Ich war noch niemals in New York

Heutzutage führt der Weg zumeist vom Kino auf die Bühne. Zahlreiche Musicals am Broadway und im Londoner West End, aber auch in Deutschland basieren auf bereits existenten Stoffen. Eine andere Spielart ist, das musikalische Werk eines Künstlers zu nehmen und drum herum eine Geschichte zu entwickeln. „Mamma Mia“ wurde mit den Abba-Songs ein weltweiter Erfolg und „Ich war noch niemals in New York“ mit Songs von Udo Jürgens erwies sich in deutschsprachigen Landen auch als großer Publikumsmagnet. Nun gibt es die Verfilmung des beschwingten Musicals, die für gute Laune sorgt, aber auch ziemlich „quietschfidel und turbulent“ ist und zeigt, dass die gesanglichen Qualitäten der Schauspieler ziemlich dünn sind.

Webseite: www.upig.de

Deutschland 2019
Regie: Philipp Stölzl
Buch: Jan Berger, Alexander Dydyna
Darsteller: Heike Makatsch, Uwe Ochsenknecht, Moritz Bleibtreu, Katharina Thalbach, Michael Ostrowski
Länge: 122 Minuten
Verleih: Universal
Kinostart: 24. Oktober 2019

FILMKRITIK:

Lisa Wartberg (Heike Makatsch) ist eine erfolgreiche Fernsehmoderatorin, ihrer Show geht aber die Puste aus. Bevor sie sich darum jedoch kümmern kann, erleidet ihre Mutter Maria (Katharina Thalbach) einen Unfall und Gedächtnisverlust. Das einzige, was sie noch weiß: Sie will nach New York. Deswegen schleicht sie sich als blinde Passagierin auf ein Kreuzfahrtschiff, das nach New York fährt. Lisa und ihr Freund und Helfer Fred (Michael Ostrowski) folgen ihr aufs Schiff, bevor sie die verwirrte Dame jedoch von Bord bringen können, legt es ab. Die Drei gelten nun als blinde Passagiere und müssen ihre Überfahrt abarbeiten. Ärgerlich, besonders für Lisa, aber allen drei stehen fünf erstaunliche Tage bevor, die darüber entscheiden, ob ihr Leben so weitergehen soll, wie es ist, oder ob sie nicht der Liebe eine Chance geben wollen.
 
Es ist eine beschwingte Geschichte, die hier erzählt wird. Eine, die knallbunt und märchenhaft ist, die in einer unwirklichen Welt der 1950er, gepaart mit den modernen Mitteln der Gegenwart existiert. Das hat etwas Magisches, etwas Befremdliches, aber auch etwas sehr Einlullendes, weil die von reichlich Gefühlsduselei getriebene Geschichte natürlich – wie die meisten Musicals – direkt auf die Gefühlswelt des Zuschauers zielt. Ist ein Musical gut gemacht, dann spürt man das. Das kann erhebend sein, manchmal auch inspirierend, bisweilen auch nur hochgradig unterhaltsam. Letzteres ist „Ich war noch niemals in New York“ auf jeden Fall.
 
Die Übertragung der Geschichte von der Bühne auf die Leinwand gelingt mit einer immensen Leichtigkeit, ohne dass die Herkunft negiert wird. Bisweilen hat man das Gefühl, einem Bühnenspektakel zuzusehen, nur dass die Schauspieler deutlich namhafter sind. Offenkundig wollte man bei der Adaption des Stücks nichts dem Zufall überlassen und die Zuschauer mit einem namhaften Ensemble locken. Allerdings geht das zu Kosten des Gesangs, denn wenn man auch wenig Negatives über das Spiel von Mimen wie Heike Makatsch, Moritz Bleibtreu und Uwe Ochsenknecht sagen kann, so gilt das doch nicht für ihre gesangliche Performance. Die Stimmen sind dünn, die Töne werden nicht immer getroffen oder gehalten, aber zumindest der Enthusiasmus ist da. Und dennoch muss die Frage erlaubt sein: Hätte man nicht eher nach Gesangstalent denn nach bekanntem Namen besetzen sollen? Gerade aus dem Pool derer, die auf der Bühne in diesem Stück zu sehen waren, hätte man doch einige hervorragender Schauspieler und Sänger rekrutieren können.
 
Der Einzige, der wirklich auch als Sänger eine beeindruckende Leistung abliefert, ist Pasquale Aleardi als Bordzauberer Costa. Das übrige Ensemble müht sich, bisweilen hat das dann aber doch den Charme einer eher dörflichen Inszenierung. Dass der Unterhaltungswert dennoch nicht verloren geht, liegt einerseits an der amüsanten Geschichte, andererseits aber auch an den ins Ohr gehenden Jürgens-Liedern, die mal ganz und gar im Original, mal mit den bekannten Melodien, aber neuen Texten dargeboten werden. Und selbst, wenn die Stimmen ein bisschen dünner sind, sind die Songs dennoch gut.
 
„Ich war noch niemals in New York“ ist eine quietschfidele, herrlich bunte Adaption des Bühnenstücks, die für reichlich gute Laune sorgt.
 
Peter Osteried