Hope

Der Film des Polen Stanislaw Mucha ("Absolut Warhola", "Die Mitte") diskutiert über Humanismus und Nächstenliebe in Zeiten der Korruption und überzeugt als Kunst-Drama mit biblischen Referenzen. Er erzählt von einem jungen Mann, der Zeuge eines Kunstdiebstahls wird – doch statt die Polizei zu verständigen, glaubt er an die eigene Überzeugungskraft, den Dieb zur Rückgabe zu zwingen.

Webseite: pandorafilm.de

OT: Nadzieja
Deutschland/Polen 2007
Regie: Stanislaw Mucha
Buch: Krzysztof Piesiewicz
Darsteller: Rafal Fudalej, Wojciech Pszoniak, Kamila Baar, Zbigniew Zamachowski, Zbigniew Zapasiewicz
101 Minuten
Verleih: Pandora
Kinostart: Dezember 2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Der 37-jährige Regisseur Stanislaw Mucha aus Polen wurde für seine Dokumentarfilme „Absolut Warhola“ und „Die Mitte“ mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet (u. a. Preis der deutschen Filmkritik) – jetzt zeigt er seinen ersten Spielfilm, der zwar einen bedeutungsschwangeren Titel trägt, doch nicht das sentimentale Kitschdrama geworden ist, das man vielleicht hinter dem Namen vermuten könnte. Es geht also um Hoffnung, denn, so Stanislaw Mucha, in seinem Heimatland würde es den Menschen momentan verdammt schwer fallen zu hoffen.

 

Die personifizierte Hoffnung ist hier der Lockenkopf Frantisek (Rafal Fudalej), ein blasser Twen mit schönen, aber traurigen blauen Augen. Als Kind musste er mit ansehen, wie seine Mutter von einem Laster überrollt wurde. Seitdem lebt er in emotionaler Isolation, dennoch treibt ihn der naive Glaube an das Gute im Menschen voran. Frantisek hat eine Freundin, der er dennoch nur schwer seine Gefühle zeigen kann, ein Lächeln huscht nur selten über die Lippen. Eines Nachts sitzt Frantisek in der Kirche, in der sein Vater die Orgeln bedient, und wird Zeuge eines Diebstahls, den er filmisch festhält. Ausgerechnet der angesehene Galerist und Kunstsachverständige Benedict (Wojciech Pszoniak) entwendet das übergroße Altarbild. Dieb und Augenzeuge stehen sich wenige Tage darauf gegenüber – doch zur Überraschung will Frantisek weder Geld noch die Hilfe der Polizei, sondern nur das Bild zurück in der Kirche hängen sehen.

„Hope“ ist selbstverständlich ein Plädoyer für Humanismus und den Glauben an Gerechtigkeit, zugleich randvoll mit biblischen Zitaten und religiösen Figuren. Frantisek schwebt engelsgleich durch diesen Film und ist mitunter als die altruistische Wiedergeburt Jesu Christi zu deuten, so barmherzig und zart ist sein Wesen. Zwar erhebt der Film aufgrund mangelnder Spannung kaum den Anspruch, als Kunst-Krimi gesehen zu werden, dafür beeindruckt die Vielzahl der unterschiedlich angelegten Charaktere, die allesamt zwischen den Extremen Gut und Böse pendeln, ja sogar Schuld und Sühne durchleben. Inwieweit ein naiver Gerechtigkeitsfanatiker in der heutigen Welt bestehen kann, ist das interessanteste Thema des Films, denn laut Regisseur Stanislaw Mucha hätten Korruption und Bestechung mittlerweile den amoralischen Menschen erzogen, der nicht mehr nach ursprünglich vereinbarten Werten handelt. Man mag daher auch diesen Film als naiv abtun, dennoch appelliert er so dringend und glaubhaft an Nächstenliebe, dass einem nichts anderes übrig bleibt, als ihn zu mögen. 

David Siems 
     

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Warschau. Eine scheinbar hochgestellte Persönlichkeit, Senator, Stadtrat oder ähnliches, hat sich mit Dieben und Hehlern zusammengetan und den Raub eines berühmten italienischen Altarbildes aus einer örtlichen Kirche organisiert. Dem Jurastudenten Francis gelingt es, das Verbrechen zu dokumentieren. Er erpresst den Dieb. Doch er will keineswegs Geld. Er verlangt einzig und allein, dass der Diebstahl rückgängig gemacht wird.

Die äußeren Umstände, die Tatsache zum Beispiel, dass Francis bei dem ermittelnden Kommissar selbst nicht ganz ohne Verdacht bleibt, ein Unfall, der Selbstmordversuch des Bruders, der Schlaganfall des Vaters – dies alles erschwert Francis’ Vorhaben, das voll und ganz seinem absoluten Gerechtigkeitsempfinden entspricht. Wird er mit Hilfe seiner Freundin Klara erreichen, was er will?

Ein Film, in dem der selbstlose, extreme, fast naive Gerechtigkeitssinn siegt – und das bei einem so jungen Menschen. Das ist erstaunlich und bewundernswert. „In der korrupten Welt von heute ist er (Francis) für mich ein Lichtstrahl“, sagt Regisseur Stanislaw Mucha. Hier liegt die Hoffnung, von der der Filmtitel spricht.

Formal ist der im wesentlichen polnische Film äußerst karg und nüchtern gestaltet: einfache Bilder, langsamer Rhythmus – wohl ein absichtliches Stilprinzip, das jedenfalls strikt durchgehalten wird. Gespielt wird „stilgemäß“.

Thomas Engel