Knight of Cups

Die Sinnsuche des Terrence Malick geht auch in seinem neuen Film „Knight of Cups“ weiter, der im Wettbewerb der Berlinale seine Weltpremiere erlebte und ebensoviel Begeisterung wie Unverständnis erntete. Kein Wunder, verzichtet Malick doch praktisch völlig auf jegliche Handlung und reiht stattdessen unfassbar schöne Bilder zu einem impressionistischen Film über die Leere Hollywoods aneinander.

Webseite: www.knightofcups.studiocanal.de

USA 2014
Regie, Buch: Terrence Malick
Kamera: Emmanuel Lubezki
Darsteller: Christian Bale, Cate Blanchett, Teresa Palmer, Natalie Portman, Freida Pinto, Antonio Banderas, Imogen Poots, Wes Bentley, Armin Mueller-Stahl
Länge: 118 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: Sommer 2015
 

FILMKRITIK:

Im Tarotdeck steht die Karte des Knight of Cups, des Ritter der Kelche für Zweierlei: Eine Person, die voller Ideen und Möglichkeiten ist, aber auch jemand, der ständig gelangweilt ist und nach Stimulation verlangt. Steht die Karte jedoch auf dem Kopf symbolisiert sie Unzuverlässigkeit, Maßlosigkeit und falsche Versprechen und verweist auf eine Person, der es schwer fällt zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden.

Erstaunlich präzise trifft diese Beschreibung auf den von Christian Bale gespielten Rick zu, der Hauptfigur in Terrence Malicks neuem Film „Knight of Cups.“ Als Drehbuchautor lebt Rick in Los Angeles, steht offenbar vor einem Vertragsabschluss, der ihn reich machen wird, ist von schönen Frauen umgeben, die ihn jedoch ebenso wenig glücklich machen wie die mondänen Partys auf denen er sich rumtreibt. Viel mehr beschäftigen ihn die Erinnerung an seinen Vater und an seinen Bruder, der vor einigen Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Nicht umsonst erinnern diese Momente an „The Tree of Life“ in denen der enigmatische Regisseur zum ersten Mal autobiographisch wurde. Ging es dort noch um die Kindheit in Texas, erzählt Malick nun vom Leben in Hollywood. Wie nah „Knight of Cups“ an Malicks eigene Erfahrungen im Kern der kommerziellen Filmproduktion angelehnt ist, ist unmöglich zu sagen, viel zu wenig ist aus den Jahren zwischen 1978 und 1998 bekannt, als Malick eine lange Schaffenspause einlegte, Projekte scheiterten, er mit seiner Frau nach Frankreich zog und schließlich mit „The Thin Red Line“ zurückkehrte.

Rick bleibt also eine Chiffre, eine verlorene Gestalt, die Malick als Fels dient, um den herum das mondäne, aber auch oberflächliche Leben Hollywoods tobt, ohne das Rick mit ihm interagieren würde. Mal auf Filmsets, mal auf Fotoshootings, mal am Strand von Santa Monica, mal in Las Vegas ist Rick zu sehen, oft allein, noch öfter von einer Riege schöner Frauen umgeben. Das Malick auch diesmal keine Frauenfigur zeigt, die mehr als schöne  Fassade ist mag man bedauern, versteht man „Knight of Cups“ aber als subjektiven Stream of Consciousness einer männlichen Figur, macht diese Entscheidung wieder Sinn. Denn „Knight of Cups“ ist dezidiert subjektiv erzählt und beschreibt Ricks Sinnsuche, die ihn auch oft in die Wüste führt. An Jesus, der 40 Tage in der Wüste herumirrte mag man hier denken, wobei die Natur diesmal einen deutlich geringeren Stellewert einnimmt als die Stadt. Statt Bäumen, Blättern und Tieren zeigen Malick und sein brillanter Kameramann Emmanuel Lubezki diesmal vor allem Beton, Stahl und Glas, die Hochhäuser Los Angeles, kalte Empfangshallen, mondäne Häuser und die Glitzerwelt Las Vegas, die in ihrem oberflächlichen Exzess wie die Hölle auf Erden wirkt.

Einen Ausweg aus diesem Exzess zu finden fällt schwer, zu verführerisch, zu einfach wirkt das Leben als Teil der Oberflächlichkeit Hollywoods. Doch Transzendenz ist hier nicht zu finden, scheint Malick anzudeuten und lässt stattdessen einen Priester auftreten (Armin Mueller-Stahl in einem winzigen Auftritt), der Rick durch den Glauben einen Ausweg zu weisen scheint. Doch so einfach macht es sich Malick dann natürlich doch nicht und lässt nach zwei atemberaubenden Stunden seinen Ritter weiter allein durch die Welt streifen, auf der Suche nach einem Sinn, der schwer zu finden ist, aber gewiss nicht in Hollywood.
 
Michael Meyns