Hilfe, ich habe meine Freunde geschrumpft

Nach der Lehrerin im Jahr 2015 und den Eltern im Jahr 2018 erwischt es nun also die Freunde von Felix, die auf eine Größe von 15,3 Zentimeter geschrumpft werden. Damals waren dies noch Unfälle, diesmal ist der Teenager selbst dran schuld. Weil er sich verliebt hat und seine Freunde die Angebetete nicht ausstehen können. Dazu kommt noch, dass Hulda Stechbart zurück ist und ein für allemal die Schule unter ihre Kontrolle bringen will. Der dritte Teil der Reihe versucht aus dem Schema auszubrechen, indem das Schrumpfen deutlich in den Hintergrund gerückt wird – und ist immerhin so gut gelungen, dass auch ein älteres Publikum durchaus seinen Spaß haben kann.

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Hilfe, ich habe meine Freunde geschrumpft
Deutschland 2021
Regie: Granz Henman
Buch: Gerrit Hermans
Darsteller: Oskar Keymer, Anja Kling, Axel Stein, Lina Hüesker, Lorna zu Solms, Johannes Zeiler, Michael Ostrowski, Maria Hofstätter, Andrea Sawatzki, Otto Waalkes
Länge: 95 Minuten
Verleih: DCM
Kinostart: 6. Januar 2021

FILMKRITIK:

Ella und Felix sind seit frühester Kindheit Freunde, sie empfindet mittlerweile aber was für ihn, was er natürlich gar nicht merkt. Dafür ist er für Melanie, die neue Schülerin, Feuer und Flamme – sehr zum Missfallen von Ella. Aber auch seine Freunde können mit Melanie gar nichts anfangen und verdächtigen sie sogar, sie alle bestohlen zu haben. Dabei steht der Schulausflug an, der an den Geburtsort von Otto Leonhard führt, aber das gruselige Ambiente der Jugendherberge macht alles auch nicht besser. Denn Hulda Stechbart hat zwei ihrer Lakaien losgeschickt, um Otto Leonhards Notizbuch zu stehlen, mit dem sie endlich ihren langgehegten Traum verwirklichen kann. Nicht mehr gebrechlich sein und die Kontrolle über die Schule zu erlangen. Da trifft es sich gut, dass es bei Felix und Freunden Streit gibt und er seine Kumpels – und Ella – kurzerhand schrumpfen lässt.

Der erste Film war noch eine Adaption von Sabine Ludwigs Roman. Sie hatte auch am Drehbuch mitgewirkt. Der zweite Film ging dann gänzlich eigene Wege, weil es gar keine Vorlage mehr gab. Genauso verhält es sich nun mit „Hilfe, ich habe meine Freunde geschrumpft“, bei dem man offenkundig versucht, sich von der althergebrachten Formel zu lösen. Denn zum einen ist das Schrumpfen eher ein unwesentlicher Teilbereich des Films (und tritt auch erst nach gut 40 Minuten auf), zum anderen sind die Hauptfiguren jetzt Teenager. Kein Wunder also, dass hier einiges hormongesteuert ist.

Man kann also sagen, dass man hofft, dass das Publikum zusammen mit den Protagonisten älter geworden ist, denn das Anschmachten wird die ganz kleinen Zuschauer wohl weniger begeistern. Dafür gibt es immer noch den Humor, der auf ein offenkundig kindliches Publikum abzielt, was den Film ein bisschen uneins erscheinen lässt. Dennoch ist das langsame Erwachsenwerden der Protagonisten ein wichtiges Element dieses Films, das dem üblichen Tohuwabohu zum Trotz hilft, das Ganze nicht nur reifer erscheinen zu lassen, sondern auch neue Akzente setzt. Da passt es dann auch, dass ein ganz klein wenig Gruselfeeling aufkommt, wenn die Teenies in der uralten Jugendherberge Geistergeschichten erzählen. Aber die „Horror-Night“, wie sie sie nennen, ist natürlich immer noch schön harmlos.

Die Effekte sind wie bei den Vorgängern erstklassig. Wieder einmal wird bewiesen, dass in Deutschland Filme mit phantastischen Themen nur im Bereich des Kinder- und Jugendfilms möglich sind. Dieser hier ist aber immerhin so gut gelungen, dass auch ein älteres Publikum durchaus seinen Spaß haben kann.

Es heißt, der Film diene als Abschluss der Trilogie, die beiden Vorgänger haben mit insgesamt 2,2 Millionen Zuschauern im deutschsprachigen Bereich aber gut reüssiert. Insofern wäre es nicht verwunderlich, wenn die Geschichte doch noch fortgesetzt wird – oder eine Staffelstabübergabe an jüngere Protagonisten stattfindet.

Peter Osteried