Jesus liebt mich

Jesus kehrt auf die Erde zurück, um den bevorstehenden Weltuntergang „vorzubereiten“. Auf dieser Mission begegnet er der von der Liebe enttäuschten Marie, die sich von seiner unmodernen Art magisch angezogen fühlt. So beginnt die neue romantische Komödie von und mit Florian David Fitz. Frei nach dem Romanerfolg von David Safier erzählt der Film mit viel Ironie und Witz von einer etwas anderen Love Story, die sich recht wenig um Genrevorgaben kümmert. Sogar Gott und der Teufel persönlich haben hier ihre Hände im Spiel. Fitz beweist, dass der Erfolg von „Vincent will Meer“ kein Zufall war. Auch „Jesus liebt mich“ besitzt das Zeug zum Publikumsliebling.

Webseite: www.jesusliebtmich-derfilm.de

D 2012
Regie & Drehbuch: Florian David Fitz
Vorlage: David Safier
Kamera: Stefan Unterberger
Musik: Marcel Barsotti
Darsteller: Florian David Fitz, Jessica Schwarz, Henry Hübchen, Hannelore Elsner, Peter Prager, Palina Rojinski, Nicholas Ofczarek, Michael Gwisdek
Kinostart: 20.12.12
Verleih: Warner

PRESSESTIMMEN:

"Jesus liebt mich" von und mit Multitalent Florian David Fitz stellt kluge Fragen über den Sinn der Liebe, die jeder von uns für sich beantworten sollte.
BRIGITTE

FILMKRITIK:

Alles sieht zunächst nach einer ganz normalen romantischen Komödie aus. Da wäre die Hauptperson, Marie (Jessica Schwarz), der kurz vor ihrer Hochzeit plötzlich Zweifel kommen, on denn ihr Gatte-in-spe der Richtige für sie ist. Es kommt zum Rückzieher in buchstäblicher letzter Sekunde, zu einigen haarsträubenden Slapstickeinlagen samt derangierten Brautkleid und schließlich zum großen Kater am Morgen danach. Maries Flucht ist bereits Stadtgespräch, da trifft sie – noch ziemlich fertig mit der Welt und den Männern – einen attraktiven, überaus aufmerksamen und auf den ersten Blick irgendwie anderen jungen Mann (Florian David Fitz). Dieser stellt sich ihr als Jeshua aus Palästina vor. Obwohl sich Marie eigentlich fest vorgenommen hatte, erst einmal keine neue Beziehung einzugehen, spürt sie die Schmetterlinge in ihrem Bauch. Sie ist verliebt. Nur ist dieser einfühlsame und mysteriöse Jeshua wirklich so perfekt, wie es anfangs den Anschein hat?

Perfekt mag er schon sein, dafür trägt er aber auch als Gottes Sohn, der die bevorstehende Apokalypse vorbereiten soll, ein besonderes Schicksal auf seinen schmalen Schultern. Natürlich kommt Marie hinter Jeshuas Geheimnis, was die ohnehin komplizierte Gesamtsituation nur noch komplizierter macht. Ausgedacht hat sich diese hinreißend absurde Mixtur aus Komödie, Romanze und philosophischer Satire der Autor David Safier. Frei nach dessen Romanerfolg inszenierte Florian David Fitz in seiner Dreifachfunktion als Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur die ungewöhnliche Geschichte vor allem für Freunde eines intelligenten Komödienkinos. Dabei beginnt seine Filmversion noch sehr boulevardesk. Sämtliche Figuren werden dem Zuschauer als überdrehte Karikaturen vorgestellt. Da wäre beispielsweise Maries esoterische Hippie-Mutter (Hannelore Elsner), die innerlich in den Siebzigern stehen geblieben ist, oder der recht unorthodoxe Ortspfarrer (Henry Hübchen), der sich recht bald als gefallener Erzengel Gabriel mit einem durchaus ernstzunehmenden Alkoholproblem entpuppt.

Schon Fitz’ Regiedebüt „Vincent will Meer“ wurde von solchen Stereotypen bevölkert – man denke nur an Heino Ferchs cholerischen Möchtegern-Vater. Im Verlauf von „Jesus liebt mich“ ändert sich jedoch allmählich unsere Sicht auf die Figuren. Nach und nach lässt der Film auch leisere (Zwischen-)Töne zu, wobei nicht jede Szene zwingend mehr mit einer Pointe enden muss. Das schafft endlich Raum für Gedanken, die über den beschränkten Inhalt einer Romantic Comedy hinausgehen. Gelegentlich formuliert Fitz hierbei sogar ernstzunehmende philosophische Einwürfe, nur um am Ende in wunderbar abgedrehte Sphären vorzudringen. Schon für diese Volte muss man seinen erfrischend unverkrampften Film einfach lieben. Wie er sich schließlich aus dem starren Korsett seines Genres löst, ist weder für das deutsche noch für das internationale Kino eine Selbstverständlichkeit. Dass manche Ideen schon in anderen Filmen wie Kevin Smiths Religions-Satire „Dogma“ zu sehen waren, fällt da nicht weiter ins Gewicht.

Fitz besitzt weder eine Scheu vor großen Namen – immerhin wagte er sich an die Darstellung von Jesus – noch vor kitschigen oder rührseligen Momenten. Und obwohl sich gewisse Techniken seines Regiestils leicht durchschauen lassen – Montagen werden von ihm nur zu gerne mit gefälligen Pop-Nummern, intime Augenblicke hingegen mit bekannten Liebessongs unterlegt –, funktioniert auch „Jesus liebt mich“ als durchweg unterhaltsame Sinnsuche. Hierzu leistet nicht zuletzt das spielfreudige, sehr prominente Ensemble einen wesentlichen Beitrag. Henry Hübchen und Hannelore Elsner geben sich wie ein unreifes, hormongesteuertes Teenager-Liebespaar und die bislang nur als TV-Moderatorin bekannte Palina Rojinski darf als die junge, osteuropäische Geliebte von Maries Vater jedes nur erdenkliche Klischee genüsslich auskosten. Wie seinerzeit bei „Vincent will Meer“ beweist Fitz ein besonderes Gespür für Timing und die richtige Dosierung von Albernheiten und Gefühl. Da verzeiht man ihm nur zu gerne, dass sein Film nicht ganz so originell ist, wie er vorgibt zu sein.

Marcus Wessel

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