Kalte Füße

Durch eine Verwechslung wird der Kleinkriminelle Denis für den Krankenpfleger des Schlaganfall-Patienten Raimund gehalten. Wegen eines Schneesturms muss er diese Rolle eine ganze Weile spielen – auch vor Raimunds hübscher Enkeltochter. Die Komödie „Kalte Füße“ ist so, wie es die überschaubare Handlung bereits andeutet: einfach gestrickt, befreit von komplexen Figuren und leicht verdaulich. Dass der Film dennoch einen Blick wert ist, liegt am unterhaltsamen Gagfeuerwerk, das Regisseur Wolfgang Groos zündet. Ein Faible für klamaukige Späße und zotigen Humor sollte man allerdings mitbringen.

Webseite: www.KalteFüsseFilm.de

Deutschland, Österreich 2018
Regie: Wolfgang Groos
Darsteller: Emilio Sakraya, Sonja Gerhardt, Heiner Lauterbach, Alex Czerwinski, Jasmin Gerat, Aleksandar Jovanovic
Länge: 97 Minuten
Kinostart: 10. Januar 2019
Verleih: Sony Pictures Germany

FILMKRITIK:

Denis (Emilio Sakraya) hat mächtig Probleme. Er steht bei einem Gangsterboss in der Kreide und muss dringend an das benötigte Geld kommen. Er wird daher gezwungen, in die Villa des wohlhabenden Schlaganfall-Patienten Raimund (Heiner Lauterbach) einzubrechen. Als er von Raimunds Enkeltochter Charlotte (Sonja Gerhardt) auf frischer Tat ertappt wird, hat der Dieb Glück im Unglück, denn: Charlotte hält Denis doch glatt für den Pfleger ihres Großvaters. Denis hält das Missverständnis erst einmal aufrecht und spielt bereitwillig den Pfleger. Als jedoch ein Schneesturm hereinbricht und die Drei in Raimunds Villa feststecken, wünscht sich Denis, dass er das Haus schnellstmöglich verlassen hätte. Denn Raimund hat Denis längst durchschaut, kann sich seit dem Schlaganfall jedoch verbal nicht mehr äußern. Ein skurriles Katz- und Maus-Spiel beginnt.

Sakraya und Gerhardt kannten sich bereits durch die Dreharbeiten zum Horrorfilm „Heilstätten“, der zu Beginn des Jahres in den Kinos lief. „Kalte Füße“-Regisseur Wolfgang Groos ist eigentlich auf Kinder- und Jugendfilme spezialisiert. Der Durchbruch gelang ihm 2011 mit Teil drei der „Vorstadtkrokodile“-Reihe. Zuvor hatte er einige Folgen der Serie „Rennschwein Rudi Rüssel“ inszeniert. Gedreht wurde „Kalte Füße“ Anfang 2018 in Bayern und Österreich. Die Weltpremiere fand im November beim 29. Kinofest Lünen statt.

Freunde eines subtilen, leisen Humors und intelligenten Dialogwitzes, sollten um „Kalte Füße“ besser einen weiten Bogen machen. Denn Regisseur Groos geht in seiner Mischung aus Screwball- und Gauner-Komödie doch reichlich grobschlächtig und derb zu Werke. Das beginnt bereits bei der Wortwahl seines Protagonisten, der sich nicht selten abfällig über Raimunds Alter und Behinderung sowie dessen Schäferhund („Nazi-Köter“) äußert. Hinzu kommen einige Szenen, die schlicht albern geraten sind und deshalb regelrecht zum Fremdschämen einladen. In den meisten dieser Sequenzen stehen Raimund und Denis im Mittelpunkt, zum Beispiel wenn sie wieder einmal aufeinander losgehen oder es gegen Ende zu einer bizarren Verfolgungsjagd im Schnee kommt. Groos schreckt zudem nicht davor zurück, hier und da ebenso infantile wie schamlose Gags einzubauen und so ganz bewusst die Grenzen des guten Geschmacks auszureizen (Stichwort: „Eiszapfen“).

Und obwohl das Drehbuch von Christof Ritter keine nennenswerten Überraschungen bietet und Groos sich mit einer klischeeüberfrachteten, kitschigen Liebesgeschichte ebenso wenig einen Gefallen tut, bleibt festzuhalten: Der aus Kassel stammende Filmemacher inszeniert rasant und legt eine Gagdichte an den Tag, die kaum Luft zum Atmen lässt. Klar, ein Großteil dieser Gags funktioniert nicht, viele andere allerdings sind Paradebeispiele herrlich schräger, körperbetonter Slapstick-Einlagen. Und in bester Screwball-Tradition liefern sich Gerhardt und Sakraye zudem ein amüsantes Duell der Geschlechter, inklusive bissiger Wortgefechte.

