Klang des Herzens, Der

Die Macht der Musik und kindlicher Imagination beschwört der neue Film von Kirsten Sheridan ("Disco Pigs") über einen Waisenjungen, der sich auf die Suche nach seinen leiblichen Eltern macht. Der kalten Jahreszeit setzt die Tochter des berühmten Filmemachers Jim Sheridan eine Überdosis Kitsch und sentimentales Pathos entgegen, womit sich "Der Klang des Herzens" als typischer Vertreter des weihnachtlichen Gefühlskinos outet.

Webseite: www.tobis.de

OT: August Rush
USA 2007
Regie: Kirsten Sheridan
Produktion: Richard Baron Lewis
Drehbuch: Nick Castle, James V. Hart
Mit Freddie Highmore, Keri Russell, Jonathan Rhys-Meyers, Robin Williams, William Sadler, Terrence Howard
Filmlänge: 115 Minuten
Kinostart: 13.12.2007
Verleih: Tobis

PRESSESTIMMEN:

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FILMKRITIK:

Zu Weihnachten gehört der Weihnachtsfilm ebenso wie Tannenbau, Bescherung, Festessen und der obligatorische Familienkrach. Bei "Der Klang des Herzens", auch wenn darin kein Santa Clause vorkommt und noch nicht einmal Schnee durchs Bild rieselt, handelt es sich eindeutig um einen Vertreter des Weihnachtsfilms. Zumindest lässt die Geschichte über ein junges Musikgenie, das sich nach Jahren der Demütigung und Ausgrenzung auf die Suche nach seinen Eltern begibt, an dieser Klassifizierung nie wirkliche Zweifel aufkommen.

Am Anfang steht eine kurze, aber leidenschaftliche Romanze oder – unromantisch ausgedrückt – ein One Night Stand. Auf einer Party lernt die Ausnahme-Cellistin Lyla (Keri Russell) den smarten Rockmusiker Louis (Jonathan Rhys-Meyers) kennen. Zusammen verbringen sie eine einzige Nacht hoch über den Dächern von New York. Kurze Zeit später bemerkt Lyla, dass sie schwanger ist. Doch noch bevor sie ihr Kind zur Welt bringen kann, wird sie in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt. Ihr Vater (William Sadler), der ehrgeizige Karrierepläne verfolgt, lässt sie in dem Glauben, sie habe eine Fehlgeburt erlitten. Und so wächst der kleine Evan (Freddie Highmore) in einem Waisenhaus auf, wo er von den anderen Kindern zumeist als Freak verspottet wird. Immer stärker reift in ihm der Wunsch heran, das Heim einfach hinter sich zu lassen und stattdessen seinem Herz zu folgen. Dieses verlangt vom ihn, seine Eltern zu finden und sich ganz seiner einzigen Leidenschaft, der Musik, hinzugeben.

Sobald Evan New York erreicht, entwickelt sich die Geschichte in Richtung eines mit Coming-of-Age-Elementen angereicherten Märchens. Die große Stadt erscheint als unübersichtlicher Wald, in dem ein hilfsbereiter Beamter der Jugendfürsorge (Terrence Howard) und ein undurchsichtiger Lebenskünstler (Robin Williams) um die Gunst unseres jungen Helden buhlen. Dieser versucht mittels Musik, die Risse in seiner kleinen Welt zu kitten. Was folgt, ist eine mit Zuckerguss und jede Menge Kitsch überzogene Familienzusammenführung, die in Gestalt eines überdimensionierten Happy Ends vor keiner Sentimentalität zurückschreckt. Irgendwem stehen fortlaufend vor Rührung Tränen in den Augen, während wahlweise süßliche Rock-Balladen oder Streicher als musikalisches Leitthema herhalten müssen.

Regisseurin Kirsten Sheridan – und das ist dann irgendwie wieder sehr sympathisch – unternimmt zu keiner Zeit den Versuch, die viel zu dick aufgetragene Gutmenschen-Botschaft ihres Films zu verstecken. Vielleicht weil sie weiß, dass solch ein Unterfangen angesichts soviel weinerlicher Rührseligkeit ohnehin scheitern müsste. Stattdessen hält sie auch auf die Gefahr hin, dass sich manch ein Zuschauer in Zynismus und Gleichgültigkeit flüchtet, bis in die letzten Einstellungen an einzelnen Motiven wie den leuchtenden Kinderaugen fest. Das kann eigentlich nur einen Grund haben: "Der Klang des Herzens" versteht sich als Weihnachtsfilm. Und als solcher entzieht er sich den üblichen Bewertungskriterien. Ein „zuviel“ an Gefühl kann es in diesem Genre jedenfalls nicht geben.

Marcus Wessel

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England gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Elisabeth I., eine Tochter Heinrichs VIII., sitzt seit 30 Jahren auf dem Thron. Die Religionen, die „papistische“ und die ketzerisch-protestantische anglikanische, stehen sich gegenüber. Aus diesem Gegensatz gehen wie schon seit langer Zeit Intrigen und Verrat hervor, die die Königin und den Hof gefährden.

Maria Stuart, erzkatholisch, gefangen gesetzt und Anspruch auf Englands Thron erhebend, fällt ihnen zum Opfer, nicht zuletzt deshalb, weil sie Elisabeth stürzen will und sie, als alles vom königstreuen Sir Francis Walsingham entdeckt wird, einen Hochverratsprozess erdulden muss, der für sie tödlich endet.

Philipp II. von Spanien, katholisch und von frömmstem Gemüte, ist der schärfste politische und religiöse Gegner der Engländer. Das geht so weit, dass nach Jahren der Differenzen die riesige Armada in Bewegung gesetzt wird, die jedoch vor der englischen Küste an der Strategie der gegnerischen Admiralität scheitert. Eine Katastrophe für die Spanier.

Natürlich darf auch die Liebe nicht fehlen: die respektvolle unerfüllte Liebe zwischen dem Amerika-Fahrer Sir Walter Raleigh und der Herrscherin, deren angebliche Keuschheit berühmt wurde, sowie die Liebe der von Elisabeth favorisierten Hofdame Bess Throckmorton zu Raleigh, die ursprünglich von der Königin begünstigt wird, damit Raleigh dem Hof nahe bleibe, die jedoch schließlich zum Entsetzen Elisabeths im Wochenbett endet.

Ein schwelgerisches Bild der elisabethanischen Zeit, pompös, theatralisch, pathetisch. Natürlich ist das, von historischen Grundzügen abgesehen, Kino und nicht Geschichte. Aber was für Kino: zeremoniell, feierlich, in prachtvollen Locations und von reicher Ausstattung. In seiner Art sehenswert. So etwas wie der zweite Teil einer Elisabeth-Trilogie.

Auch zwei tiefer greifende Probleme werden sichtbar: zum einen der große, die Königin bedrückende Zwiespalt zwischen ihrer vom hohen, „gottgesandten“, unantastbaren Amt verlangten distanzierten Haltung und ihren wahren Gefühlen als Frau, zum andern der unheilvolle Konflikt zwischen den Fundamentalisten unterschiedlicher Religionen, der heute noch ebenso brandaktuell ist wie im 16. Jahrhundert.

Die wiederum exzellente Cate Blanchett spielt gnädig die Königin, Clive Owen den sehr männlichen Gegenspieler Sir Raleigh. Ebenso überzeugend Geoffrey Rush als Walsingham, die schöne Abbie Cornish als Bess sowie Samantha Morton als Maria Stuart. Lob auch für die beeindruckende Inszenierung von Shekhar Kapur.

Thomas Engel