Hilfe, unser Lehrer ist ein Frosch

Eine heile Welt beschwört Anna van der Heide in ihrem Kinderfilm „Hilfe, unser Lehrer ist ein Frosch“, der ein märchenhaftes Motiv – der titelgebende Lehrer, der sich gelegentlich in einen Frosch verwandelt – dazu benutzt, um vom Zusammenhalt der Schulkinder zu erzählen. Von moralischer Komplexität wie ein Märchen ist dieser Film zwar nicht, aber ein kurzweiliges Vergnügen.

Webseite: www.littledream-entertainment.com

Niederlande 2016
Regie: Anna van der Heide
Buch: Mieke de Jong, nach dem Kinderbuch von Paul van Loon
Darsteller: Yenthe Arwen Bos, Bobby van Vleuten, Jeroen Spitzenberger, Georgina Verbaan, Paul Kooij
Länge: 83 Minuten
Verleih: Little Dream Entertainment
Kinostart: 15. Juni 2017

FILMKRITIK:

In der niederländischen Provinz, in einem Haus unweit einer Gracht, lebt Sita ein unbeschwertes Leben. Schon vor der Schule verbringt sie ihre Zeit in der bukolischen Natur und versucht ihr neues Lieblingstier zu fangen: Einen Frosch. Die Liebe zu den Tieren wurde ihr quasi in die Wiege gelegt, denn ihre Mutter Cecile ist Tierärztin. Und das mit soviel Einsatz, das für Sita oft keine Zeit bleibt. Doch Sita ist ein selbstständiges, patentes Mädchen, beliebt bei ihren Freunden und auch bei ihren Lehrer Franz. Der ist ein jugendlicher Typ und ganz anders als der hoch geknöpfte Direktor Storch, der neue Rektor an der Schule.
 
Als Sita jedoch ein Referat über Frösche halten will, passiert etwas Merkwürdiges: Lehrer Franz gibt plötzlich komische Geräusche von sich und wird grün im Gesicht. Bald weiß es die ganze Klasse: Lehrer Franz verwandelt sich gelegentlich in einen Frosch und kann nur erlöst werden, wenn er etwas zu essen, am liebsten eine dicke Fliege bekommt. Allerlei Probleme entstehen durch diese merkwürdige Eigenschaft, doch gemeinsam schaffen es die Kinder, ihren Lehrer zu schützen, was auch notwendig ist, denn der Direktor hat in doppelter Hinsicht ein Auge auf den Lehrer geworfen.
 
Viele Märchen kommen – angesichts des Motivs der Verwandlung von Menschen in Tiere – in den Sinn, doch ein wirkliches, wenngleich modernes Märchen will Anna van der Heides Film gar nicht sein. Eher beiläufig passieren die Verwandlungen und so selbstverständlich wie es der ohnehin überzeichneten Welt des Films geziemt. Die ist so heimelig, so bukolisch wie man sich das Klischee des niederländischen Dorflebens vorstellen mag: Malerische kleine Häuser an Grachten, in denen sich die grünsten Bäume spiegeln, dazu Tulpen und viele Fahrräder. Zumindest äußerlich trübt keine Wolke das Idyll, doch ganz rosig ist zumindest Sitas Leben nicht.
 
So liebevoll ihre Mutter auch ist, ein wenig fühlt sich das Mädchen doch vernachlässigt, so selbstständig sie auch schon ist. Das Schöne an van der Heides Film ist nun, wie beiläufig dies erzählt wird. Um die Abwesenheit des Vaters wird kein Aufheben gemacht, Streitigkeiten lösen sich nicht in Wohlgefallen auf, werden aber auch nicht zum großen Drama, dementsprechend gibt es am Ende der Geschichte auch keine große Katharsis. Dass das Motiv der Verwandlung bisweilen ein wenig verschenkt wirkt mag man hinnehmen, denn viel wichtiger als die Probleme der Erwachsenen (wenn man dies so bezeichnen möchte) ist hier die Welt der Kinder. Und die erfahren durch das gemeinsame Beschützen des Lehrers einen besonderen Zusammenhalt, lernen, sich für andere einzusetzen und zu kämpfen. Eine idealisierte, bukolische Welt schildert „Hilfe, mein Lehrer ist ein Frosch“ zwar, jedoch eine durch und durch sympathische.
 
Michael Meyns