His & Hers

Von einem Baby bis zu einer Greisin reicht die Bandbreite der Frauen, die der irische Dokumentarfilmer Ken Wardrob für seinen Film „His & Hers“ vor die Kamera holte. Männer sind zwar nicht zu sehen, sind aber dennoch das Thema der kurzen Vignetten, aus denen ein Generationen übergreifendes Porträt vom Leben in den irischen Midlands entsteht.

Webseite: www.dejavu-film.de

Irland 2009 – Dokumentation
Regie: Ken Wardrop
Länge: 80 Minuten
Verleih: deja-vu Film
Kinostart: 4. Juli 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

„Ein Mann liebt seine Freundin, erträgt seine Frau und verehrt seine Mutter“. Dieses Sprichwort stellt der bislang durch einige Kurz-Dokumentationen aufgefallene Ken Wardrop an den Anfang seines ersten Langfilms, der ein ebenso originelles, wie ambitioniertes Konzept verfolgt. Inspiriert von seiner Mutter drehte Wardrop nicht ein Porträt über eine Frau, sondern das Porträt der Frau: Vom Baby bis zur Greisin reicht die Bandbreite der Protagonistinnen seines Films, der in einem Maße stilisiert ist, dass man nur bedingt von einer Dokumentation sprechen kann.

In der ersten Einstellungen wird ein Baby in den Bildausschnitt gelegt, einen Schnitt später krabbelt ein anderes Baby durch den Raum, ein paar Schnitte weiter wird ein kleines Mädchen beim Spielen gezeigt und zu seinem Verhältnis zum Vater befragt. Und so geht es weiter. Insgesamt 70 Frauen filmte Wardrob, quer durch alle Altersschichten, filmte sie in ihrem Haus oder der Wohnung, bei alltäglichen Verrichtungen und befragte sie zu ihrem Verhältnis zum jeweils wichtigsten Mann in ihrem Leben. Anfangs sind das natürlich die Väter, später die ersten Freunde, aus denen Ehemänner werden und schließlich verstorbene Lebenspartner, die nur noch in der Erinnerung existieren.

Aus diesem kaldeidoskopartigen Blick auf die Frauen formt Wardrop ein gleichermaßen spezielles wie allgemeines Porträt. Speziell deswegen, da die Bandbreite der gezeigten Frauen extrem limitiert ist: Sämtliche Frauen stammen aus den irischen Midlands und leben in einem Umkreis von nur 15 Meilen. Dementsprechend homogen sind sie: Alle weiß, alle aus der Mittelschicht, alle mit einem scheinbar sorglosen Leben gesegnet, dass ohne relevante Schwierigkeiten abläuft.

Und auch wenn diese sehr spezielle Gruppe sicher nicht repräsentativ für das Leben von Frauen in Irland als Ganzes ist, vom Leben der Frauen im Rest der Welt ganz zu schweigen, gelingt es Wardrop, die Schicksale dieser 70 Frauen zu einem allgemeingültigen Porträt zu überhöhen. Gerade die Banalität der meisten Aussagen – vom Streit über die Fernbedienung bis hin zu Diskussionen über die Wäsche – lässt in ihrer Ansammlung das Bild des ganz gewöhnlichen Lebens entstehen.

Doch nicht nur in die Aussagen der Frauen schleichen sich immer wieder die gleichen oder ähnlichen Themen ein, auch optisch bemüht sich Wardrop um fließende Übergänge. Mal spricht ein kleines Mädchen von ihrem Hund, im nächsten Segment spielt ein anderes mit ihrem vierbeinigen Freund, Minuten – also praktisch Lebensjahre später – sieht man eine ältere Frau ebenfalls mit ihrem Hund. Auch Wohnungen und Häuser ähneln sich oft bis in Details, bestimmte Haus- oder Gartenarbeiten zeigt Wardrop immer wieder, ohne dabei zu manieriert Gemeinsamkeiten zu betonen.

Oberflächlich betrachtet wirkt „His & Hers“ bisweilen eintönig, voller Wiederholungen beziehungsweise Variationen des immer Gleichen. Doch gerade diese Dopplungen, die kleinen Unterschiede, lassen im Lauf des Films ein vielschichtiges Bild entstehen. Nicht das von einer Frau im Speziellen, sondern von der Frau in den irischen Midlands im Allgemeinen.

Michael Meyns