Knerten traut sich

Wie die meisten Fortsetzung variiert auch der zweite Teil der Abenteuer um den jungen Lillebror und seinen Ast Knerten, der in Lillebrors Phantasie zum Leben erwacht, Motive und Themen des Originals. Erneut lernt Lillebror in malerischer norwegischer Landschaft also eine wertvolle Lektion fürs Leben, was mit fast soviel Witz und Originalität erzählt wird wie im ersten Teil.

Webseite: www.24bilder.net

OT: Knerten gifter seg
Norwegen 2011
Regie: Martin Lund
Buch: Birgitte Bratseth
Darsteller: Adrian Gronnevik Smith, Pernille Sorensen, Jan Gunnar Roise, Petrus A. Christensen
Länge: 78 Minuten
Verleih: Polyband, Vertrieb: 24 Bilder
Kinostart: 12. April 2012

PRESSESTIMMEN:

Die Abenteuer vom Jungen Lillebror und seinem Freund, dem sprechenden Stock Knerten, sind nostalgisch, liebevoll und so schön langsam erzählt, dass sogar die Dreijährige folgen kann. Die Sechsjährige liebt’s sowieso. So geht perfektes Kinderkino.
BRIGITTE

FILMKRITIK:

Lillebror ist acht Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder auf dem Land, irgendwo in Norwegen. Die Zeit scheint hier still zu stehen, die Welt ist friedlich, das Leben weitestgehend frei von jenen technologischen Entwicklungen, die spätere Generation beschäftigen werden, Lillebror lebt also ein beschauliches, unbeschwertes Leben. Die beruflichen Probleme, die im ersten Teil der Knerten-Serie seine Eltern dazu brachten, aufs Land zu ziehen, wo sein Vater nun als Vertreter arbeitet, scheinen behoben, der Vater tritt hier ebenso nur sporadisch in Erscheinung wie der ältere Bruder. Und auch die Mutter, die im örtlichen Laden arbeitet, wo ihr Lillebror bisweilen aushilft, verschwindet bald von der Bildfläche. Ein Fahrradunfall lässt sie verletzt im Straßengraben zurück, nur das zerbrochene Stück eines Rückspiegels deutet auf den Unfall hin, der sie ins Krankenhaus gebracht hat. Dramatisch ist ihre Situation nicht, dennoch setzen Lillebror und sein bester Freund Knerten, ein Ast, der in Lillebrors Phantasie und mit Hilfe von digitalen Effekten zum Leben erwacht, alles daran, den Verursacher des Unfalls zu finden.

Bald haben sie den Busfahrer unter Verdacht, der sich vehement gegen Radfahrer ausspricht und oft arg schnell fährt, bald überprüfen sie zusammen mit Lillebrors Schulfreundin Vesla sämtliche vorbeifahrenden Autos. Doch als sie schließlich Erfolg haben, ist die Antwort der Frage, wer für den Unfall seiner Mutter verantwortlich war, viel ambivalenter, als sich Lillebror es ausgemalt hat. Trotz seiner jungen Jahre sieht er sich mit der Frage konfrontiert, inwieweit sein Verhalten, seine überbordende Phantasie, seiner Umgebung schaden zufügt.

Wie schon „Mein Freund Knerten“ ist auch die Fortsetzung „Knerten traut sich“ im besten Sinne altmodisch. Die vergangene Zeit wird nicht dazu benutzt, in verklärender Nostalgie zu schwelgen, sondern fungiert als Hintergrund einer einfachen Geschichte. Manchmal erinnert die Welt von Lillebror und Knerten an die Geschichten Astrid Lindgrens, die an der Oberfläche ähnlich einfach gestrickt sind, aber dennoch viel über die komplizierten emotionalen Welten eines Kindes erzählen. Daneben ist „Knerten traut sich“ aber auch ein humorvoller Film, in dem vor allem durch die amüsante Astfigur Knerten, die diesmal mit einer anderen Astfrau konfrontiert wird, mit der er im Laufe der Geschichte anbändelt, worauf auch der doppeldeutige Titel anspielt. Einmal mehr also ein schöner Kinderfilm aus nordischen Gefilden.

Michael Meyns

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