Im Rausch der Sterne

Dass Köche in den letzten Jahren zu erstaunlichem Ruhm gekommen sind, zeigt sich im fast täglichen Nachmittagsprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender. Auch wenn wahrlich kein Mangel an Kochsendungen besteht, lohnt sich der Besuch des Kochfilms „Im Rausch der Sterne“ von "John Wells ("Im August in Osage County"), der zwar in ausgetretenen Wegen erzählt, dass aber auf schwungvolle Weise.

Webseite: www.wildbunch-germany.de

OT: Burnt
USA 2015
Regie: John Wells
Buch: Steven Knight
Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller, Omar Sy, Daniel Brühl, Matthew Rhys, Uma Thurman, Emma Thompson
Länge: 103 Minuten
Verleih: Wild Bunch
Kinostart: 3. Dezember 2015
 

FILMKRITIK:

Eine Millionen Austern hat Adam Jones (Bradley Cooper) als selbst auferlegte Sühne geöffnet, nachdem ihn seine Süchte (Drogen, Alkohol, Frauen) seine Karriere und fast sein Leben gekostet haben. In Paris war der Starkoch auf dem Weg der Größte zu werden, zwei Michelin-Sterne hatte er schon, doch dann stand ihm sein Ego im Weg. Mit seiner Lederjacke, dem Dreitagebart und seiner unnahbar arroganten Manier sieht Adam nicht nur aus wie ein Rockstar, als solcher sehen ihn sowohl Kollegen als auch Feinde. Gerade von letzteren hat er einige, kein Wunder, führt sich Adam in der Küche doch auf wie ein Berserker, wirft mit Pfannen und Tellern um sich, wenn ein Gericht nicht exakt seinen Vorstellungen entspricht. Doch genau diese Manie hat ihn auch zu einem herausragenden Koch gemacht, der nun ein großes Ziel hat: einen dritten Stern zu erhalten.
 
Zu diesem Zweck nötigt er seinen alten Freund Tony (Daniel Brühl), ihm sein Restaurant in einem Londoner Luxushotel zu überlassen. In Imbissen, anderen Restaurants oder auch mal im Gefängnis rekrutiert Adam seine Mitstreiter: den jungen David (Sam Keely), der Adam wie einen Küchen-Gott verehrt, die Saucen-Expertin Helene (Sienna Miller), die gleichermaßen abgestoßen und angezogen von Adams Talent und seiner Arroganz ist, seinen alten Kollegen Michel (Omar Sy), der noch eine Rechnung mit Adam offen hat und manche anderen. Mit ihrer Hilfe will Adam den Erfolg, doch bevor es soweit ist muss er lernen, dass seine Mitstreiter mehr sind als nur seine Gehilfen.
 
In gewisser Weise funktionieren Kochfilme ähnlich wie Sportfilme: Stets geht es um Niederlagen und Erfolge und fast immer muss der Held Demut lernen, um am Ende den Sieg davonzutragen, der in diesem Fall der dritte Stern ist. Lange Zeit tut sich Jeff Wells („Im August in Osage County“) schwer damit, seinen Film aus den Zwängen dieser bekannten Muster zu befreien. Manches wirkt wie abgehakt, die Konflikte bisweilen bemüht, die exzessiven Wutausbrüche Adam Jones wie aufgesetzt.
 
Sehenswert macht „Im Rausch der Sterne“ vor allem die Besetzung, die bis in winzige Rollen mit bekannten Darstellern gefüllt ist, die im Fall von Uma Thurman, die gerade einmal zwei Szenen hat, bevor sie aus dem Film verschwindet, geradezu verschwendet wirkt. Im Mittelpunkt steht jedoch stets Bradley Cooper, dessen Figur dem Starkoch Anthony Bourdain nachempfunden zu sein scheint, der sich lange Zeit als exzessiv lebender Selbstdarsteller inszenierte. Im Gegensatz zu Bourdain soll Coopers Jones aber ein ausgezeichneter Koch sein, was sich in einem Film zwangsläufig nur behaupten lässt: Doch immer wieder gleitet die Kamera so verführerisch über die Teller, zeigt elegant zubereitete Speisen, dass das Wasser im Munde zusammenläuft und man gerne glaubt, hier einem außergewöhnlichen Koch bei der Arbeit zuzusehen, der zwar eine gelinde gesagt schwierige Person ist, aber im Laufe der unterhaltsamen 100 Minuten nicht nur ein besserer Koch, sondern auch ein besserer Mensch wird.
 
Michael Meyns