Käpt’n Sharky

Als männliches Pendant zur mädchenaffinen Kinderserie „Prinzessin Lillifee“ entstand Mitte der Nullerjahre die Buchreihe „Käpt’n Sharky“. Die Hauptrolle darin spielt ein kleiner Pirat, der gemeinsam mit seinen Freunden Michi, einer Ratte, dem Affen Fips und einem Papagei aufregende Abenteuer besteht, die nun erstmals ins Kino kommen.

Webseite: www.sharky-film.de

Deutschland 2018
Regie: Jan Stoltz, Hubert Weiland
Sprecher: Axel Prahl, Anton Petzold, Jule Hermann
Länge: 73 Minuten
Verleih: Universum Film
Kinostart: 30. August 2018

FILMKRITIK:

Piratenkapitän Sharky (Anton Petzold) hält sich selbst für den gefährlichsten Seeräuber der Welt. Um eine weitere seiner abenteuerlichen Reisen anzutreten, heuert er eines Tages auf einer kleinen Insel an, um gemeinsam mit seinen Kumpanen Coco, dem Papagei, dem Affen Fips und PiRatte Proviant zu stehlen. Dabei trifft er auf den Jungen Michi, der durch ein Missverständnis für den Dieb gehalten wird. Er kann sich gerade noch auf Sharkys Schiff retten, wo sich auch das Mädchen Bonnie (Jule Hermann) versteckt hat. Sie hofft, so ihrem strengen Vater entkommen zu können, der seine Tochter auf ein Internat schicken möchte. Widerwillig nimmt Sharky seine beiden Passagiere mit auf seine geheime Insel, von wo aus die drei am nächsten Tag in See stechen wollen. Doch nicht nur eine fiese Piratenbande hat es auf sie abgesehen, sondern auch noch eine ganze Menge anderer Leute, die mit Sharky noch eine Rechnung offen haben…

Schon die Laufzeit von gerade einmal 73 Minuten verrät, dass sich „Käpt’n Sharky“ – wie schon die Vorlage – an ein Publikum im „Feuerwehrmann Sam“-, oder „Bob, der Baumeister“-Alter richtet. Auch diese beiden Reihen wurden in den vergangenen Jahren mehrmals auf die große Leinwand gebracht, wo sie (auch in Ermangelung an Konkurrenz) zu Achtungserfolgen wurden. Die beiden Regisseure Jan Stoltz (zeichnete für die Effekte diverser Hollywood-Blockbuster verantwortlich) und Hubert Weiland („Der kleine Drache Kokosnuss“) setzen für den ersten abendfüllenden Spielfilm von „Käpt’n Sharky“ auf dasselbe Erfolgsmodell eines leicht nachzuverfolgenden und dabei durchaus aufregenden Abenteuers, das für die allerkleinsten Zuschauer durchaus einen Tick zu spannend sein dürfte. Immerhin kämpfen hier gen Ende die guten gegen die bösen Piraten, wobei allerlei Stich- und Schusswaffen zum Einsatz kommen, bis ganz zum Schluss sogar ein Schiff mithilfe einer Kanonenkugel im Ozean versenkt wird. Gerade im Hinblick auf die kurze Laufzeit, durch die sich auf der Leinwand keinerlei Leerlauf ergibt und gerade die spannenden Elemente hier Schlag auf Schlag kommt, kann das eine Altersgruppe unter sechs Jahren überfordern – zumindest in der von uns besuchten Pressevorführung gab es im Finale die ein oder andere verängstigte Reaktion zu vernehmen.

Trotzdem geben sich die Verantwortlichen Mühe, die Spannung mit Humor und einem simplen, farbenfrohen Design abzufedern. Neben den tierischen Nebencharakteren Coco, Fips und Ratte erweisen sich vor allem die Massen an winzigen Sidekick-Krebsen als echte Szenendiebe, die immer wieder im Takt mit den Scheren klappern und die Leinwandhelden sogar zu einem mitreißenden Mitsing-Lied animieren. Die Animation ist sehr simpel gehalten, die Hintergründe entbehren jedweder Detailverliebtheit und können auch dadurch nicht mit den großen Studioproduktionen mithalten. Für das, was die Macher mit „Käpt’n Sharky“ abliefern wollen – und das ist nun mal nicht mehr als eine gute Stunde harmloser Kinderbespaßung – reicht es trotzdem allemal, auch wenn der Film optisch besser im Fernsehen aufgehoben wäre.

Keine Kosten und Mühen scheute man indes bei der Verpflichtung der Sprecher. Während die in den Hörspielen deutlich ältere Hauptfigur Sharky in der Hörspieladaption von Axel Prahl (und früher von Dirk Bach) gesprochen wird, schlüpft der „Tatort“-Star hier in die Rolle eines der bösen Piraten. Für den Spielfilm-Sharky konnte man mit Anton Petzold (bekannt aus den „Rico, Oskar“-Filmen) Jemanden verpflichten, der den kleinen Zuschauern bereits aus einem erfolgreichen Kinderfilm-Franchise bekannt ist. Das macht es übrigens besonders amüsant, wenn der kleine Kapitän immer wieder betont, in Wirklichkeit der böseste Pirat der Welt zu sein, in Wirklichkeit aber nur ein kleiner Junge ist. Auch Jule Hermann (spielt die Wendy in den „Wendy“-Filmen) macht als Synchronsprecherin einen äußerst soliden Eindruck und gefällt in der Rolle der Bonnie.

Antje Wessels