High Performance – Mandarinen lügen nicht

Es muss nicht immer Hader sein: Die kleine Alpenrepublik von nebenan ist komödiantisch allemal für angenehme Überraschungen gut, gerade Debütwerke verblüffen gern mit charmanter Lässigkeit und unangestrengter Erzählweise. Hier geht es um zwei höchst ungleiche Brüder. Der eine ein verträumter Taugenichts, der andere ein aalglatter Karrierist. Intrigenreich will der Unternehmer eine talentierte Mitarbeiterin ausbooten. Den finanzklammen kleinen Bruder kann er trickreich zum Handlanger seiner Spionage einspannen. Aber dann verliebt der Idealist sich in das Objekt der Begierde. Das Rad der Rom-Com wird hier gewiss nicht erfunden, doch flottes Timing, gelungene Situationskomik sowie überzeugende Akteure sorgen für amüsante Unterhaltung.

Webseite: www.highperformance.wfilm.de

Österreich 2014
Regie und Buch: Johanna Moder
Darsteller: Marcel Mohab, Manuel Rubey, Katharina Pizzera, Jaschka Lämmert, Helmut Berger
Filmlänge: 100 Minuten
Verleih: W-film Distribution
Kinostart: 7. Mai 2015
 

Pressestimmen:

"Selten hat eine Komödie ihre Figuren so schelmisch leichtfüßig in Konflikte hinein- und wieder hinausgetrieben wie dieser österreichische Debütfilm."
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

„Kannst Du Dir vorstellen, eine Freundin zu haben?” – „Ja, aber ich stell’s mir wahrscheinlich lieber vor.” Auf Flirtoffensiven reagiert Daniel eher etwas zurückhaltend. Die große Liebe des jungen Kreativen gilt dem Theater, mit seinem basisdemokratischen Schauspiel-Kollektiv probt er engagiert ein experimentelles Performance-Stück. Bei seiner vornehmen Familie kommt solch brotlose Kunst kaum gut an. Der Vater, ein erfolgreicher Unternehmer, hat nur Spott für den vermeintlichen Versager übrig. Umso stolzer ist er auf seinen Rudi, der als Manager in der elterlichen Software-Firma glänzende Karriere macht. Die beiden ungleichen Geschwister verbindet seit langem eine gegenseitige Abneigung. Entsprechend überrascht ist Daniel, als ihm sein großer Bruder plötzlich ein ungewöhnliches Angebot macht: Er soll dessen neue Mitarbeiterin Nora ein bisschen Schauspiel-Nachhilfe geben als rhetorische Vorbereitung auf einen wichtigen Vortrag. Der Freigeist lehnt entrüstet ab, seine hehre Kunst will er nicht durch schnöden Kommerz befleckt sehen. Finanzklamm, wie er ist, willigt Daniel letztlich doch in die Nachhilfe-Stunden ein. Für Rudi ist dieser Coaching-Auftrag freilich nur ein fieser Vorwand, er will mit Hilfe des ahnungslosen Bruders an vertrauliche Computer-Dateien seiner Mitarbeiterin kommen. Damit der perfide Spionage-Plan gelingt, erzählt er zudem von seiner heimlichen Liebe zu Nora, weshalb er alles von ihr wissen müsse. Die Lüge kauft ihm der naive, kleine Bruder ab. Pech für das Komplott, dass sich die Programmiererin alsbald heftig in ihren Coach verliebt – und umgekehrt.
 
Die Nummer mit den ungleichen Brüdern ist gewiss nicht neu im Komödien-Repertoire, ebenso wenig wie das stachelige Missverständnis-Gestrüpp im Beziehungs-Garten, das erst pointenreich gelichtet werden will. Doch die Grazer Filmakademieabsolventin Johanna Moder rollt den bekannten Plot in ihrem Langfilmdebüt mit einer leichtfüßigen Mischung aus Charme und Schmäh vergnüglich auf. Die Erzählweise präsentiert sich angenehm unangestrengt und überzeugt mit launiger Situationskomik. Die Chemie zwischen dem verhinderten Liebespaar und den zerstrittenen Brüdern stimmt. Insbesondere der Kabarettist Marcel Mohab in der Rolle des tapsig idealistischen Anti-Helden erweist sich als leinwandpräsenter Sympathieträger der unaufdringlichen Art – nicht umsonst wird er im Film als running gag gern mit Ben Stiller verwechselt.
 
Wie es sich für eine Austro-Komödie gehört, mangelt es auch hier nicht an süffisanten Sprüchen und Dialogwitz.. „Alle Menschen haben einen Dachschaden. Es geht darum, den Dachschaden zu finden, der kompatibel ist mit dem eigenen”, beschreibt Daniel seine Philosophie. Konsequent tollpatisch reagiert er auf Komplimente: „Du hast voll die Mädchenhände”, schwärmt die Nora. „Die sind aber total runzlig. Was für ein Mädchen soll das sein?” bekommt sie als schnöde Reaktion.
 
Ihre erste Bewährungsprobe hat die kleine, feine Komödie bereits bestanden: Das lässige Lustspiel wurde beim Max Ophüls-Festival mit dem Publikumspreis belohnt.

Dieter Oßwald