Hotel Transsilvanien 2

Im zweiten Teil des Animationsfilms "Hotel Transsilvanien" wird das Konzept des mehr oder minder friedlichen Zusammenlebens zwischen Menschen und Monstern durch die gemischte Ehe der Hauptfiguren vertieft. Slapstick, Musikeinlagen und Klamauk bestimmen dabei den Ton, dazwischen eine kindgerecht verpackte Botschaft, die Toleranz und Respekt vor anderen Kulturen predigt.

Webseite: www.hoteltranssilvanien2.de

USA 2015 – Animationsfilm
Regie: Genndy Tartakovsky
Buch: Adam Sandler, Robert Smigel
Länge: 89 Minuten
Verleih: SONY
Kinostart: 15. Oktober 2015

FILMKRITIK:

Ein typisch postmodernes Konzept ließen sich Adam Sandler und sein Co-Autor Robert Smigel für ihren überaus erfolgreichen Animationsfilm "Hotel Transsilvanien" einfallen: Um sich und seinen Monster-Freunden Ruhe vor den nervtötenden Menschen zu verschaffen, baut Graf Dracula ein Hotel. Dort versammeln sich nicht nur Vampire, sondern auch der Yeti, der unsichtbare Mann, ein schleimiger, grüner Blob, Werwölfe, eine Mumie und viele andere Kreaturen aus der Monsterwelt. Ihnen gegenübergestellt wird der etwas vertrottelte, aber herzensgute Mensch Johnny, der mit seinen schlabberigen T-Shirts, seiner Begeisterung für Fernsehen, Junkfood und Popkultur unverkennbar eine Variante von Adam Sandler ist, der mit dieser Figur seit Jahren erstaunlich erfolgreich ist.
 
Zu Beginn von Teil zwei steht Johnnys Heirat mit der Vampirdame Mavis an, ein Ereignis, dem ihr Vater – Graf Dracula – nur widerstrebend zugestimmt hat. So ganz hat er die Menschen noch nicht akzeptiert, auch wenn er zu den Feierlichkeiten auch Johnnys Familie unbehelligt ins Hotel lässt. Die Probleme beginnen jedoch, als neun Monate später ein Kind geboren wird, dass Mavis und Johnny Denis nennen, für Dracula jedoch nur Denisovich ist. Dieser Knirps wächst nun zwar zwischen Vampiren und Wölfen auf, doch ob er wirklich ein Vampir ist oder nicht doch ein Mensch ist die große Frage. Bekommt er vor seinem fünften Geburtstag keine Vampirzähne ist die Sache klar und die Familie wird wohl notgedrungen in Johnnys Heimat Kalifornien ziehen. Um dieses Drama abzuwenden setzt Dracula alles daran, seinem Enkel die Freude am Bösesein nahe zu bringen und ihn zum Vampir zu machen.
 
Gegen die Dominanz der Pixar-Animationschmiede, die mit "Alles steht Kopf" einmal mehr einen meisterlichen Film vorlegt, haben es andere Animationsstudios schwer. Da mag es nicht verwundern, wenn man es sich einfach macht und weniger auf eine kohärente, emotional überzeugende Geschichte zurückgreift, sondern eine Handlung nur als loses Gerüst versteht, an der sich Gag an Gag reiht. So funktionieren viele Animationsfilme, zuletzt etwa der Riesenerfolg "Minions", der ebenso kaum mehr als eine Nummernrevue war, wie es nun auch "Hotel Transsilvanien 2" ist. Das Zielpublikum ist dabei dezidiert jung und – zumindest in der Vorstellung der Filmemacher – leicht durch Slapstickeinlagen und Humor der eher grobschlächtigeren Variante zu unterhalten. Bei all den Albernheiten gerät das an sich hübsche Konzept leider oft ins Hintertreffen: Aus der Idee, die Sorgen und Nöte allerlei Monster ernst zu nehmen, eine Seite ihrer Wesen zu schildern, die in den klassischen Büchern und Filmen vernachlässigt wurde, hätte man viel mehr machen können.
 
Doch Sandler und Co begnügen sich mit einigen popkulturellen Referenzen, die vor allem dazu eingebaut sind, um den ihre Kinder beim Kinobesuch begleitenden Eltern auch etwas zum Schmunzeln zu geben. Mehr als Schmunzeln werden sie kaum, können sich aber an einer Toleranz predigenden Botschaft freuen, die zwar ebenso unsubtil ist wie die gesamten 89 Minuten von "Hotel Transsilvanien 2", der man aber nur zustimmen kann.
 
Michael Meyns