Henri 4

Auf 155 Minuten entfaltet die Verfilmung von Heinrich Manns epochalem Roman über den französischen Monarchen Henri IV ein bildgewaltiges Geschichtsdrama. Regisseur Jo Baier greift dabei Heinrichs Manns Sicht auf den französischen König auf und feiert ihn als großen Humanisten in einer Zeit, in der Glaubenskriege die Menschen in Tod und Elend treiben. Die Mahnung zu mehr Toleranz hat auch heute nichts an Aktualität verloren.

Webseite: www.henri-vier.com

Regie: Jo Baier
D: Julien Boiselier, Armelle Deutsch, Joachim Król, Chloé Stefani, Ulrich noethen, Hannelore Hoger
Start: 4.3.
Verleih: Central Film
155 Minuten
www.Henri-Vier.com
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Frankreich im 16. Jahrhundert. Protestanten und Katholiken kämpfen um die Macht im Lande. An der Spitze der protestantischen Hugenotten steht der junge König von Navarra, Henri. Ihr Feind ist die katholische Zentralmacht in Paris. Dort herrscht Katharina von Medici, die mit allen Mitteln versucht, den Thron für ihre drei Söhne zu sichern. Weil keine der Glaubensrichtungen sich auf dem Schlachtfeld durchsetzen kann, soll eine Hochzeit in Paris beide Parteien miteinander versöhnen. Doch die Vermählung zwischen Henri und der Tochter Katharinas, Margot, endet für die Hugenotten in der drauffolgenden Bartholomäusnacht in einem Blutbad. Henri gehört zu den wenigen Protestanten, die in Paris das Massaker überleben. Als Gefangener seiner Schwiegermutter muss er zum Katholizismus konvertieren, kann aber entkommen und den Kampf von Navarra aus fortsetzen.

Wieder gelingt es den Hugenotten, sich in den Schlachten gegen die katholische Übermacht zu behaupten. Zur gleichen Zeit muss Katharina erleben, wie ihre Söhne durch Krankheit und Meuchelmord ihr Leben lassen. Als der letzte der drei Söhne stirbt, wird der Weg für den König von Navarra frei. Als Henri IV besteigt er den Thron von Paris und zum zweiten Mal muss er Katholik werden, um die Krone zu bekommen. Doch noch ein größeres Opfer wartet auf den neuen Monarchen. Gabrielle, seine junge Geliebte, die Henri statt Margot zur Frau nehmen will, wird Opfer eines Giftanschlags und stirbt mit Henris Kind im Laib. Statt dessen muss er auf Willen Katharinas und des Papstes die reiche Marie de Medici ehelichen, die ihm aber den erwünschten Sohn schenkt.

Privat verbittert, gelingen Henri in der Regierung umso größere Erfolge. Unter seiner Herrschaft blüht das verarmte Land wirtschaftlich wieder auf. Das Toleranzedikt von Nantes, das den Hugenotten weitgehende Freiheit beschert, sorgt für Stabilität und Wohlstand. Doch auch auf Henri wartet ein gewaltsames Ende. Seine Ermordung am 15. Mai 1610 beendete eine kurze Phase des Friedens und der Toleranz.

Heinrich Mann verstand sein zweibändiges Epos über die Lebensgeschichte Henri IV nicht zuletzt als Hommage an einen großen Humanisten. Henris Kampf gegen Intoleranz und Barbarei setzte Mann in Bezug zum Faschismus, der 1938, beim Erscheinen des Romans, bereits Europa im Würgegriff hatte. Heute setzt die Romanverfilmung von Jo Baier neue Akzente. Im Film spielt Julien Boiselier Henri als lebenslustigen König, der die Freiheit und die Frauen liebt, aber auch danach strebte, dass niemand im Land zu hungern hatte.

Der Franzose ist Teil einer internationalen Besetzung, bei dem die deutschen Schauspieler den Löwenanteil innehaben. Nicht alle freilich funktionieren in ihren Rollen so gut wie Hannelore Hoger als charismatische Machtpolitikerin Katharina de Medici. Brillant auch Ulrich Noethen, der ihren schwächlichen Sohn Karl IX spielt. Andere Figuren, wie etwa die von Joachim Król und Andreas Schmidt verkörperten Gefährten Henris wirken als Charaktere unausgereift. Mag sein, dass hier in der längeren Fernsehfassung die Figuren umfassender und damit plausibler erscheinen.

Die Kinofassung verfügt mit 155 Minuten auch schon über eine imposante Länge, in der Jo Baier gekonnt sein Historienepos entfaltet. Geprägt von den Katastrophen, die fanatischer und intoleranter Glauben sowie der Krieg hervorrufen, entwickelt sich Henri zum Humanisten. Dabei bemüht sich Jo Baier, hehre Botschaft und profanen Unterhaltungsanspruch miteinander zu verbinden. Ein Anspruch, der in den rauen Schlachtszenen besser umgesetzt wird als in den zu schwülstig geratenen Liebesszenen.

Norbert Raffelsiefen

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