House of Boys

Luxemburg, Anfang der 80er Jahre. Der junge Frank ist Homosexuell und wird in seinem Heimatdorf in der Schule und zu Hause geschnitten. In der Clubszene des weltoffenen Amsterdam findet er ein neues zu Hause, wird aber auch schnell mit einer gerade entdeckten, noch tödlichen Krankheit konfrontiert: AIDS. „House of Boys“, der Debütfilm von Jean-Claude Schlim ist emotionales, packendes Kino, dass angesichts einiger drastischer Szenen für manchen Zuschauer zu viel sein dürfte.

Webseite: www.filmlichter.de

Luxemburg/ Deutschland 2009
Regie: Jean-Claude Schlim
Drehbuch: Christian Thiry, Jean-Claude Schlim
Darsteller: Layke Anderson, Benn Northover, Eleanor David, Udo Kier, Stephen Fry, Steven Webb
Länge: 113 Min.
Verleih: Filmlichter
Kinostart: 2. Dezember 2010

 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Trotz aller gesellschaftlichen Entwicklungen, trotz zunehmender Liberalisierung haben es Filme über Homosexualität im Kino immer noch schwer. Abseits von einschlägigen Festivals spielen schwule Figuren im Mainstreamkino meist höchstens Nebenrollen und selbst im Arthouse-Bereich hat man bisweilen den Eindruck, dass das Thema wenn überhaupt nur mit allzu viel selbstauferlegter Zurückhaltung behandelt wird. Trotz mancher Schwächen ist das Regiedebüt des Luxemburgers Jean-Claude Schlim eine willkommene Abwechslung. Zwar taucht auch seine Anfang/ Mitte der 80er Jahre spielende Geschichte tief in die schwule Subkultur ab, in der es von grellen Figuren, campigen, überkandidelten Transvestiten und Musicaleinlagen nur so wimmelt, doch „House of Boys“ verkommt nie zur Klischee überfrachteten Parodie. Im Zentrum steht die ergreifende Liebesgeschichte zwischen dem jungen Frank und dessen erster großen Liebe Jack.

In seiner luxemburgischen Heimat fühlt sich der 17jährige Frank auf Grund seiner sich gerade eingestandenen Homosexualität zunehmend den Attacken seiner Mitschüler und auch seiner Eltern ausgesetzt. Kurz entschlossen nimmt er Reißaus und landet im weltoffenen, liberalen Amsterdam, wo er schnell im titelgebenden House of Boys landet, das von „Madame“ geleitet wird, gespielt von Udo Kier in einer kleinen Gastrolle. In diesem Establishment vergnügt sich die schwule Szene Amsterdams, hübsche, junge Männer tanzen zu Disco-Klängen und verbreiten mit melancholischen Karaoke-Nummern die passende Atmosphäre. Denn zu diesem Zeitpunkt beginnt eine Krankheit die Szene zu beherrschen, die anfangs noch als „Schwuler Krebs“ bezeichnet wird und als Anlass für weitere Diskriminierung benutzt wird: AIDS. Auch Jack, ein bisexueller Mann, in den sich Frank bald verliebt, infiziert sich mit dem Virus und siecht langsam dahin.

Oft wurde der qualvolle Tod als Folge der AIDS-Infizierung noch nicht auf der Leinwand gezeigt und fast nie so drastisch und gleichzeitig ergreifend wie hier. Von einer verkitschten Hollywood-Darstellung a la „Philadelphia“ ist das sehr weit entfernt, was man auch von den sehr graphischen Sexszenen sagen kann. Doch bei aller Offenheit, bei aller ungeschminkten Darstellung des schwulen Lebens in all seinen Facetten schafft es „House of Boys“ mehr zu sein als „nur“ ein Film über die Schwulenszene. Denn in erster Linie ist es ein Film über das Coming-of-age eines jungen Mannes, eine Geschichte über Freundschaft, Emotionen und die erste große, in diesem Fall besonders tragisch verlaufende erste große Liebe. Ein sehenswerter, melancholisch-schöner Film, dem man mehr als ein Nischenpublikum wünschen würde.

Michael Meyns

Frank hat starke homoerotische Neigungen, was seinem Vater gar nicht passt. Also reißt er von zuhause aus und landet in einer Art Varieté, wo Männer sich ein Stelldichein geben, dem „House of Boys“. Geleitet wird das Haus von einem Mann, der sich „Mama“ nennen lässt.

Frank trifft dort auf die verschiedensten Typen, einer schräger und homosexueller als der andere. Einer von ihnen, Jake, ist zwar heterosexuell, steht aber der „Mama“ zu Diensten, um Geld zusammenzusparen, denn er will mit seiner Freundin abhauen.

Die Truppe führt dem rein männlichen Publikum allabendlich erotische Tänze vor – die übrigens einen großen Teil des Films ausmachen.

Die Freundin Jakes verlässt diesen nach einer Abtreibung. Und dann geschieht es, dass Frank und Jake Freunde werden, sich verlieben.

Da wird Jake krank. Es sind die 80er Jahre. Aids ist ausgebrochen. Jake ist betroffen.

Der Film, in seinen beiden ersten Kapiteln dahinplätschernd und schlüpfrig, wird todernst. Medikamente gegen den Virus sind noch nicht entwickelt, bei Jake wird die Krankheit mit allen üblen Symptomen voll sichtbar. Er geht daran elend zugrunde.

Immerhin kann der Film bei einigem Negativen, das er auch aufweist, in seinem letzten Teil vielleicht dazu beitragen, dass der Leichtsinn, der bei manchen gegenüber der tödlichen Krankheit noch herrscht, aufgegeben wird.

Das ist umso notwendiger und dringender, als der Nachspann sachlich berichtet, wie viele Millionen Menschen mit Aids infiziert sind und wie viele Tausende, ja Hunderttausende jährlich daran sterben.

Vielleicht ist dieses Anliegen im besten Falle sogar der Grund dafür, warum „House of Boys“ überhaupt gedreht wurde.

Thomas Engel