Housebound

Erst vor wenigen Monaten begeisterte die neuseeländische Horrorkomödie „5 Zimmer, Küche Sarg“ mit ihrer ungewöhnlichen Mischung aus Satire, Komik und Grusel. In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt Gerard Johnstones „Housebound“, der klassische Elemente des Horrorkinos mit selbstreflexiver Komik verbindet.

Webseite: www.dropoutcinema.org

Neuseeland 2014
Regie, Buch: Gerard Johnstone
Darsteller: Morgana O’Reilly, Rima Te Wiata, Glen-Paul Waru, Ross Harper, Cameron Rhodes, Ryan Lampp
Länge: 107 Minuten
Verleih: Drop-Out-Cinema
Kinostart: 12. Februar 2015
 

FILMKRITIK:

Mit Drogen und kleinen Gaunereien verbringt Kylie Bucknell (Morgana O’Reilly) ihre Zeit, bis das Unweigerliche geschieht: sie wird verhaftet. Als Strafe erhält sie nicht etwa Gefängnis, sondern etwas viel Schlimmeres: Hausarrest bei ihrer ebenso konservativen wie redseligen Mutter Miriam (Rima Te Wiata). Mit einer elektronischen Fußfessel ans Haus gefesselt, plant Kylie, ihre Strafe vor dem Fernseher abzusitzen, doch ihre Mutter macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Denn die ältere Dame ist überzeugt davon, dass es in ihrem schon etwas baufälligen Haus spukt.

Zunächst nimmt Kylie ihre Mutter nicht ernst, doch bald hört auch sie merkwürdige Geräusche, sieht Schatten vorbeihuschen, spürt die Präsenz von etwas Unbekanntem. Doch als verurteilter Straftäterin, die zudem gern den Drogen zuspricht, glaubt ihr niemand – außer dem Sicherheitsmann Amos (Glen Paul Amos), der sich als Hobby-Geisterjäger entpuppt und wie selbstverständlich von der Existenz des Übernatürlichen überzeugt ist. Bald findet das Duo heraus, dass in dem Heim einst eine psychiatrische Anstalt untergebracht war und eine junge Insassin ermordet wurde.

Das Bemerkenswerte an „Housebound“ ist weniger die Geschichte an sich, als die Souveränität, mit der Gerard Johnstone scheinbar disparate Elemente zu einem flüssigen Ganzen zusammenbringt. Sowohl klassische Gruselmomente, in denen aus dunklen Ecken Gestalten springen, als auch die komischen Momente zwischen den Figuren inszeniert er mit sicherer Hand. Unterstützt wird er dabei von einem überzeugenden Darstellerensemble, allen voran Hauptdarstellerin Morgana O’Reilly. Anfangs noch verzogene, egozentrische Person, die sich von der ganzen Welt schlecht behandelt fühlt, entwickelt sie im Lauf der Geschichte ein zunehmend inniges Verhältnis zu ihrer Mutter, von der sie lange entfremdet war.

Größte Qualität des Films ist jedoch die gelungene Mischung aus Grusel und Komik, die „Housebound“ in eine Reihe mit „5 Zimmer, Küche, Sarg“ stellt, einem ganz ähnlich gelagerten Film. Beide bedienen sich des typischen trockenen neuseeländischen Humors, der ideal zum selbstreflexiven Spiel mit Horror-Klischees passt. Anfangs ist Kylie noch sarkastische Besserwisserin, die in der modernen Mediengesellschaft aufgewachsen ist und viele (Horror-) Filme gesehen hat. Wenn es da im Haus zu spuken scheint, denkt sie ebenso wie der wissende Zuschauer an all die Filme, die sich ähnlicher Muster bedient haben. Doch „Housebound“ belässt es nicht einfach bei der ironischen Dekonstruktion von Horror-Klischees, sondern schafft es, diese im weiteren Verlauf der Geschichte ernst zu nehmen und zunehmend von der Komik zum echten Grusel zu wechseln. Eine schwierige Gradwanderung, die Johnstone mit Bravour meistert und „Housebound“ zu einem sehenswerten Film macht.
 
Michael Meyns