König des Comics – Ralf König

Rosa von Praunheims Filme bieten vor allem traditionell eines: die Auseinandersetzung mit Homosexualität. In den letzten Jahren ist – vielleicht altersbedingt – noch etwas hinzugekommen, nämlich ein erfreulich abgeklärter Blick auf die Welt. So ist sein Film über Ralf König, den wohl zurzeit bekanntesten aktiven deutschen Comiczeichner, ein sehr uneitles, unterhaltsames und erfrischendes Porträt eines liebenswert schüchternen Mannes, der mit scharfem Witz, schamloser Dreistigkeit und entlarvender Selbstironie all das aufs Papier bannt, woran der durchschnittlich brave Bürger nicht einmal in seinen kühnsten Träumen zu denken wagt. Doch obwohl es mehr in Bildern als in Worten auch viel um schwulen Sex geht, ist dies kein pornografischer Film, sondern die humorvoll verspielte Liebeserklärung an einen großartigen Künstler.

Webseite: www.basisfilm.de

Deutschland 2012 – Dokumentarfilm (digital)
Buch und Regie: Rosa von Praunheim
Länge: 80 Minuten
Verleih: Basis
Kinostart Berlin: 23.02.2012
Bundesstart: 01.03.2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Zu Anfang eine kühne These: Vielleicht hat Ralf König mit seinen Schwulencomics in den letzten 25 Jahren ebensoviel zur gesellschaftlichen Akzeptanz der Homosexualität beigetragen wie Rosa von Praunheim. Der war lange bekannt als Lautsprecher der Schwulenbewegung, ein Haudrauf, der weder aus seinen Vorlieben noch aus seinen Abneigungen großen Hehl machte und jede Gelegenheit nutzte, sich selbst und seine Ansichten zu präsentieren.

Ralf König ist ungefähr das genaue Gegenteil: einer, der schweigsam und beharrlich vor sich hin arbeitet und die Öffentlichkeit eher scheut als sucht. Seine Comics werden mittlerweile von Schwulen und Heteros, Frauen und Männern geliebt. Doch der stille Mann, der sich die herrlich schamlosen und entlarvend komischen Bilder ausgedacht hatte, blieb im Verborgenen. Zumindest war das bisher so, denn in diesem Film lernt man ihn kennen, den verschmitzten Grübler, der hinter den Zeichnungen steckt. Und Rosa von Praunheim zeigt überraschend viel Sensibilität dem scheuen Künstler gegenüber, der den Humor für sich als Waffe entdeckt hat und ihn souverän gegen Vorurteile, Klischees und Anfeindungen einsetzt.

Seine Geschichte ist ebenso typisch wie untypisch für einen Provinzjungen in den 70er Jahren, der entdeckt, dass er anders ist: bemühte Annäherungsversuche an ein Mädchen, dann die Erkenntnis, homosexuell zu sein, der erste Sex mit einem Mann, Flucht aus dem Elternhaus, die anonyme Großstadt als Möglichkeit, Sehnsüchte zu erfüllen. Die Kunsthochschule bietet dem gelernten Tischler die Möglichkeit, seinen Traum vom Zeichnen zum Beruf zu machen. Und dann geht es richtig ab! Pornografie kann er schon – das hat er in langen Jahren auf dem Lande geübt, aber jetzt kommen die Knollennasenmännchen dazu, die den schwulen Alltag so frech, so komisch und ironisch zeigen, dass Königs Comics aus der Underground-Ecke über den seriösen Rowohlt Verlag in den regulären Buchhandel wandern. Und schließlich folgt die erste Verfilmung: „Der bewegte Mann“ – so richtig glücklich ist Ralf König nicht mit dem Ergebnis, doch dem Film verdankt er seine Bekanntheit. Heute veranstaltet er Live-Lesungen in großen Sälen, bei denen seine Zeichnungen auf eine Leinwand projiziert werden, während er, begleitet von Applaus und Lachen, mit verstellter Stimme knarzend, quäkend und fistelnd die Sprechblasen mit Leben erfüllt.

In seiner Annäherung an den zurückhaltenden Gesprächspartner beweist Rosa von Praunheim überraschend viel Sensibilität, indem er diese Aufgabe zunächst delegiert, und zwar an René, einen Zahnarzt aus der Schweiz. Der freut sich wie Bolle, Ralf König persönlich kennenzulernen. Durch seine Werke hat er gelernt, die eigene Homosexualität zu akzeptieren und sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Beides scheint in der Schweiz auch heute noch eher ungewöhnlich zu sein. Gemeinsam mit René, Weggefährten, Freunden und Freundinnen führt die vergnügliche Reise durch die Jahrzehnte bis heute. Man erfährt von neuen Filmplänen, ist bei seinem 50. Geburtstag dabei und erlebt Ralf König nicht nur als Zeichner, sondern auch als guten Kumpel, Hobby-Transe und Philosophen.

Schwungvoll und liebenswürdig zeichnet Rosa von Praunheim das Porträt eines Mannes, der für seine Kunst lebt und dabei ehrlich und mutig geblieben ist, ganz gleich, ob es gegen den Islam oder gegen die katholische Kirche geht. Auch wenn der Weg noch weit sein mag, bis Homosexualität weltweit akzeptiert wird: Ralf König trägt hierzulande viel dazu bei – mit spitzer Feder, Humor und scharfem Blick für die Absurditäten des Alltags und des Liebeslebens. Und das gleiche gilt für Rosa von Praunheim, dem zusätzlich ein großes Lob gebührt, nämlich für diesen entspannten, kleinen Film!

Gaby Sikorski

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