Karo und der liebe Gott

Ausgerechnet mit der Hilfe eines mürrischen Grantlers, den sie für den Lieben Gott hält, versucht die achtjährige Karo die zerbrochene Ehe ihrer Eltern zu kitten. In ihrem neuesten Kinderfilm verpackt die österreichische Regisseurin Danielle Proskar die Sehnsüchte eines Scheidungskindes in eine leichte Komödie. Geradezu goldig ist Jungdarstellerin Resi Reiner, die im Film um göttlichen Beistand bittet. Beim Kinderfilmfest Augsburg im Herbst 2007 konnte „Karo und der Liebe Gott“ die Kinder- und Erwachsenenjury gleichermaßen begeistern und sich als doppelter Gewinner feiern lassen.

Webseite: http://www.karoundderliebegott-derfilm.de

Österreich 2006
Regie: Danielle Proskar
Drehbuch: Danielle Proskar
Darsteller: Resi Reiner, Petra Morzé, Markus Gertken, Branko Samarovski
Verleih: Alpha Medienkontor
Länge: 95 Min.
Kinostart: 08.05.2008

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Etwa 200.000 Ehen werden in Deutschland Jahr für Jahr geschieden. In rund 50 Prozent aller Fälle sind minderjährige Kinder von der Trennung betroffen. In Österreich ist diese Quote sogar rund fünf Prozent höher. Das Schicksal „Scheidungskind“ nimmt in der europäischen Gesellschaft somit einen immer größeren Raum ein. Das Thema in einen leichten Kinderfilm zu verpacken, erscheint allerdings schwierig. Die österreichische Regisseurin und Drehbuchautorin Danielle Proskar hat sich in „Karo und der Liebe Gott“ trotzdem an dieses Unterfangen gewagt.

 

Nach der Trennung ihrer Eltern versteht die achtjährige Karo (Resi Reiner) die Welt nicht mehr. Sie kann einfach nicht nachvollziehen, warum Vati nicht mehr jeden Abend nach Hause kommt. In ihrer Verzweiflung sucht sie Zuflucht beim Lieben Gott, den sie ausgerechnet in einem mürrischen Nachbarn zu erkennen glaubt. Mit kindlichem Nachdruck bittet sie den Grantler (Branko Samarovski) um himmlischen Beistand. Zunächst wehrt der Nachbar Karos Flehen wirsch ab. Doch dann schafft es das Mädchen tatsächlich, sein erkaltetes Herz zu erwärmen. Gemeinsam versuchen sie daraufhin, die Eltern wieder zusammenzubringen.

Mit erstaunlicher Leichtigkeit und augenzwinkernder Komik greift Danielle Proskar in „Karo und der Liebe Gott“ das Thema Scheidung in einem kindgerechten Rahmen auf. Trotz der traurigen Ausgangslage halten sich die dramatischen Momente bedeckt. Die Trennung der Eltern, die ausgerechnet an Karos Geburtstag in Gang kommt, wird nur kurz angeschnitten. Viel wichtiger ist es Proskar, all die bohrenden Fragen zu stellen, die Karo in ihrer Einsamkeit bewegen. Auf einer Augenhöhe mit der bezaubernden Hauptdarstellerin Resi Reiner nähert sich „Karo und der Liebe Gott“ dem Scheidungsthema an.

Trotzdem wird im Film nichts beschönigt. Denn ganz so einfach lassen sich die Konflikte der Erwachsenen natürlich nicht von einer achtjährigen Schülerin kitten; selbst wenn sie göttlichen Beistand an ihrer Seite wähnt. Daher ist Karos „Gott“ auch kein übersinnlicher Wunscherfüller, sondern vielmehr ein väterlicher Freund, der ihr die Probleme ihrer Eltern auf ziemlich eigenwillige, aber nachvollziehbare Art und Weise erklärt. Der grummelige Nachbar schlüpft in die Rolle, die eigentlich Karos Eltern ausfüllen müssten. Doch die Streithähne sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als sich um ihre Tochter zu kümmern.

Obwohl in „Karo und der Liebe Gott“, dem Titel entsprechend, auch viel gebetet und von göttlicher Allmacht geredet wird, ist Proskars Film bei alldem keine religiöse Komödie. Der Streifen spielt stattdessen geschickt mit dem naiven Kinderglauben, in dem sich Gott als gütiger und weiser Zauberer präsentiert. Dass Karos Nachbar gerade zu Beginn all diese Eigenschaften nicht erfüllt, sondern sich stattdessen als ziemlich mürrischer Grantler erweist, stört das Mädchen wenig. Viel zu stark ist der Wunsch, endlich wieder mit Mami und Papi eine glückliche Familie zu bilden. Da klammert sich Karo gern an jeden noch so kleinen Strohhalm.

Dem Film verleiht der göttliche Ansatz vielmehr einen latent märchenhaften Anstrich, ohne dass er jemals seine Bodenhaftung verliert. Statt dem kleinen Mädchen falsche Hoffnungen zu machen, entwickelt sich die Geschichte für ein junges Publikum nachvollziehbar, einfühlsam und realistisch weiter. Denn am Ende lernt Karo, dass nicht alle Menschen für immer und ewig zueinander passen und dass man sich manchmal trennen muss, um glücklich zu sein.

Oliver Zimmermann