Jane´s Journey- Die Lebensreise der Jane Goodall

Eindrucksvoll setzt Regisseur Lorenz Knauer mit seinem Dokumentarfilm „Jane´s Journey – Die Lebensreise der Jane Goodall“, der preisgekrönten Grand Dame des globalen Artenschutz ein filmisches Denkmal. Die faszinierende Geschichte der weltbekannten Primatenforscherin, einer der außergewöhnlichsten Frauen unserer Zeit, führt über mehrere Kontinente von den südenglischen Stränden bei Bournemouth über Nebraska zu den afrikanischen Regenwäldern des Gombe Nationalparks in Tansania bis zu den schmelzenden Gletschern Grönlands. Das sehr persönliche Porträt der charismatischen Umweltschützerin und heute 76jährigen UN-Friedensbotschafterin, die bereits mit Mahatma Gandhi verglichen wird, macht Mut zur Hoffnung.

Webseite: www.universumfilm.de

Deutschland 2010
Regie: Lorenz Knauer
Kamera: Richard Ladkani
Schnitt: Corine Dietz
Länge: 105 Minuten
Verleih: Universum Film/Filmagentinnen
Kinostart: 2.9.2009

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

„Manchmal verwechseln mich die Leute mit Diane Fossey“, schmunzelt die Granddame des Artenschutzes im schlichten Rollkragenpullover gleich in der Eröffnungssequenz des Films. Ihre Fans loben sie dann für den Hollywoodstreifen „Gorillas im Nebel“ in dem Sigourney Weaver die Zoologin Fossey verkörpert, erzählt die inzwischen 76jährige sichtlich amüsiert in die Kamera. Ihre Reaktion: „Haben Sie den Film gesehen?“, fragt die weltbekannte Wissenschaftlerin daraufhin meist ihr Gegenüber. „Und? Haben Sie bemerkt,“ so die engagierte Umweltschützerin, „dass die Hauptdarstellerin stirbt?“ Allein dieser humorvolle Einstieg macht die Ikone sympathisch.

Schließlich war Jane Goodall die erste Forscherin, die Schimpansen im Urwald beobachtete. Die junge britische Autodidaktin revolutionierte die Forschung über Primaten. Es war im Jahr 1960, als die damals 23jährige in Begleitung ihrer Mutter Vanne, am Ufer des Tanganjikasees im Nordwesten Tansanias aus dem Boot steigt, um dort ihre Forschung zu beginnen. Von dem Tag an stößt die junge Frau, mit dem blonden Pferdeschwanz, die in Kaki-Shorts durch den Dschungel streift, eine sicher geglaubte Lehrmeinung nach der anderen um.

Heute ist die mehrfache Großmutter immer noch schlank und zierlich, hat den gleichen liebevoll gelassenen Gesichtsausdruck, nur der Pferdeschwanz ist grau. Sie wurde mit Preisen überhäuft. Laut Umfragen ist sie die bekannteste Wissenschaftlerin der Welt, weitaus bekannter als ihr einstiger Mentor, der Paläontologe Louis Leakey. Er war es, der sie auf eine abenteuerliche Expedition schickte, die mehrere Jahrzehnte dauern sollte. Damals war sie seine Sekretärin.

Eine ihrer wichtigsten Entdeckungen: Affen benutzen nicht nur Werkzeuge, um an Nahrung zu gelangen, sondern sie stellen sogar selbst welche her- eine Fertigkeit, die man bis dahin nur dem Menschen zubilligte. Das wissenschaftliche Vorgehen Goodalls war freilich ungewöhnlich. Anders als andere Forscher bezeichnete sie die von ihr beobachteten Affen nicht mit Nummern, sondern gab ihnen Namen. Das brachte ihr Kritik der etablierten Wissenschaftler ein. Diese behaupteten, dass dadurch die wissenschaftliche Distanz den Schimpansen abhanden käme. So gab es in der von Goodall beobachteten Gruppe einen männlichen Schimpansen mit grauem Kinn, der als erster Zutrauen zu Goodall fasste. Ihm gab sie den Namen David Greybeard.

Goodalls Feldforschungen in Tansania, ihre Annäherung an die Tiere und ihr Kommunizieren mit dem Schimpansen David Greybeard gehören zu den schönsten Episoden der Verhaltensforschung. Eingeblendete bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen zeigen Goddalls erste Kontakte mit den Menschenaffen von damals. Heute lebt von den Schimpansen aus dieser Zeit, denen sie ihren Weltruhm verdankt, keiner mehr. Doch das Gebiet um den Gombe-Bach, ihrem zweitem Zuhause, wurde durch ihre Initiative zum Nationalpark erklärt. Geduldig beobachtet die Kamera, wie sich die Britin, nun fünfzig Jahre später, am Nordostufer des Lake Tanganyika immer noch einfühlsam einer großen Gruppe Schimpansen nähert, Vertrauen aufbaut, ganz wie in alten Zeiten.

Doch nach zwanzig Jahren am Tanganjikasee zieht sich Goodall 1986 aus der Forschung zurück. Zu diesem Zeitpunkt war ihr Sohn bereits erwachsen, sie hatte zwei Ehen hinter sich. Die erste mit dem niederländischen Dokumentarfilmer Hugo van Lawick endete durch Scheidung. Die andere zerstörte der frühe Krebstod ihres zweiten Mannes, Derek Bryceson, Chef der tansanischen Nationalparkbehörde. Freimütig erzählt sie vor der Kamera über ihre Beziehungen, die Eifersucht ihrer Ehemänner, ihre tiefe Depression als ihr zweiter Mann, die Liebe ihres Lebens, stirbt.

Denn Knauers intimes Portrait der unprätentiösen Umweltaktivistin erschöpft sich nicht nur in wunderbaren Tieraufnahmen, um die wichtigste Stationen in ihrem abenteuerlichen Leben nachzuerzählen. Durch ein dichtes Netz von Rückblenden, dramaturgisch eingängig aufeinander aufgebaut, nähert sich der Münchner Regisseur auch der privaten Person, zeigt am Ende seines sehenswerten Films wie sich ihr gespanntes Verhältnis zu ihrem heute 43jährigen Sohn positiv verändert hat.

Dass die Unermüdliche beseelt von ihrem stetigem Engagement mit schier unerschöpflicher Kraft für Natur und Umwelt Erstaunliches leistet, angefangen von ihrem globalen Programm für Kinder und Jugendliche „Roots and Shoots“ bis hin zum erfolgreichen „Tacare“-Projekt, das Mikrokredite an afrikanische Frauen vergibt, vermittelt Knauer mehr als anschaulich. Immer noch ist die leidenschaftliche Hoffnungsträgerin über 300 Tage rund um den Globus unterwegs, nun auch in ihrer Rolle als UN-Friedensbotschafterin. Ihr Credo: Dass wir die Umwelt nicht ohne Frieden schützen können, aber auch nicht friedlich leben können, ohne die Natur zu achten. Diese ganzheitliche Sicht der Dinge liegt ihr besonders am Herzen.

Luitgard Koch

.