Ich – Einfach unverbesserlich 4

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Gru ist wieder da, längst kein Schurke mehr, jetzt einer der Guten, der mit der Anti-Verbrecher-Liga zusammenarbeitet und Schurken dingfest macht. Damit ist das Konzept des ersten Teils aber auch so weit aufgeweicht, dass es im Grunde nichts mehr zu sagen gibt. 14 Jahre nach dem Erstling ist dies ein Sequel, das es nicht gebraucht hätte und das über keine stringente Handlung verfügt, sondern zur Nummernrevue verkommt.

Webseite: https://www.upig.de/micro/ich-einfach-unverbesserlich-4

Despicable Me 4
USA 2024
Regie: Chris Renaud, Patrick Delage
Buch: Ken Daurio, Mike White
Darsteller: Steve Carell, Kristen Wiig, Joey King

Länge: 95 Minuten
Verleih: Universal Pictures
Kinostart: 11. Juli 2024

FILMKRITIK:

Gru hat als ehemaliger Schurke und jetziger Held seinen alten Widersacher aus Schulzeiten, Maxime le Mal, dingfest gemacht. Aber Maxime kann ausbrechen und schwört bitterliche Rache, weswegen Gru mit seiner Familie umgesiedelt wird – inklusive neuem Namen und neuer Jobs. Aber Gru ist eben Gru, und die Nachbarstochter erkennt ihn. Aber sie will ihn nicht verraten, sie will, dass er ihr hilft, ein Ding zu drehen. Derweil sucht Maxime nach Gru, Grus Frau erweist sich als ganz, ganz miese Friseurin, seine Kinder wollen nicht lügen, und aus ein paar Minions werden bei der AVL Mega-Minions mit Superkräften gemacht.

Man merkt schon: Hier gibt es reichlich Stückwerk. Die drei Minions in Grus unmittelbarer Umgebung sind für ein paar Neben-Gags gut, die restliche Minion-Handlung hat mit der Hauptgeschichte gar nichts zu tun. Die Idee von Superhelden-Minions wirkt heute sogar schon ausgelutscht. Ein Passant schreit mal „Wir wollen keine Superhelden mehr“ und scheint damit dem Publikum aus der Seele zu sprechen – schließlich laufen Superheldenfilme seit ein paar Jahren schlecht. Warum also jetzt Minions zu Mega-Minions machen? Weil das Stoff für ein paar Gags hergibt. Die sind mehrheitlich auch nett. Aber wie sagt das Sprichwort so schön? Nett ist die kleine Schwester von Scheiße.

Gut, so schlimm ist das hier nicht, aber wenn ein Highlight des Films eine Parodie auf die Straßenbahnszene aus „Spider-Man 2“ aus dem Jahr 2004 ist, dann frag man sich schon, ob die Autoren die letzten zwei Jahrzehnte verschlafen haben. Wohl auch darum gibt es noch einen Gag, der in Richtung T-1000 aus „Terminator 2“ geht – einem Film aus dem Jahr 1991.

Die Haupthandlung ist fast nebensächlich. Es wundert, dass sich der Schurke überhaupt für seinen Racheplan erwärmen kann. Daneben gibt es nämlich wieder und wieder Szenen, die mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun haben. Würde man den Film auf die angebliche Haupthandlung herunterdampfen, ginge er vielleicht noch eine halbe Stunde.

Es lässt sich nicht anders sagen: Nach drei Teilen und einem Minions-Spin-off ist die Luft einfach raus. Was einst so herrlich Konventionen auf den Kopf gestellt hat, ist jetzt ein fahles Abbild der einstigen Größe. Schlimmer noch: Die Art Film, die der erste Teil niemals sein wollte.

 

Peter Osteried