Schade ist, dass Heiner Lauterbach schauspielerisch darauf beschränkt ist, zu Grummeln und mit den Augen zu zwinkern. Er ist hier eindeutig unterfordert. Immerhin aber stimmt die Chemie zwischen den beiden Jungdarstellern, die ihre Figuren mit unübersehbarer Spielfreude und Hingabe ausfüllen. Der ehemalige Kinderstar Emilio Sakraya konnte seine Fähigkeiten ja bereits in der Serie „4 Blocks“ eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Björn Schneider

Nach Kinderfilmen wie „Die Vampirschwestern“ versucht sich Regisseur Wolfgang Groos mit der deutsch-österreichischen Koproduktion „Kalte Füße“ an einer (romantischen) Verwechslungskomödie für Erwachsene. Das Ergebnis ist ein simpler Unterhaltungsfilm mit eindimensionalen Charakteren, der allenfalls mit seinem Hang zu zotigen Gags unterhält.
 
Der kleinkriminelle Denis (Emilio Sakraya) schuldet dem Gangster Rene (Alex Czerwinski) einen Batzen Geld. Also bricht Denis in Renes Auftrag in die Villa des schwerreichen Unternehmers Raimund (Heiner Lauterbach) ein, der nach einem Schlaganfall sprachunfähig im Rollstuhl sitzt. Mitten im Raubzug kommt Raimunds angereiste Enkelin Charlotte (Sonja Gerhardt) dazu, eine Kommissaranwärterin, die Denis für den neuen Krankenpfleger des Opas hält. Weil draußen ein Schneesturm tobt, muss Denis die Maskerade aufrechterhalten. Der körperlich beeinträchtigte, aber geistig fitte Raimund unternimmt derweil alles, um den Gauner auffliegen zu lassen.
 
Während Heiner Lauterbach („Unter deutschen Betten“) als Schlaganfallpatient mit beeinträchtigtem Sprachzentrum lediglich grunzen, knurren und blinzeln kann, spielen die Newcomer Emilio Sakraya („4 Blocks“) und Sonja Gerhardt („Ku'damm 56“) ihre charakterlich limitierten Parts mit vollem Körpereinsatz. Dass die Geschichte nicht wirklich mitreißt, liegt weniger am soliden Spiel der Darsteller als am tölpelhaften Verhalten aller Beteiligten.
 
Charlotte, die ihren knurrigen Großvater seit zehn Jahren nicht gesehen hat, fällt durch Naivität auf, wenn sie dem angeblichen Krankenpfleger Denis sogar seinen unwahrscheinlichen Decknamen „Degenhard Hard“ abkauft und auch sonst nicht gerade den Spürsinn einer Polizeischülerin an den Tag legt (entsprechend möchte man zustimmen, als sie sich einmal als „schlechteste Polizistin der Welt“ bezeichnet). Denis hingegen erscheint von Anfang an als Kleingangster mit Herz, so dass seine Wandlung vom Einbrecher zur guten Seele im Grunde gar keine Wandlung ist.
 
Der bisher unter anderem für die RTL-Serie „Magda macht das schon!“ im Fernsehbereich tätige Drehbuchautor Christof Ritter ersinnt keinen wendungsreichen Plot, sondern liefert das Erwartbare. So braucht es beispielsweise nur zwei kurze Szenen, damit klar wird, dass Charlottes Freund von der Polizeischule ein selbstverliebter Egoist ist. Wer schon mal einen Film gesehen hat, weiß sofort, dass hier eine Trennung bevorsteht – und dass Denis ein guter Match für Charlotte wäre.
 
Inszenatorisch bedient Wolfgang Groos die übliche Hochglanzoptik des deutschen Mainstreams, was die Komödie von der einfachen Bildsprache bis zum oft unmotivierten Popmusikeinsatz stilistisch austauschbar macht. Spitzen setzt der Regisseur vor allem durch zotige Gags, wenn der gern fluchende Denis beispielsweise aus dem Fenster pinkelt und seine Penisspitze am Fensterbrett festfriert. Wo die meisten deutschen Filmemacher auf eine explizite Bebilderung des unerhörten Vorgangs verzichten würden, zeigt Groos das Malheur in zwei kurzen, aber deftigen Close-ups. Sonst gibt es noch einen scharfen Schäferhund, der immer mal wieder in Aktion tritt, kleinere Rangeleien und ein actionreiches Finale. So erfüllt „Kalte Füße“ immerhin seinen eigenen Anspruch, Kurzweil und Zerstreuung zu bieten.
 
Christian Horn