InnSaei – Die Kraft der Intuition

Auf filmische Selbstfindung begibt sich die Isländerin Hrund Gunnsteinsdottir, die erfolgreiche Mitarbeiterin globaler Institutionen war, dann einen Burn-Out erlitt und sich zusammen mit ihrer Co-Regisseurin Kristin Ólafsdóttir auf die Suche nach Ursachen machte. Das Ergebnis ist „InnSaei – Die Kraft der Intuition“, ein Film, der sich zwischen objektiver Dokumentation und esoterisch angehauchtem New Age-Seminar bewegt.

Webseite: http://mindjazz-pictures.de

Island/ Großbritannien 2015 – Dokumentation
Regie & Buch: Hrund Gunnsteinsdottir & Kristin Ólafsdóttir
Länge: 78 Minuten
Verleih: mindjazz Pictures
Kinostart: 30. Juni 2016
 

FILMKRITIK:

Lange Jahre lief das Leben der in Island geborenen Hrund Gunnsteinsdottir ganz nach Plan ab, genauer gesagt dem Plan, der das Muster westlicher Gesellschaften ist: Sie studierte, arbeitete viel, bekam einen prestigeträchtigen Job bei der UN in Brüssel. Alles lief nach Plan, doch statt sich glücklich zu fühlen empfand Gunnsteinsdottir nur Leere. Sie änderte radikal ihr Leben, schrieb Theaterstücke und begann sich mit der Frage zu beschäftigten, wie die moderne Welt, die Omnipräsenz von technischen Gerätschaften, die menschliche Nähe durch Distanz ersetzen, unser Wesen verändern.

Die Verbindung zur Natur haben wir verloren, heißt es in „InnSaei – Die Kraft der Intuition“ immer wieder, was sich ein wenig esoterisch anhört. Doch das liegt in der Natur der Sache, geht es hier doch um ein so schwer zu fassendes Konzept wie Intuition, um ein Gefühl für die Umwelt, andere Menschen, die uns umgebende Welt, eine Sphäre oder wie immer man etwas beschrieben mag, das eigentlich nicht in Worten beschrieben werden kann.

Das Konzept der Intuition zu beschreiben, ist der Ansatz von Gunnsteinsdottir und ihrer Co-Regisseurin Kristin Ólafsdóttir. Zu diesem Zweck führen die Filmemacherinnen Gespräche mit Wissenschaftlern, Forschern und Künstlern, die mal präziser, mal blumiger Auskunft geben. Der Neurologe Marti Spiegelmann kommt ebenso zu Wort, wie der aus Burkina Faso stammende Malidoma Patrice Somé, der das Thema des Films auf den Punkt bringt: Die westliche Welt habe das Bewusstsein für die Intuition verloren, beschäftigt sich nur noch mit dem Äußeren, mit Dingen, mit Produkten, hat dadurch aber das Gefühl für das Innere verloren.

Fähigkeiten wie die Navigation durch von Generation zu Generation überliefertem Wissen ist durch ein Tool wie Google Maps ersetzt worden, dass natürlich prima funktioniert – bis man mal kein Netz hat und orientierungslos herumirrt. Durchaus prägnant sind solche Beispiele, oft aber fällt es Gunnsteinsdottir und Ólafsdóttir schwer, ihr so undefinierbares Thema in Worte und Bilder zu fassen.

Am überzeugendsten sind da Szenen mit der serbischen Performance-Künstlerin Marina Abramovic, die vor einigen Jahren im New Yorker Museum of Modern Art einen Auftritt ganz besonderer Art hatte: Tagelang saß sie wechselnden Personen gegenüber, denen sie in die Augen sah und quasi an ihrer Aura teilhaben ließ. Zu erstaunlichen Reaktionen führte dies, zu emotionalen Ausbrüchen, die kaum zu erklären sind. Per moderner Technik lässt sich zwar feststellen, dass bestimmte Teile von Abramovics Gehirn außergewöhnlich aktiv sind. Doch was sagt das aus? Es gibt Intuition, eine nicht genau zu definierende Qualität, die auch mal Bauchgefühl genannt wird. Bisweilen darauf zu hören und sich nicht nur auf den Kopf zu verlassen, dass kann man am Ende aus „InnSaei – Die Kraft der Intuition“ mitnehmen.
 
Michael Meyns