Herbstgold

Immer nach dem Motto “Wer rastet, der rostet” setzen die Senioren in Jan Tenhavens fulminanter Sportdokumentation alles daran, nicht zum alten Eisen zu gehören. Ilse, Alfred, Jiøí, Herbert und Gabre sind fünf Sportler, im Alter von 82 bis 100 (!) Jahren, die sich mit Eifer für die Weltmeisterschaften der Senioren im finnischen Lathi vorbereiten. Mit viel Herz und Humor inszeniert der Regisseur seine Hommage an die sportbegeisterten Senioren. Ihr Mut und ihre Vitalität wirkt ansteckend, nicht nur für ältere Zuschauer.

Webseite: http://herbstgold-derfilm.de

Deuschland 2010
Regie: Jan Tenhaven
Länge: 90 Minuten
Deutsch, Italienisch, Tschechisch, Schwedisch, Finnisch mit deutschen Untertiteln
FSK: ab 0 Jahre
Kinostart: 08.07.2010
Verleih: Neue Visionen
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

99 Jahre ist der Wiener Maler Alfred Proksch bereits geworden. Für die meisten Menschen wäre dies Grund genug, um in Ruhe den Lebensabend zu genießen. Doch der agile Hobbysportler hat noch ehrgeizige Ziele. Er möchte an den Weltmeisterschaften im Seniorensport im finnischen Lathi teilnehmen. Dann wäre der Diskuswerfer mit hundert Jahren der älteste Teilnehmer. Alfred Proksch ist zuversichtlich, sein Ziel zu erreichen, auch wenn sein Körper schon längst nicht mehr so reibungslos funktioniert und jede Verletzung das Aus bedeuten könnte.

Eine Alternative zu seinem sportlichen Plänen gibt es auch für Jiøí nicht. Für den 82-jährige Hochspringer aus Tschechien ist der Sport schon immer ein wichtiger Lebensinhalt gewesen. Auch wenn seine Frau den Kopf schüttelt angesichts einer ganzen Liste an Verletzungen, die sich der Hochspringer im Laufe der letzten Jahre bei seinem sportlichen Tun zugezogen hat. Mit Akribie trainiert er ebenso intensiv für eine neue Bestmarke in seiner Altersgruppe wie Ilse, die 85-jährige Kugelstoßerin aus Kiel, die das Eisen unbedingt auf 6 Meter wuchten möchte.

Mit 93 Jahren träumt auch der Kurzstreckenläufer Herbert (93) aus Stockholm noch einmal von einem Platz auf dem Siegertreppchen in Lahti. Dafür geht der Schwede bei Wind und Wetter ins tägliche Lauftraining. Scheinbar weniger verbissen bereitet sich die Italienerin Gabre Gabric auf ihren Wettkampf im Diskuswurf der Damen vor. Ihre größte Sorge gilt ihrem Alter, das sie niemandem verrät, auch wenn ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen von Berlin im Jahre 1936 schon Rückschlüsse erlauben.

Regisseur Jan Tenhaven hat die fünf Seniorensportler bei ihren Vorbereitungen für Lathi 2009 begleitet. Einen Film über Sport wollte er machen, herausgekommen ist dabei ein faszinierender Blick auf eine Gesellschaft im Wandel. Wie schon in Andreas Dresens Erotikdrama „Wolke 9“ oder dem begeisternden Chorfilm „Young at Heart“ von Stephen Walker zeigt auch „Herbstgold“, dass immer mehr alte Menschen auch als Senioren ihre Lust am Leben nicht aufgeben, sondern mit einer beherzten „Jetzt-erst-recht-Haltung“ allen Widrigkeiten trotzen. Auch wenn der Film bei den Sportlern Tendenzen zu Überehrgeiz und Eitelkeiten aufzeigt, imponiert doch die Vitalität und Energie, mit der alle Beteiligten gegen typische Alterserscheinungen wie Krankheit und Einsamkeit ankämpfen. Wenn da im Eifer des Gefechts der Kampf gegen die Konkurrenz auch schon mal bedenkliche Züge annimmt, federt der Film mit feinem Humor solche Wettkampfallüren ab. Tenhavens Hommage an die agilen Alten ist nicht zuletzt auch ein beherzter Appell, sein Leben in jeder Situation mit Witz und Willenskraft zu meistern.

Norbert Raffelsiefen

.