Highway to Hellas

Eine Komödie über das deutsch-griechische Verhältnis. Eigentlich nicht die schlechteste Idee, gerade angesichts der aktuellen politischen Lage. Doch was bei Aron Lehmanns „Highway to Hellas“ von dieser Idee übrig blieb, ist eine bemerkenswerte Aneinanderreihung von Klischees und Stereotypen, die jedes Vorurteil der Boulevardpresse bestätigt.

Webseite: film.info/highwaytohellas

Deutschland 2015
Regie: Aron Lehmann
Buch: Arnd Schimkat, Moses Wolff, Aron Lehmann
Darsteller: Christoph Maria Herbst, Adam Bousdoukos, Akillas Karazisis, Christos Valavanidis, Giorgos Kotanidis, Rosalie Thomass, Eva Bay, Errikos Litsis, Gitta Schweighöfer
Länge: 90 Minuten
Verleih: Warner Bros.
Kinostart: 26. November 2015
 

FILMKRITIK:

Aus offensichtlichen Gründen ist das deutsch-griechische Verhältnis nicht mehr das Beste und ein Film wie „Highway to Hellas“ – sollte er in Griechenland zu sehen sein – trägt gewiss nicht zur Verbesserung der Beziehungen bei. Schauplatz des Films ist die fiktive griechische Insel Paladiki, die genauso aussieht, wie sich der Deutsche eine griechische Insel vorstellt: hübscher Hafen, malerischer Strand, weißgetünchte Häuser mit blauem Dach, bärtige Bewohner, die sich allabendlich mit Ouzo betrinken, Esel, die die Straßen blockieren, emotionale Frauen und charmante Casanovas.
 
Doch wirtschaftlich geht es der Insel schlecht, und so planen die Bewohner, ein Naturparadies Namens Galapagos in Greece zu bauen, für das sie bei einer deutschen Bank einen Kredit bekommen haben. Doch nun schwant der Bank Böses, man fürchtet um das Geld und schickt den spießigen Beamten Jörg Geissner (Christoph Maria Herbst) auf die Insel, um zu überprüfen, ob die Sicherheiten denn auch wirklich existieren. Mit Begeisterung wird Geissner nicht empfangen, allein der Kioskbesitzer Panos (Adam Bousdoukos) verspürt gewisse Sympathien. Dennoch hilft er den anderen Dorfbewohnern dabei, Geissner an der Nase herumzuführen, ihn auf sinnlose Erkundungsritte über die Insel zu schicken, um ihm zu verhehlen, dass das versprochene Elektrizitätswerk gar nicht existiert. Langsam entwickelt sich jedoch eine Freundschaft zwischen dem Deutschen und dem Griechen.
 
Mit Klischees ist das so eine Sache: Ganz aus der Luft gegriffen sind die wenigsten, doch wie zeigt man, dass Klischees nicht die ganze Wahrheit über eine bestimmte Gruppe Menschen erzählen? „Highway to Hellas“ – produziert von Matthias Schweighöfers Firma, was viel über die hier verwendete Art der Komik verrät – bestätigt zunächst jedes Klischee, dass gerade der Boulevard gern verbreitet: Die Griechen sind unzuverlässig, chaotisch, latent korrupt, arbeitsfaul, in vielfältige amouröse Abenteuer verwickelt, die oft zu hysterischen, lautstarken Auseinandersetzungen führen, trinken gern Ouzo und schlafen lange. Dem gegenüber steht der betont spießig und verkrampft gezeichnete Deutsche, für den der ehemalige Stromberg Christoph Maria Herbst natürlich die ideale Besetzung ist.
 
So entwickelt sich die Geschichte und man beginnt sich zu fragen, ob diese Klischees denn irgendwann auch einmal gebrochen werden? Die Hoffnung mag man nicht aufgeben, zumal Aron Lehmann Regie führt, der mit seinem Debütfilm „Kohlhass oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ vor zwei Jahren ein überraschendes, feingeistiges Regiedebüt vorgelegt hatte. Doch von der dort gezeigten subtilen Satire ist bei „Highway to Hellas“ nichts zu spüren. Statt Klischees zu entlarven, wie es fraglos die Intention der Filmemacher war, werden sie nur bestätigt: Ja, die Griechen sind unzuverlässig, korrupt und wirtschaften in die eigene Tasche, aber sie tragen das Herz am rechten Fleck und außerdem ist es dort unten so schön sonnig. Das ist, kurz gesagt, die Essenz von „Highway to Hellas“, was in etwa dem Niveau einer Klamotte aus den 70er Jahren entspricht, für eine augenscheinlich aufwändige deutsche Kinoproduktion im Jahre 2015 dann aber doch ein wenig unterkomplex erscheint.
 
Michael Meyns