.
"Halbe Brüder" ist der neue Film von Regisseur und Drehbuchautor Christian Alvart, dessen bekannteste Kino-Filme der Thriller "Antikörper" und der Horror-Film "Fall 39" mit Renée Zellweger sind. Alvart inszenierte bis heute auch vier Tatort-Folgen. Mit "Halbe Brüder", einem wilden, überdrehten Mix aus Roadmovie und Buddy-Komödie, wagt er sich erstmals ins Komödien-Genre vor.

Ein Reiz des Films ergibt sich aus den unterschiedlichen Charaktereigenschaften und individuellen Eigenheiten der drei Brüder. Vor allem der überkorrekte, gut erzogene Unternehmersohn Yasin und der kiffende, die gängige Hip-Hop-Sprache bemühende Rapper Addi geraten nicht selten aneinander, was für viele heitere Momente sorgt. Das beginnt schon beim ersten Aufeinandertreffen der Beiden kurz vor der Verlesung des Testaments. Fahri Yardim und Tedros Teclebrhan nimmt man ihre Rollen jederzeit ab, sie spielen leidenschaftlich und glaubwürdig. Sichtlich bemüht agiert Paul "Sido" Würdig, seiner Figur des trickbetrügerischen Julian Tiefe und Authentizität zu verleihen.

Gewöhnungsbedürftig und eindeutig Geschmackssache in diesem temporeichen, rasant geschnitten Films ist der derbe Fäkal- und Brachial-Humor, für den man ein Faible haben muss. Wenn man damit nichts anfangen kann, muss man hart im Nehmen sein. Ein Humor, der seine Pointen oft im sexuellen und fäkalen Bereich sucht, ist hier an der Tagesordnung. Sei es der unüberhörbare Toilettengang von Addi bei der Testamentsverwaltung oder der körperbetonte, schlammige Käfig-Fight zwischen Yasin und seinem Vater in einer Kölner Schwulen-Location.

Gelungen und unterhaltsam sind jedoch die vielen Nebenrollen und Gastauftritte deutscher Schauspielgrößen wie Michael Mendl, Charly Hübner, Detlev Buck oder Mavie Hörbiger. Am gelungensten gestaltet sich der selbstironische Cameo-Auftritt einer Schlager-Legende, deren Namen an dieser Stelle noch nicht verraten werden soll. Das würde den herrlichen Überraschungseffekt zunichtemachen.

Björn Schneider