Kochen ist Chefsache

Mit einiger Verspätung erreicht der schon lang anhaltende Kochboom auch das Kino. Vor ein paar Monaten war eine Dokumentation über die moderne Molekularküche zu sehen, nun diese leichte, amüsante französische Komödie, in der Jean Reno Alexandre Lagarde spielt, einen Koch im Kampf für die Tradition. Ihm zur Seite steht der Nachwuchskoch Jacky Bonnot, mit dem zusammen Lagarde den Kampf ums „richtige“ Essen aufnimmt.

Webseite: www.senator.de

OT: Comme un Chef
Frankreich 2012
Regie: Daniel Cohen
Buch: Daniel Cohen, Olivier Dazat
Darsteller: Jean Reno, Michael Youn, Raphaelle Agogué, Julien Boisselier. Salomé Stévenin, Serge Larivière
Länge: 84 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart:7. Juni 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Jacky Bonnot (Michael Youn) ist ein junger, aufstrebender Koch, der es mit seinen Prinzipien sehr genau nimmt. Wenn da ein Gast auf Eile pocht, nimmt ihm Jacky schon mal sein mühsam zusammengestelltes Gericht weg, um ihm zu Steak und Pommes Frites zu raten. Dummerweise haben die Chefs von Jackie wenig Verständnis für seine Einstellung, und so findet er sich ein ums andere Mal ohne Job wieder. Seiner Frau und des bald erwarteten Nachwuchs zuliebe stimmt Jacky zu, endlich einmal einen Job für sechs Monate zu behalten. Doch auch als Maler in einem Altersheim kann er sich nicht zurückhalten: Durchs Fenster berät er die Köche, eine bunte Mischung aus Chang, einem Asiaten, Moussa, einem Afrikaner, und Titi, einem ehemaligen Fliesenleger. Doch das Schicksal meint es gut mit Jacky: Der Starkoch Alexandre Lagarde (Jean Reno) isst beim Besuch eines alten Freundes eine seiner Kreationen und stellt Jacky kurzerhand ein.

In seinem Luxusrestaurant „Le Cargo Lagarde“ findet sich Jacky fast am Ziel seiner Träume wieder, aber auch nur fast. Dass er zunächst nur auf Probe arbeitet und seinen beruflichen Aufstieg vor seiner Frau verheimlicht, ist da noch das geringste Problem. Viel schwerer wiegt, dass Lagarde kurz vor dem Rausschmiss steht. Der Geschäftsführer Stanislas Matter (Julien Boisselier) will den traditionell kochenden Lagarde mit einem Vertreter der Molekularküche ersetzen, die mit chemischen Methoden hochtechnologisiertes Kochen betreibt, Festes verflüssigen oder Flüssiges zu Schaum verarbeitet – all das, was für Lagarde so gar nichts mit Kochen zu tun hat. Doch was will Lagarde angesichts des bevorstehenden Besuchs der gefürchteten Kritiker des Guide Michelins machen? Verliert er seinen Dritten Stern, verliert er auch sein Restaurant, doch eine Rundumerneuerung kommt ebenso wenig in Frage.

Auf leichtfüßige Weise führt Regisseur und Co-Autor Daniel Cohen durch die Welt des Kochens. Eine Fernsehshow, in der Lagarde seine Lieblingsrezepte vorführt, darf da ebenso wenig fehlen wie ein bizarrer Ausflug in ein Molekularrestaurant, das hier mehr einem futuristischen Labor ähnelt als einem Gourmettempel. Die Sympathien des Films sind zwar klar verteilt, doch Cohen ist gelassen genug, seine Komödie nicht auf einen bloßen Konflikt zwischen traditioneller und moderner Küche zu reduzieren. In erster Linie geht es in „Kochen ist Chefsache“ um die Lust am Kochen, die allein von den Bedürfnissen der Familien übertroffen wird. Doch sowohl Jackys als auch Lagardes familiäre Probleme sind kaum mehr als Problemchen, die sich ebenso im Wohlgefallen auflösen wie ihre beruflichen Sorgen. Nicht zuletzt dank der sympathischen Schauspieler weiß „Kochen ist Chefsache“ gut zu unterhalten: Nicht unbedingt als cineastisches Gourmet-Menü, aber als doch als angenehm leichte filmische Kost.

Michael Meyns

Frankreich – ein Paradies für Cineasten und Gourmets zugleich. Doch auch hinter der eleganten Fassade der Nobel-Restaurants spielen sich oft heftige Machtkämpfe und persönliche Triumphe wie Tragödien ab. Daniel Cohen zeigt in „Comme un chef“ vor allem die lustige Seite des Zusammenpralls von Exzentrikern hinter dem Herd – und ihm gelingt ein beschwingt erzählter und anrührender Film über Leidenschaften, Kreativität und Idealismus.

Es ist zwar ein Klischee, aber wenn die nationale und internationale Kinoproduktion der Maßstab sein soll, dann stimmt es vermutlich sogar: Mit dem Kulinarischen und dem echten Feinschmeckertum haben die Deutschen, im Vergleich zu ihren Nachbarn im Südwesten, eher wenig am Hut. Außer Fatih Akins „Soul Kitchen“ hat in jüngerer Vergangenheit kein halbwegs populärer Film aus Deutschland die Melange aus Essen und Erzählung gewagt.

