Jakobs Bruder

Als die Mutter an Alzheimer erkrankt, macht sich der jüngere Sohn auf den Weg zum Bruder. Die gemeinsame Rückfahrt wird zur Reise in die Vergangenheit und zur Bewältigung alter Konflikte. Das Filmdebüt von Daniel Walta ist eine kurzweilige Mischung aus Roadmovie und Familiendrama, der es insgesamt an Originalität mangelt.

Webseite: www.jakobsbruder.de

Deutschland 2007
Regie: Daniel Walta
Darsteller: Klaus J. Behrendt, Christoph Maria Herbst, Sophie Rogall, Hannelore Elsner, Julia Maria Köhler, Wolfgang Packhäuser, Vassily Kazakos, Luka David Knezevic, Ole Ohlson
Laufzeit: 95 Minuten
Verleih: alpha Medienkontor
Kinostart: 04.06.2009

PRESSESTIMMEN:

AUSZEICHNUNGEN

Lüdia 2007 – 18. Kinofest Lünen, Festival für deutsche Filme

FILMKRITIK:

Schon als Kinder waren Jakob und Lorenz so unterschiedlich, wie Brüder nur sein können. Heute trennen sie viele Kilometer und auch so manche Jahre, in denen sie nichts mehr miteinander zu tun hatten. Ein Grund dafür ist das gestörte Verhältnis zur Mutter, das nicht zuletzt dafür sorgte, dass es Jakob als den älteren Spross in die Ferne zog. Eben dort betrieb er fortan ein Fischrestaurant und scherte sich nicht weiter um familiäre Probleme. Das diese sich jedoch nicht von alleine verflüchtigen und bestenfalls erfolgreich verdrängt werden können, sollte sich sehr bald herausstellen. Denn wie sein jüngerer Bruder Lorenz erfuhr, ist die bisweilen ungeliebte Mutter an Alzheimer erkrankt. Grund genug, dass der sich mit seinem Oldtimer auf den Weg macht, um Jakob einen Besuch abzustatten. Mehr noch. Es gilt, sich nun gemeinsam der Zukunft zu stellen und sich der Verantwortung bewusst zu werden.

 

Bei Bruder Jakob angekommen, wird Lorenz nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Dennoch gelingt es ihm, den Bruder davon zu überzeugen, dass der ihn auf seiner Rückreise begleitet. Was folgt, ist eine Fahrt voller ungeahnter Hindernisse und eine Reise in die eigene Vergangenheit. Dabei sind die verdrängten Probleme und das damit verbundene Konfliktpotential, ein dauerhafter Begleiter. Selbst als sie die minderjährige Tramperin Lara auflesen, gelingt es den Streithähnen nicht, sich von ihrem alten Rollenverhalten zu lösen. Allzu viel will aufgearbeitet werden und die Tatsache, dass der fahrbare Untersatz mehrfach streikt, scheint ihnen hierfür mehr Zeit und Raum zu geben, als ihnen lieb ist. So wird der Weg zum Ziel und eine gemeinsame Reise wird zur längst überfälligen Aufarbeitung ihrer Kindheitstraumas.

In seinem Spielfilmdebüt versteht es Regisseur Daniel Walta die Beziehungsgeschichte zwischen zwei Brüdern in Form eines kurzweiligen Roadmovies unterhaltsam zu verpacken. Dabei ist die Rückreise zur Mutter im wahrsten Sinne nur das Vehikel der eigentlichen Geschichte. Je näher die Beiden ihrem Ziel kommen, desto mehr nähern sie sich auch einander. Um diese Story in die Länge eines Kinofilms zu ziehen, mussten die Reisenden mit einem Auto fahren, das wenigstens einmal zu häufig auf der Strecke bleibt. Dadurch werden dem Erzählfluss Zwangspausen verordnet, die diesen zwar nicht weiter stören, aber auch nicht gerade durch Originalität glänzen. Auch machen insbesondere die Rückblicke, in denen die problembehaftete Kindheit der Brüder beleuchtet wird, deutlich, dass es dem Film insgesamt an fantasievollen Einfällen mangelt. Stattdessen hat man sich teilweise verschiedener Stereotypen bedient, die nur durch die überzeugenden Protagonisten kaschiert werden konnten. Dabei kauft man den Hauptdarstellern Klaus J. Behrendt („Tatort“) und Christoph Maria Herbst („Stromberg“) vielleicht nicht unbedingt das Bruderpaar ab, doch ist gerade dies storybedingt sehr passend. Überdies stimmt die Chemie zwischen den einzelnen Figuren und man verfolgt gespannt, welche Wendungen der Verlauf der Geschichte nimmt.

Gary Rohweder