Irre sind männlich

Von der großen Liebe sitzen gelassen, sucht Daniel (Fahri Yardim) in der Gruppentherapie keine Heilung, sondern sexuelle Abenteuer. Aber löst er damit seine Bindungsprobleme? „Irre sind männlich“ ist eine gradlinige, kurzweilige Komödie über Sex und Therapie, der es etwas an Substanz, keineswegs aber an Gags, mangelt.

Webseite: www.irresindmännlich.de

Deutschland/2014
Regie: Anno Saul
Drehbuch: Philip Voges, Ilja Haller
Darsteller: Fahri Yardim, Milan Peschel, Marie Bäumer, Peri Baumeister, Josefine Preuß
Länge: 93 Minuten
Verleih: Constantin
Kinostart: 24. April 2014

FILMKRITIK:

Heutzutage ist es wahrlich kein Kuriosum mehr, sich einer Psychotherapie zu unterziehen. Die Scham, die mit dieser Art des Seelenstrips trotz allem noch verbunden ist, nutzen Regisseur Anno Saul und die Autoren Philip Voges und Ilja Haller geschickt für ihre romantische Komödie „Irre sind männlich“, in der sich das Publikum in erster Linie über die Idiotie der Familienaufstellung amüsieren soll.
 
Aber nicht nur der Zuschauer, auch die Helden der Geschichte – Daniel (Fahri Yardim) und Thomas (Milan Peschel) – nehmen das Ganze nicht wirklich ernst und nutzen die primär weiblich frequentierten Wochenendseminare als Paarungsbühne. In immer neue Rollen schlüpfend, wickeln die beiden Freunde bei jedem Workshop eine andere Frau um den Finger. Selbstredend kann das nicht lange gut gehen: Thomas wird von einem seiner Opfer (Marie Bäumer) ertappt und Daniel droht sein Herz an die Schauspielerin Bernadette (Peri Baumeister) zu verlieren.
 
Der Humor dieses Konzepts generiert sich ausnahmslos aus der Scham des Zuschauers hinsichtlich der Themen Therapie und Sexualität. Alles an „Irre sind männlich“ ist Komödie, auch die zwischenmenschlichen Beziehungen sind überzogen und komödiantisch verzerrt. Mit dieser Inszenierung schießt Anno Saul über das Ziel hinaus: Seine Charaktere werden zu Witzfiguren, die vermeintliche Romantik zu einer Lachnummer. Für echte Gefühle bleibt hier wenig Raum, auch wenn der Film erfreulicher Weise auf Kalauer und platten Fäkalhumor gänzlich verzichtet.
 
Dass die Ereignisse auf der Leinwand nicht so recht überzeugen wollen, mag auch an der Besetzung liegen. Milan Peschel als Frauenheld zu inszenieren, ist ein durchaus mutiges Unterfangen, das den Machern hier leider nicht zur vollen Zufriedenheit gelungen ist. Insbesondere wenn Thomas seine knapp 18 jährige Praktikantin verführt, verliert die Figur ihre Glaubwürdigkeit. Fahri Yardim wiederum spielt sich als sympathischer Klammeraffe mit Leichtigkeit in die Herzen der Zuschauer, wenn auch seine Figur hart an der Grenze zwischen sensiblem Romantiker und nervtötendem Stalker rangiert.
 
„Irre sind männlich“ vollzieht eine spannende Rollenumkehrung und zeigt den männlichen Part (Yardim) als kontrollsüchtig, die dazugehörige Partnerin (Josefine Preuß) als unabhängig. Dieses kleine Spiel mit Geschlechterklischees kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich „Irre sind männlich“ nahtlos in die Reihe jener Buddy-Komödien einreiht, die Männer als Jäger und Frauen als Beute inszenieren.
 
„Irre sind männlich“ lässt an dem Konzept der Familienaufstellung kein gutes Haar und fordert den Zuschauer immer wieder dazu auf, die Therapiemethode herzlich zu verlachen. Echte Therapiepatienten könnten sich durch den einen oder anderen Gag durchaus angegriffen fühlen. Zudem ist es schade, dass dieser Weg der Selbsterkenntnis für die Entwicklung der Hauptfiguren kaum genutzt wird. Therapien, so die Moral der Geschichte, sind letzten Endes doch etwas für Frauen. Männer lösen Probleme auf ihre Art.
 
Sophie Charlotte Rieger