Daran scheint auch die Sektion „Kulinarisches Kino“ der Berlinale bis jetzt wenig geändert zu haben, die stets zu Film und Dinner lädt und in diesem Jahr von „Comme un chef“ eröffnet wurde. Jean Reno spielt darin den legendären Sternekoch Alexandre Lagarde, der wenig hält von modischem Schnickschnack wie der Molekularküche und sich, was seine Kreationen betrifft, lieber auf Altbewährtes verlässt. Dem grünschnabeligen Stanislas Matter (Julien Bouisselier), neuer Geschäftsführer des Konzerns, zu dem Lagardes Restaurant gehört, ist dieser widerspenstige Dinosaurier ein Dorn im Auge – zu gern würde er ihn durch einen trendigen Newcomer ersetzen, der auch noch, mon Dieu, britischer Abstammung ist! Und Stanislas hat eine Vertragsklausel entdeckt, die es ihm erlauben würde, Lagarde vor die Tür zu setzen: Verliert er einen Stern, ist der Altmeister weg vom Fenster. In wenigen Tagen schon stehen die Kritiker vor der Tür, und die fahren, so lautet das Gerücht, total ab auf die Molekularküche…

Wenn auch Regisseur Daniel Cohen immer wieder die französisch-komödiantische Tradition seines Filmes betont, mit Vorbildern wie „Scharfe Kurven für Madam“ oder „Brust oder Keule“ mit Louis de Funès, so werden die Kenner von Akins Film doch zumindest die Figur des streitbaren Küchenchefs wiedererkennen, der noch jeden bodenständigen Imbissbesucher zum Gourmet umerziehen möchte. Michaël Youn spielt mit einem perfekt auf die Figur passenden melancholisch-träumerischen Blick den Jacky Bonnot, einen talentierten Koch, werdenden Vater und großen Fan von Lagarde, der durch einen Zufall die Chance bekommt, bei seinem Idol zu arbeiten. Und es stellt sich heraus, dass Jacky vielleicht der einzige ist, der Lagarde und dessen Restaurant retten kann. Dumm nur, dass er seiner schwangeren Dauerfreundin Beatrice (Raphaëlle Agogué) versprochen hat, keinen sicheren Job mehr für seine Leidenschaft am Herd aufzugeben.

Am schwächsten ist Cohens Film in den wenigen Momenten, in denen er versucht, in seine Szenen eine Turbulenz hineinzuzwingen, die die mit sympathisch leisem Humor erzählte Geschichte unnötig hysterisiert. Dem kantigen Jean Reno, der freilich in vielen seiner Rollen eine zarte, subtile, auch lustige Seite hinter der harten Schale verbirgt, liegen der Slapstick und die Travestie ohnehin nicht sonderlich. Und auch Michaël Youn, ein routinierter Komödiant, macht etwa als japanische Diplomatengattin, die beim neuen Molekularküchen-Superstar spionieren geht, eine eher alberne Figur.

Wo Cohen aber seine Figuren ernst nimmt und in den sich ausweitenden Konflikten um Rezepte, finanziellen Druck und Beziehungsstress hinter aller Komik auch eine tragische Seite aufscheint – ausgerechnet dort gewinnt der Film nicht nur das Interesse des Zuschauers, sondern auch eine Leichtigkeit des Erzählens, die ihm ausgesprochen gut tut. Und im Kino wie in der Küche gilt bekanntlich: In dem, was am leichtesten aussieht, steckt die härteste Arbeit.

Tim Slagman

Jacky Bonnot hat schon seit frühester Kindheit eine Leidenschaft: kochen, Gewürze ausprobieren, neue Essensideen finden, die Essenszubereitung zu einer (Drei-Sterne-)Kunst erheben. Er liebt sein Hobby so sehr, dass er in dem Restaurant, in dem er als Kellner arbeitet, mit den Köchen Krach anfängt, wenn sie ein falsches Gewürz verwenden, oder dass er den Gästen die Menüs wegnimmt, wenn sie nicht den richtigen Wein dazu bestellen.

Natürlich ist unter diesen Umständen seines Bleibens nie sehr lange. Schon drei-, viermal wurde er so gefeuert. Und doch muss er auf irgendeine Weise Geld heimbringen, denn seine Frau Beatrice ist hochschwanger. Also nimmt er eine Stelle als Maler an. In einem Altersheim muss er Fenster streichen. Durch diese sieht er, wie die dortigen Köche Fische malträtieren. Auch da schreitet er sofort ein.

Er kocht berühmte Rezepte des Drei-Sterne-Kochs Alexandre Lagarde nach, und auf diese Weise fällt er Lagarde auf. Also darf er bei diesem anfangen. Er schlägt sofort ein. Doch Lagarde hat Sorgen. Man will ihm kündigen – und kann das auch, wenn er einen seiner Sterne verliert.

Beatrice weiß von alledem noch nichts. Da sieht sie ihren Mann im Fernsehen. Einen Lügner will sie nicht. Sie haut ab. Doch damit sind die Schwierigkeiten noch lange nicht zu Ende. Lagarde fällt nichts mehr ein. Der Besuch der Michelin-Tester steht vor der Tür. Die sogenannte Molekularküche ist im Trend, und die Lagarde-Leute haben davon keine Ahnung. Das Verhältnis zwischen Jacky und Lagarde ist auch nicht immer das Beste, usw. usw.

Kochsendungen sind en vogue, die Fernsehkanäle sind voll davon. Kein Wunder also, dass auch das Kino das Thema aufgreift. Man hat ein einigermaßen flottes Drehbuch zusammengebracht und Jean Reno als Lagarde gewonnen. Das sichert auf jeden Fall schon einmal eine gewisse Publikumswirkung. Der in Frankreich bekannte Michael Youn ist als Jacky dabei – und spielt ebenfalls sehr gut.

Regie und Ausstattung sind routiniert, leidlich unterhaltsam ist es dazu. Den meisten Kinozuschauern dürfte diese französische Kochkomödie ganz gut gefallen.

Thomas Engel