King Ping – Tippen Tappen Tödchen

Wuppertal. Nicht gerade das Zentrum der Republik, doch vielleicht gerade deswegen idealer Schauplatz für einen höchst ungewöhnlichen Film. Finanziert von lokalen Sponsoren und mit Hilfe von Crowdfunding, ist „King Ping – Tippen Tappen Tödchen“ eine wilde, manchmal auch wirre Mischung aus Komödie und Krimi, angereichert mit viel Lokalkolorit, Musik und bizarren Gestalten.

Webseite: www.kingpingderfilm.de

Deutschland 2013
Regie: Claude Giffel
Buch: Dirk Michael Häger
Darsteller: Sierk Radzei, Bela B., Hans-Martin Stier, Godehard Giese, Jana Voosen, Lilay Huser, Uwe Dag Berlin
Länge: 95 Minuten
Verleih: Rex Film Verleih
Kinostart: 31. Oktober 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Clemens Frowein (Sierk Radzei), genannt der King, war mal Polizist und ist nun Pinguinpfleger im Wuppertaler Zoo. Der ist neben der Schwebebahn so ziemlich das berühmteste am Ruhrpottkaff – bis auf die vielen Treppen, die in der hügeligen Stadt kaum zu umgehen sind. Und eine dieser Treppen wird Kings ehemaligem Kollegen Ahaus zum Verhängnis: Mit gebrochenem Genick wird er am Morgen nach einer Sauftour gefunden. Kurz darauf folgt eine zweite und eine dritte Leiche: Alle angeblich eine Treppe hinabgestürzt.

Doch während Kings Nachfolger Elli Ellbroich (Godehard Giese) und Alexander Dudenbrock (Dirk Michael Häger) lieber Däumchen drehen und Kaffee schnorren, glaubt King nicht an Unfälle. Allein macht er sich auf die Suche nach den Tätern und kommt bald einer Verschwörung auf die Spur: Eine merkwürdige Sekte scheint das Bindeglied zwischen den Opfern zu sein, doch wer hätte ein Interesse an deren Tod gehabt? Die Spur führt King in dunkle Wuppertaler Ecken, einen Boxclub, Kneipen, immer gefolgt von einem Lokalreporter (Christoph Maria Herbst). Nur bei seiner Freundin Biggi (Bela B.) scheint King in Sicherheit.

Vor wenigen Jahren wäre ein Film wie „King Ping“ kaum denkbar gewesen, von einem Kinostart ganz zu schweigen. Inzwischen ermöglicht das digitale Kino eine Produktion für wenig Geld: Sponsoren aus Wuppertal, der Heimatstadt von Produzenten und Drehbuchautor, ermöglichten eine Produktion praktisch komplett außerhalb der Förderstrukturen des deutschen Kinos, dazu kamen Crowdfunding Gelder und vor allem viel Eigeninitiative.

Dass man dies dem Endergebnis jederzeit anmerkt, das es eher in anarchischen Umständen entstanden ist, macht gleichermaßen Charme und Schwäche von „King Ping“ aus. Die Freiheit, machen zu können was sie wollen, nutzen die Macher zu durchgedrehten Momenten, zu Stilbrüchen, eingeworfenen Gesangsnummern oder Comicstrip-Sequenzen, zu bizarren Gestalten und lustigen Momenten.

Doch auch ihnen ist klar, dass ein Film nicht aus lose aneinander gereihten Szenen bestehen kann, sondern eine Handlung braucht. Und da offenbaren sich die Schwächen des Unternehmens doch mehr als deutlich: Stimmig ist die Geschichte um die Machenschaften einer Sekte nicht wirklich, von Logik oder Dramatik ganz zu schweigen.

Was „King Ping“ am Leben erhält, sind letztlich weniger die Elemente des klassischen Kinos, sondern sein anarchischer, improvisierter Charme. Von Hauptdarsteller Sierk Radzei, der einen tiefenentspannten, Kaffee süchtigen Ex Polizisten gibt, bis hin zu Ärzte-Drummer Bela B., der einmal mehr sein Faible für ungewöhnliche Filmstoffe beweist, haben sämtliche Beteiligte augenscheinlich viel Spaß an den Dreharbeiten gehabt. Auch an Lokalkolorit wurde nicht gespart, der sich außerhalb von Wuppertal zwar nur bedingt entfalten wird, aber doch dazu beiträgt so manche Schwäche zu übertünchen und „King Ping“ zu einem amüsanten Film zu machen.

Michael Meyns