Herr Figo und das Geheimnis der Perlenfabrik

Dank Pixar erfreuen sich Ratten derzeit großer Beliebtheit. Auch in der argentinisch-spanischen Produktion Herr Figo und das Geheimnis der Perlenfabrik dreht sich um alles um einen außergewöhnlichen Nager, der als Zahnmaus die Herzen der jungen Kinozuschauer erobern soll. Dabei setzt die Geschichte mit ihrem Mix aus Real- und CGI-Trickfilm auf ein hohes Erzähltempo, kindgerechten Humor und eine charismatische Hauptdarstellerin.

Webseite: www.herrfigo-derfilm.de

OT: El Ratón Pérez
Argentinien/Spanien 2006
Regie: Juan Pablo Buscarini
Drehbuch: Enrique Cortes
Produktion: Pablo Bossi, Julio Fernández
Mit Delfina Varni, Fabián Mazzei, Ana Maria Orozco, Joe Rigoli, Diego Gentile
Laufzeit 93 Minuten
Kinostart: 10.1.2008
Verleih: 3L

PRESSESTIMMEN:

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FILMKRITIK:

Die Legende der Zahnfee, die nachts eine Goldmünze im Austausch für einen ausgefallenen Milchzahn unter dem Kopfkissen der Kinder hinterlässt, hat eine lange Tradition speziell in der amerikanischen Folklore. Von dort aus hat sie sich aber auch in andere Kulturen verbreitet und mit den jeweils lokalen Geschichten über Feen und andere Märchengestalten vermischt. Die argentinisch-spanische Co-Produktion Herr Figo und das Geheimnis der Perlenfabrik greift diesen Mythos für ihre Erzählung über eine emsige Zahnmaus aus, deren Bestimmung es ist, die ausgefallenen Zähne der Kinder in ihrer eigenen Fabrik von Hunderten Mäusen zu wunderschönen Perlen weiterverarbeiten zu lassen. Von da aus landen sie beim alten Juwelier Morientes (Joe Rigoli), der sie in ganz spezielle Schmuckstücke verwandelt.

Auch der kleine Wirbelwind Lucia (Delfina Varni) glaubt an die Zahnmaus. Als sie nach einem Missgeschick einen Zahn verliert und diesen unter ihr Kopfkissen legt, rechnet sie fest damit, dass sich an gleicher Stelle am nächsten Morgen eine Münze befindet. Doch dieses Mal ist alles anders. Denn Herr Figo kommt erst gar nicht dazu, sein Werk zu vollenden. Sein neidischer Rivale Fugaz und Pipo (Diego Gentile), der Neffe des alten Juweliers, entführen Herr Figo, um sich auf diese Weise das Geschäft mit den Perlen unter den Nagel zu reißen. Jetzt ist es an Lucia und ihren Freund Ramiro (Nicolás Orcanowsky), Herr Figo zu retten und die Pläne des kriminellen Duos zu durchkreuzen.

Mit seiner Mischung aus Realfilm und computergenerierten Animation sowie seinem tierischen Hauptdarsteller ähnelt Herr Figo sehr der amerikanischen Produktion Stuart Little. Wie diese setzt der Film stark auf actionreichen Slapstick, wobei sich Regisseur Juan Pablo Buscarini durchaus Zeit auch für ruhigere Zwischentöne nimmt. Während die Geschichte über weite Strecken vor allem die jüngeren Kinogänger gut unterhalten dürfte – im Unterschied zu Pixars Ratatouille wurde Herr Figo erkennbar auf Kinder bis ungefähr 10 Jahren zugeschnitten –, versucht der Film noch auf den letzten Meter, eine reichlich platte und undifferenzierte Kapitalismuskritik unterzubringen. Ob Kinder in diesem Alter hierfür jedoch der richtige Adressat sind, darf zumindest bezweifelt werden.

In seiner Heimat Argentinien ging das Konzept der Macher, einen alten, bekannten Mythos in ein neues, zeitgemäßes Gewand zu stecken, bereits voll auf. Dort avancierte Herr Figo zum erfolgreichsten Familienfilm aller Zeiten – noch vor sämtlichen Disney- und Pixar-Produktionen. Zwar kann die Qualität der CGI-Animationen nicht mit jener der Konkurrenz aus Hollywood mithalten, dafür punktet die argentinisch-spanische Mäusejagd mit ihrem kindgerechten Humor, der geschickten Verknüpfung unterschiedlicher Filmtechniken und einer überaus charismatischen Nachwuchsschauspielerin. Die 12jährige Delfina Varni stiehlt am Ende sogar dem computeranimierten Herr Figo die Schau.

Marcus Wessel

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Das Mädchen Lucia lebt bei seinen Eltern Pilar und Santiago. Pilar ist viel beschäftigte Architektin, Santiago möchte gerne ein Haute-Cuisine-Chefkoch sein, dringt aber zunächst nur bis zu einem Frittenrestaurant vor. Lucia ist ein Wildfang, so wild, dass sie plötzlich einen Zahn verliert.

Gut, dass es die Maus Figo gibt. Sie sammelt verlorene Zähne ein, die die Kinder unter dem Kopfkissen bereithalten müssen, und verarbeitet sie in ihrer Mäusefabrik mit Dutzenden von Mäusearbeitern zu schönen Perlen, nicht ohne als Entschädigung eine Münze zu hinterlassen.

Gerade als Figo dabei ist, Lucias Zahn zu holen, wird er betäubt und entführt. Dahinter stecken der auf Figo neidische und machtbesessene Mäuserich Fugaz sowie Pipo, der böse Neffe des Juwelenhändlers Morientes, dessen Aufgabe es eigentlich wäre, die von Figos Unternehmen geschaffenen Perlen zu verschiffen und an den Mann zu bringen.

Figo muß Furchtbares durchmachen. Aber was noch schlimmer ist: Pipo arbeitet mit Lug und Trug, will alle Mäusearbeiter zu Spielzeug verarbeiten, seinen Onkel Morientes sowie Figo ausschalten und sich natürlich der kostbaren Perlen bemächtigen. Doch er hat die Rechnung ohne Lucia und ihren technisch begabten Freund Ramiro gemacht.

Im Ursprungsland Argentinien war der Film ein Riesenerfolg. Lucia, Ramiro, Pilar, Santiago, Morientes und Pipo sind Realcharaktere, Figo, Fugaz und Konsorten Animationsfiguren. Beide Formen sind vermischt, lösen sich ständig ab. Die Rollen der Eltern wirken ein wenig aufgepfropft, sonst ist die Story flüssig. Aber nicht die Geschichte ist die Hauptsache. Sie ist eigentlich vorhersehbar. Wesentlicher erscheint, dass es sich um einen im großen und ganzen gelungenen Kinder- und Familienfilm handelt und dass die Animation erstklassig gelungen ist. Die digitale Technik schafft ja täglich neue Höhepunkte, und die Argentinier sind hier voll mit dabei.

Ein Film für kleine und große Kinder.

Thomas Engel